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Marseille Yachthafen
Unsplash / Elisa Schmidt
Hamburg

Kennt ihr Hamburgs Partnerstädte?

Linda Bernhof
Linda Bernhof

Falls nicht, lernt ihr sie jetzt kennen. Hamburg pflegt mit Städten rund um den Globus partnerschaftliche und freundschaftliche Beziehungen. Welche das sind und was diese Städte mit Hamburg verbindet, haben wir für euch recherchiert.

Seit 1957: St. Petersburg

Die älteste Stadtpartnerschaft besteht zwischen Hamburg und St. Petersburg. Sie entstand im Jahr 1957 unter denkbar schwierigen Umständen, denn nach dem Zweiten Weltkrieg war es das erste Mal, dass sich eine russische und eine deutsche Stadt annäherten. Heute ist die Partnerschaft wegen des Krieges in der Ukraine schwieriger denn je. Eigentlich hätte in diesem Jahr wieder die Deutsche Woche in St. Petersburg stattfinden sollen, die von beiden Städten gemeinsam organisiert wird. In ihrem Rahmen finden Veranstaltungen und Dialogprogramme aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Kultur statt. Nach Ausbruch des Angriffskrieges gab Bürgermeister Peter Tschentscher am 24. Februar 2022 jedoch bekannt, dass die Stadt Hamburg die Vorbereitungen für das diesjährige Event nicht fortführen werde. Zudem sagte er seine Reise nach St. Petersburg ab. 

St. Petersburg
Unsplash / Ainur Khakimov

Seit 1958: Marseille

Nach dem Zweiten Weltkrieg war auch diese Versöhnung eine wichtiges Signal für ein geeintes Europa. Am 10. Juli 1958 unterzeichneten die beiden Stadtoberhäupter Max Brauer und Gaston Deferre den Partnerschaftsschwur, in dem sich Hamburg und Marseille gegenseitiges Verständnis, Brüderlichkeit und Zusammenarbeit schworen. Da die beiden Städte als Hafenstädte ähnliche Herausforderungen zu meistern hatten, gab es genügend Anlässe für einen Austausch. Hinzu kamen gegenseitige Handelskammerbesuche, Schulpatenschaften, der Austausch von Stipendien und Professuren sowie der kulturelle Austausch. Im Jahr 2018 feierten Hamburg und Marseille das 60-jährige Jubiläum ihrer Partnerschaft und damit quasi Diamantene Hochzeit.

Marseille Yachthafen
Unsplash / Lara Schipperen

Seit 1986: Shanghai

Als Hafenstädte sowie Handels- und Medienzentren haben auch Hamburg und Shanghai einige Gemeinsamkeiten. In der Städtepartnerschaftserklärung von 1986 einigten sie sich darauf, ihre traditionelle Freundschaft zu pflegen und ihre Zusammenarbeit zu intensivieren. Der erste Austausch von Hamburger und Shanghaier Schülern fand bereits im Mai 1987 statt. 1989 kam es jedoch zu einem Bruch in der Partnerschaft. Denn Hamburg verurteilte die gewaltsame Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens und fror den freundschaftlichen Austausch ein. In den 1990er-Jahren fanden die beiden Städte allmählich wieder zueinander. Um der Partnerschaft in Hamburg eine Bühne zu geben, findet alle zwei Jahren die CHINA TIME statt (Termin für 2022: 22. bis 27. November). Im Rahmen verschiedener Events werden politische, wirtschaftliche, kulturelle und andere Themen behandelt.

Shanghai Skyline
Unsplash / Road Trip with Raj

Seit 1987: Dresden

Eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt, das geht? Japp, das geht und tatsächlich ist diese im Hinblick auf die deutsche Geschichte auch eine ganz wichtige. Denn sie steht für die Überwindung der deutschen Teilung. Zunächst bestand die Zusammenarbeit aber vor allem aus dem gemeinsamen Bemühen, die Wasserqualität der Elbe zu verbessern. Denn die Elbe gehörte früher zu den dreckigsten Flüssen Europas. Als die Mauer fiel, war der Weg dann frei für andere gemeinsame Projekte. Heute stehen Begegnungen und der kulturelle Austausch im Mittelpunkt der Partnerschaft. "Die 1987 geschlossene Städtepartnerschaft leistete einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zum wiedervereinigten Deutschland und stärkt den Zusammenhalt zwischen Ost und West bis heute", so Peter Tschentscher über die Beziehungen.

Dresden Sonnenuntergang
Unsplash / Oliver Guhr

Seit 1989: León

Eine ganz andere Form der Partnerschaft verbindet Hamburg mit der ni­ca­ra­gu­a­nischen Stadt León. Sie zeichnet sich nicht durch Gemeinsamkeiten, sondern eher durch Unterschiede aus. Nicaragua ist eines der ärmsten Länder der Welt. Ziel der Städtepartnerschaft ist es daher, die Lebensbedingungen der Bevölkerung in León zu verbessern und einen Bildungsbeitrag zu leisten. Dabei wird darauf geachtet, dass die Partnerschaft gleichberechtigt ist. Der kulturelle Austausch liegt im Vordergrund, damit die Städte voneinander lernen können. Dazu gehört zum einen der fachliche Austausch durch zum Beispiel Lehrkräfte und Umweltexperten, aber auch der persönliche, etwa durch Jugendaustausch-Reisen. Darüber hinaus hat Hamburg einige Maßnahmen finanziert, die zum Beispiel die Hygienebedingungen oder die Müllentsorgung vor Ort verbessert haben. 

León cathedral in León Nicaragua
Unsplash / Uday Misra

Seit 1989: Osaka

Die Städtepartnerschaft mit Osaka ist wohl die sichtbarste in Hamburg. Euch wird nicht entgangen sein, dass jedes Jahr (außer zu Pandemiezeiten) an der Alster das Kirschblütenfest stattfindet, das immer wieder Tausende Besucher anlockt. Ein weiteres sichtbares Zeichen für die gute Beziehung ist der japanische Garten in Planten un Blomen, den Yoshikuni Araki, ein Landschaftsarchitekt aus Osaka, gestaltet hat. Generell handelt es sich um eine sehr aktive Verbindung. So gibt es zahlreiche Austauschprogramme, eine rege Kommunikation zwischen Hamburgs Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Osaka, wechselseitige Begegnungen von Handballmannschaften bei den "Good-Will-Games Hamburg-Osaka" oder auch die Teilnahme eines Hamburger Läufers am Halbmarathon in Osaka.

Osaka Fußgängerzone
Unsplash / Nomadic Julien

Seit 1990: Prag

Prag ist die einzige Hauptstadt unter Hamburgs Partnerstädten. Nach dem Kalten Krieg wollten beide Städte einen Beitrag leisten auf dem Weg zu einem wieder geeinten Europa. Heute ist die Städtefreundschaft tief in beiden Partnern verankert. Viele Hamburger Unternehmen pflegen intensive Geschäftsbeziehungen in Prag und rund 60 Prozent des Containerverkehrs der gesamten Tschechischen Republik laufen über den Hamburger Hafen. Der Hafen Hamburg Marketing e.V. hat sogar eine eigene Repräsentanz in Prag. Auch in den Bereichen nachhaltige Stadtentwicklung, Digitalisierung, Wissenschaft, Bildung, Theater, Film und Musik besteht ein reger Austausch zwischen den beiden Städten.

Moldau in Prag
Unsplash / Xiaofen P

Seit 1994: Chicago

Die Stadt an der Elbe und die Stadt am Michigansee haben sich in den 1990er-Jahren zusammengetan. Obwohl sie mehr als 7.000 Flugkilometer trennen, besteht ein reger Austausch zwischen den beiden Städten. Im Partnerschaftsvertrag ist unter anderem eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Großstadtverwaltung, Städtebau, Denkmalpflege, Umweltschutz, Verbrechensbekämpfung und Jugendaustausch festgehalten. Viele Hamburger Schulen wie die Wichern-Schule, Christianeum und die Gewerbeschulen G18 und W4 organisieren regelmäßig Schüleraustauschprogramme mit Chicago.

Chicago Lake Michigan
Unsplash / Aveedibya Dey

Seit 2010: Dar es Salaam

Hättet ihr gewusst, wo Dar es Salaam liegt? Wir für unseren Teil mussten es nachschlagen. Dar es Salaam ist die ehemalige Hauptstadt von Tansania. Mit 1.590 Quadratkilometern ist die Hafenstadt am Indischen Ozean mehr als doppelt so groß wie Hamburg. Ein sichtbares Zeichen der Partnerschaft ist seit Oktober 2013 der Dar-es-Salaam-Platz in der Hafencity. Im Gegenzug gibt es seit Oktober 2014 die Hamburg Avenue in Dar es Salaam. Die beiden Städte tauschen sich vor allem zu den Themen Klimaschutz, medizinische Zusammenarbeit, Bildung, Kirche und Kunst aus. Während der Corona-Pandemie hat Hamburg Dar es Salaam bei der Virusbekämpfung geholfen und finanzielle Mittel für Schutzkleidung und Hygiene-Stationen im öffentlichen Raum bereitgestellt. 2022 holen die beiden Städte die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum der Partnerschaft nach.

Dar es Salaam
Unsplash / samson tarimo

Seit 2022: Kiew

Diese Städtepartnerschaft hat einen traurigen Hintergrund, den wir alle kennen: der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Peter Tschentscher und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko haben am 24. April 2022 die strategische Städtepartnerschaft vereinbart, in der sich die beiden Städte zu Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit bekennen. Zusätzlich ist darin festgehalten, dass Hamburg und Kiew sich in Krisenzeiten unterstützen wollen. Aktuell geht es vor allem um humanitäre Hilfe in der Krise. Hamburg bietet aber auch Unterstützung beim späteren Wiederaufbau der Ukraine an. In der nächsten Phase sollen außerdem wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Beziehungen gestärkt werden. "Der Pakt für Solidarität und Zukunft ist ein Zeichen gegen den Angriffskrieg Russlands und für unsere Solidarität mit der Ukraine", sagte Tschentscher in einer Pressekonferenz.

Kiew Dnepr
Unsplash / Viktor Hesse

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