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Blick auf den Kaispeicher A im Hamburger Hafen
Hamburger Hafen, Blick auf den Kaispeicher A, Niederhafen nach 1900, 
Fotograf*in: unbekannt / SHMH
Hamburg

Hamburgs verschwundene Orte: 5 Erinnerungen an vergangene Zeiten

Sirany Schümann
Sirany Schümann

Was war vor der Elphi? Und wieso musste ein ganzes Hamburger Viertel umziehen? Verschwunden, aber nicht vergessen: Reist mit uns zurück in die Vergangenheit zu Hamburger Orten, die in ihrer ursprünglichen Form gar nicht mehr existieren.

Als das Planschen in der Alster offiziell erlaubt war: Badeanstalt Schwanenwik

Die Alsterwiese Schwanenwik mit der bekannten Skulptur "Drei Männer im Boot" ist an schönen Sommertagen beliebter Treffpunkt für goldene Stunden zum Sonnenuntergang, Grillfeste und Feierabendbierchen. Wie gut wäre es bitte, wenn man dabei zwischendurch auch noch ins Wasser hüpfen könnte, um sich zu erfrischen? So abwegig war der Gedanke früher gar nicht. Wo sich heute die Wiese befindet, erstreckte sich nämlich einst die Badeanstalt Schwanenwik. Genau genommen südlich und westlich der Straße Schwanenwik, zwischen Schwanenwikbrücke und Hohenfelder Brücke. Hamburgs offizieller Alster-Badeplatz wurde im Sommer 1869 eröffnet und bot vorerst nur den männlichen Bewohnern ein rund 3.000 Quadratmeter großes Uferbecken. 1883 kam ein weiteres 3.500 Quadratmeter großes Schwimmbecken dazu. Erst ab 1900 ließ die Stadt ein Frauenbad bauen, Männlein und Weiblein badeten hier also bis zur Schließung der Anlage getrennt. Schluss war spätestens, als die Badeanstalt Schwanenwik im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Allerdings wurde sie aufgrund der sich verschlechternden Wasserqualität und der Entstehung neuer Frei- und Hallenbäder bereits davor schon nicht mehr genutzt.

Hoch über dem Hafen thronte die: Deutsche Seewarte

Die Mitarbeitenden der Deutschen Seewarte müssen einen herrlichen Ausblick gehabt haben. Denn das Institut thronte von 1881 bis in die 1940er-Jahre auf dem Stintfang über dem Hafen. Sehen heißt aber auch gesehen werden. Der im Stil der Neorenaissance errichtete Bau, der an ein italienisches Kastell erinnerte, war schließlich vom Wasser aus gut zu erkennen. Vier Ecktürme gaben ihm sein markantes Aussehen. Diese waren mit für die damalige Zeit modernen Apparaten und Instrumenten ausgestattet, um der Deutschen Seewarte präzises Arbeiten zu ermöglichen. Zu den Aufgaben gehörten das Veröffentlichen von Wetterkarten, die Erarbeitung von Sturmwarnungen sowie regelmäßige Wettervorhersagen. Im Zweiten Weltkrieg, das genaue Datum ist unbekannt, wurde die Seewarte bei einem Luftangriff zerstört, auf ihren Trümmern ist die Jugendherberge "Auf dem Stintfang" entstanden. Seit 1953 kommen nun also Gäste der Unterkunft statt Forscher in den Genuss der Aussicht.

Ehemaliger Prachtbau im Stadtpark: Stadthalle

Ein langes Leben war der Stadthalle im Stadtpark nicht beschert. Vom Baustart im Jahr 1912 bis zur Vollendung in 1924 dauerte es allein schon rund zwölf Jahre, weil der Beginn des Ersten Weltkrieges die Arbeiten verzögert hatte. 1943 zerstörte ein Luftangriff während des Zweiten Weltkrieges die Halle wieder. Immerhin konnten sich die Menschen in Hamburg knapp 20 Jahre lang an dem nach Plänen von Fritz Schumacher entworfenen Prachtbau erfreuen, der Platz für rund 10.000 Menschen bot. Im Inneren befanden sich ein Kuppel-, ein Neben- sowie ein Hochzeitssaal, die zusammen mit einer riesigen Terrasse samt Bootsanleger ein stimmiges Ensemble ergaben. Auch in ihre Umgebung fügte sich die Stadthalle wunderbar ein, denn sie bildete den Start- oder Endpunkt auf einer Achse mit See, Festwiese und Planetarium. Heute befindet sich auf einem Teil der Fläche das runde Modellbootbecken. Nur die viel zu große Treppenanlage am östlichen Ende des Stadtparksees erinnert noch an den einstigen Prachtbau, der sich hier mal befand.

Ein altes Wahrzeichen geht, ein neues kommt: Kaispeicher A

Seit ihrer Fertigstellung im November 2016 hat sich die Elbphilharmonie schon so ins Stadtbild eingebrannt, dass sie für viele mittlerweile das Hamburg-Wahrzeichen schlechthin ist. Was vorher an ihrem Platz auf dem Kaiserhöft, dem westlichsten Ende des Kaiserkais, stand? Das erinnern manche gar nicht mehr. Und genau genommen ist das alte Gebäude auch nie ganz gewichen, denn auf den Fundamenten des zwischen 1963 und 1966 erbauten, eher unscheinbaren Kaispeicher A, wurde die Elphi errichtet. Doch davor gab es bereits einen Vorgänger des Speichers, der deutlich schmuckvoller daherkam.

Der original Kaispeicher A, auch Kaiserspeicher genannt, wurde 1875 nach Plänen des Wasserbaudirektors Johannes Dalmann vollendet. Der trapezförmige Grundriss stellte Architekten und Bauarbeiter schon bei der Planung und Ausführung vor besondere Herausforderungen. Nach der Fertigstellung stach besonders der Turm mit einem darüber "schwebenden" Zeitball ins Auge, den die Hamburger Sternwarte steuerte. Dieser fiel pünktlich zur Mittagszeit nach Greenwich drei Meter in die Tiefe, um den Seeleuten die Möglichkeit zu geben, ihre Schiffsuhren, die sogenannten Chronometer, zu überprüfen und danach auszurichten. Ab Anfang der 1930er-Jahre wurden solche Zeitbälle allerdings durch moderne Geräte ersetzt. Der Kaispeicher A mit seinen vier Böden und rund 19.000 Quadratmetern Lagerplatz blieb aber bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Der nur leicht beschädigte Turm wurde sogar erst 1963 kontrolliert gesprengt – und machte damit Platz für Neues.

Ein ganzer Stadtteil verschwindet: Neuhof

Kaum zu glauben, aber dort, wo heute Industrieanlagen am Köhlbranddeich das Ufer der Elbe säumen, standen früher einmal idyllische Fischerhäuschen, Ausflugslokale und Kleingärten. Solch ein Wandel vollzieht sich zwar nicht selten, im Falle von Neuhof ist er aber besonders gravierend. Denn hier ist in den 1970er-Jahren ein kompletter Stadtteil verschwunden. Neuhof musste für den Bau der Köhlbrandbrücke weichen und heute zeugen nur noch zwei vereinzelte Häuser davon, dass es hier mal ein Leben abseits der Industrie gab. Das Eckhaus Neuhöfer Brückenstraße/ Neuhöfer Damm ist sogar noch bewohnt, doch die Schule Neuhof steht leer und ist ein weniger bekannter Lost Place in Hamburg. Genau genommen gehörte der Stadtteil früher aber gar nicht zur Hansestadt, sondern zum preußischen Wilhelmsburg. Erst das Groß-Hamburg-Gesetz sorgte 1937 für die Eingliederung von Neuhof, dem ehemaligen Grenz-Stadtteil.

Noch mehr Erinnerungen gibts im Buch "Hamburgs verschwundene Orte"

Ihr wollt noch mehr Geschichte(n) über Hamburgs verschwundene Orte erfahren? Dann legen wir euch das gleichnamige Buch des Journalisten und Historikers Matthias Schmoock ans Herz, das im Verlag Bast Medien erschienen ist (19,90 Euro, 192 Seiten). Zusammen mit dem Autor reist ihr in der Zeit zurück und besucht 40 solcher Orte, die vielleicht verschwunden, aber nicht vergessen sind.

Auch unvergessen: Dinge, die es früher mal in Hamburg gab

Nicht bloß Orte verschwinden, sondern auch Transportmittel und Erfindungen. Die Straßenbahn, der Linienverkehr auf der Alster oder die Großrohrpost – alles Dinge, die es früher mal in Hamburg gab.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.