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Bahnhof Landungsbrücken
Unsplash / Gritte
Hamburg

Hamburgs historische Haltestellen: Eine Zeitreise mit der S1

Die Hamburger U3 ist eine der ältesten U-Bahn-Linien des Landes und wurde noch im Kaiserreich errichtet. Wusstet ihr aber, dass es die Strecke der S1 schon wesentlich länger gibt? kiekmo nimmt euch mit auf eine kleine Zeitreise.


Am 6. Dezember 1906 wurde die S-Bahn Hamburg in Betrieb genommen – etwa fünf Jahre, bevor die U3 ihre erste Fahrt antrat. Doch die Historie reicht noch weiter zurück: Denn bereits 1867 gab es die Altona-Blankeneser Eisenbahn, die auf demselben Schienenweg verkehrte. Und schon im Vorjahr erfolgte der erste Personenverkehr auf der Strecke, die einmal die S1 werden sollte: vom hamburgischen Bahnhof Klosterthor zum preußischen Bahnhof Altona mit der Verbindungsbahn. Und da wir in Hamburg gern unser eigenes Ding machen, weist auch unsere S-Bahn Besonderheiten auf: Die Stromschiene wird nicht wie üblich von oben oder unten, sondern seitlich bestrichen. Außerdem war das Logo der Hamburger S-Bahn GmbH bei ihrer Gründung 1997 zunächst rot! Erst 2008 uniformierte die Deutsche Bahn AG auch das Hamburger Logo grün. Aber nun zu den Bahnhöfen.

Altona

Fangen wir am Start an. Der Bahnhof Altona war und ist seit jeher ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Er entstand als Haupt- und Endbahnhof derChristian VIII.-Bahn von Altona nach Kiel im Jahr 1844 (!) in der damals noch eigenständigen Stadt Altona war seine wirtschaftliche Bedeutung enorm und ein echtes Wahrzeichen. Parallel zum Gebäude wurde die "Bahnhofsstraße" angelegt – heute geläufig unter dem Namen Max-Brauer-Allee. Durch gleichzeitige Zunahme von Eisenbahnverkehr und Bebauung des Viertels konnte der Bahnhof Altona nicht an seinem ursprünglichen Platz erweitert werden und zog 1895 in einen etwa 500 Meter entfernten Neubau, errichtet zwischen 1893 und 1898. An dieser Stelle ist er auch heute noch zu finden. Der heutige Platz der Republik fungierte als Grünfläche zwischen den beiden Bahnhöfen, damals unter dem Namen "Kaiserplatz". Seit 1938, mit Eingemeindung Altonas in Hamburg, trägt der Bahnhof seinen aktuellen Namen. Die S-Bahn, wie wir sie heute kennen, erhielt in den dritten, viergleisigen Kopfbahnhof Einzug, der 1979 als erster deutscher Bahnhof mit integriertem Kaufhaus (Karstadt) eröffnete. Da man glaubte, das neogotische Backsteingebäude könnte den Erschütterungen nicht standhalten, musste es dem Betonbau weichen, der bis heute besteht, aber schon einige Umbauten hinter sich hat.

Othmarschen

Der Bahnhof Othmarschen wurde nachträglich eingefügt, als die dortige Villensiedlung entstand. Ein erster, ebenerdiger Haltepunkt wurde 1882 angelegt, der heutige zweigleisige und erhöhte Bahnhof von 1894 bis 1898 ausgebaut und 1897 unter dem NamenBahnhof Groß Flottbek-Othmarschen eröffnet. Die Station zeichnet sich bis heute vor allem durch die historische Bahnsteigüberdachung aus Holz von 1897 aus, die seit 2005 unter Denkmalschutz steht. Etliche blau-rote, verzierte Holzfeiler tragen das Spitzdach und verleihen dem Bahnhof einen ganz eigenen Charakter. Lediglich die Uhren, die sich einst auf den Dachfirsten befanden, fehlen heute. Zudem befinden sich auf dem Bahnsteig noch das alte Wärterhäuschen aus Backstein sowie die einstige Bahnhofskneipe, in die ein DB-Service-Store eingezogen ist. Ein Kiosk direkt am Gleis?! Super praktisch.

Klein Flottbek

Bereits seit 1867 wird die Haltestelle Klein Flottbek bedient, seit 1895 auch zweigleisig. Das prächtige Bahnhofsgebäude mit seinen Rundbögen ist bis heute erhalten, allerdings nicht mehr Teil des Bahnhofs – vom Gleis aus kann man es aber sehen. Es beherbergt ein Restaurant und eine Arztpraxis. Der Bahnsteig ist mit einem erhaltenen Spitzgiebel überdacht, unter dem sich auch noch das Häuschen der einstigen Bahnhofskneipe befindet. Ähnlich wie in Othmarschen wird auch das Dach der Station Klein Flottbek von Holzpfeilern getragen, diese kommen allerdings vergleichsweise roh und unverziert daher. Zunächst fungierte Klein Flottbek allerdings als Güterbahnhof: Kohle, PKW, Reitpferde und Bier für die Elbschloß-Brauerei wurden hier verladen. Das ehemalige Wärterhaus, ein Fachwerkbau mit Baujahr 1907, ist ebenfalls bis heute erhalten.

Bahrenfeld

Auch Bahrenfeld ging 1867 eingleisig ans Netz, zuerst hielten die Züge hier aber nur bei Bedarf. Mit der Übernahme der AKE durch Preußen 1883 erfolgte ein Umbau des Bahnhofs, der 1896 abgeschlossen war – das Bahnhofsgebäude steht bis heute. Auch dieOttenser Industriebahn machte von 1898 bis 1980 in Bahrenfeld Halt. Die einstigen Gleise für den Güterverkehr wurden fast vollständig abgebaut, die Anlagen neu bebaut oder umfunktioniert – beispielsweise der ehemalige Bahnhof Gaußstraße, in dem nun unter anderem das Thalia Theater seinen Außensitz hat. Erahnt ihr, was sich außerdem auf dem Bahnsteig befand? Richtig, die obligatorische Bahnhofskneipe!

Hauptbahnhof

Zugegeben, alterstechnisch kann die "erst" 1906 errichtete Halle nicht ganz mithalten, allerdings war ihr Bau ein elementares historisches Ereignis für die Stadt: Hamburg hatte endlich einen zentralen Bahnhof. Und natürlich nicht irgendeinen, sondern gleich die größte freitragende Bahnhofshalle Deutschlands. Das architektonische Wunderwerk, das lediglich drei Jahre Bauzeit beansprucht hatte, löste die vier (!) bisherigen Kopfbahnhöfe in Zentrumsnähe ab. Nun wollt ihr sicher wissen, welche das waren? Verraten wir: der Berliner Bahnhof auf dem heutigen Areal der Deichtorhallen, der Bahnhof Klosterthor, damals ein Stadtteil, zwischen Markthalle und Hühnerposten, der Bahnhof Spaldingstraße (Nähe S Hammerbrook) und der Hannoversche Bahnhof mit seiner bewegten Historie, der weiterhin als Güterbahnhof fungiert. Gefeiert wurde die Eröffnung des Hauptbahnhofs von den 300 Bauarbeitern, die ihn errichteten, übrigens mit Butterbroten, Eiern und Zigarren. 800 Stahlbetonträger hatten sie für die freischwebende Konstruktion in den Boden getrieben. Die Feier der Anzugträger am 5. Dezember 1906 fiel etwas prunkvoller aus. Bis die Bauarbeiten beginnen konnten, verhandelten Hamburg und Preußen jahrelang über die Errichtung des Bahnhofs. Bereits im ersten Jahr fuhren täglich über 200 Züge, womit der Hauptbahnhof sofort zum Verkehrsknotenpunkt wurde.

Hochkamp

Habt ihr die Station auf dem Schirm? Historisch gesehen solltet ihr das, denn sie war eine der ersten. Auf der Grenze der Stadtteile Nienstedten und Osdorf liegt sie im Villenviertel Hochkamp, das namensgebend ist. Der Bau des Bahnhofs fand von 1894 bis 1898 statt, im Folgejahr öffnete er. Funfact: Zuerst war in Diskussion, den Bahnhof wegen seiner erhöhten Lage "Hohenfelde" zu nennen – da es diese Ortsbezeichnung jedoch an anderer Stelle bereits in Hamburg gab, entschied man sich für Hochkamp. Dabei ist "Kamp" lediglich ein anderes Wort für Feld. Im Verglich mit seinen pompösen Nachbarn wirkte das Gebäude des Bahnhofs eher bodenständig: An die Umgebung angepasst mit Spitzgiebeln ausgestattet war es in Fachwerkbauweise errichtet. Leider steht es nicht mehr. Bis heute erhalten ist aber das hübsche "Haus Hochkamp", das man als Gasthof errichtete. Eine weitere Besonderheit waren die Rosenbeete auf dem Bahnsteig, die beim barrierefreien Umbau 2008 weichen mussten. Die früher übliche Bahnhofskneipe gab es bis in die 2000er Jahre. 2011 wurde das Zugangsgebäude zuletzt umfangreich umgebaut.

Hasselbrook

Zugegeben, eine besondere Augenweide bietet der heutige Eingang des Bahnhofs Hasselbrook im Stadtteil Eilbek mit Grenze zu Hamm-Nord nicht gerade. Früher war einfach alles besser – trifft in diesem Fall zu. Denn damals gelangte man durch das wesentlich ansehnlichere Empfangsgebäude, errichtet von 1905 bis 1907, aufs Gleis. Der mit Giebeln und Türmchen ausgestattete Backsteinbau gleicht einem Schlösschen und beherbergt heute die Factory Hasselbrook – ein Besuch lohnt sich schon für die Innenansicht des denkmalgeschützten Bahnhofshäuschens. Damals fungierte die Station als Umstieg zwischen der Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn und derLübecker Bahn. Heute hält im Bahnhof Hasselbrook neben der S1 und S11 auch die Regionalbahn 81, die über Wandsbek, Tonndorf und Rahlstedt bis Bad Oldesloe fährt. Ab 2024 soll hier auch die neue S4 angeschlossen sein. Seinen Namen hat der Bahnhof übrigens dem einstigen gleichnamigen Waldgebiet zu verdanken – "Hasselbrook" ist eine alte Flurbezeichnung. Damals war Hamm noch ein Dorf in Nähe der Vorstadt St. Georg.

City-Tunnel: Jungfernstieg, Landungsbrücken & Co.

Wer hätte das gedacht?! Obwohl sie seit jeher bedeutende Punkte in Hamburgs (Innen-)Stadtgesehen sind, wurden die Stationen im City-Tunnel erst erstaunlich spät an den S-Bahn-Verkehr angeschlossen. Dabei war gerade der Bahnhof Landungsbrücken einer der bedeutendsten! Hier hatte eindeutig die Hochbahn die Nase vorn, die Rathaus, Rödingsmarkt und Landungsbrücken bereits 1912 ans Hamburger Schnellbahnnetz anschloss. Bei der S-Bahn dauerte das bis in die 1970er Jahre! Der Verkehr der City-S-Bahn startete an den Stationen Landungsbrücken und Stadthausbrücke 1975 (Teilabschnitt Hauptbahnhof-Landungsbrücken), Königsstraße und Reeperbahn gingen erst 1979 (Teilabschnitt Landungsbrücken-Altona) an den Start. Und damit rund 110 Jahre (!!) nach Inbetriebnahme der Altona-Blankeneser Eisenbahn und gut 70 Jahre nach Gründung der S-Bahn Hamburg. Kaum zu glauben, oder? 1967 begannen die entsprechenden Bauarbeiten. Im entsprechenden Retro-Look kamen die Bahnhöfe daher. Am Häuschen der Königsstraße gibt dieser bis heute den Ton an. Schon gewusst? Der Bahnhof Stadthausbrückeunter dem Bleichenfleet und dem Alsterfleet ist ein möglicher Zivilschutzraum – das verraten die Türen in den Zwischenebenen. Achtet mal darauf! Die Station Landungsbrücken fungierte zunächst als Endbahnhof der Linie S10, die durch die Innenstadt fuhr und in Barmbek endete. Erst 1979 entstand die S1, wie wir sie bis heute kennen und der Bahnhof wurde zum Zwischenhalt.

Rübenkamp

Auch wenn das imposante und mit Ornamenten und Figuren verzierte Backsteingebäude anderes vermuten lässt: Der Bahnhof Rübenkamp in der City Nord gehört nicht zu den ältesten. Erst 1913 wurde er in Betrieb genommen. Eigentlich war hier nämlich kein Halt vorgesehen – eine Anbindung zum Krankenhaus Barmbek, das zeitgleich entstand, machte ihn wünschenswert. Das Haus bildet aber die althamburgische Bauweise ab – und auch den damaligen Wohlstand der Bahnen, die ihren Gästen mit solch einem Bauwerk einen angemessenen Empfang bereiten wollten. Aufgrund von Verfall drohte 1981 der Abriss. Der Verein "Unser Bahnhof e.V." konnte das jedoch verhindern und übernahm das Gebäude. Nach der 1986 abgeschlossenen Restauration nutzt der Verein es bis heute als vielseitiges Kommunikationszentrum des Stadtteils. Im Erdgeschoss befindet sich das gutbürgerliche Schachcafé mit Biergarten. Seit 1987 steht das alte Bahnhofsgebäude Rübenkamp unter Denkmalschutz.

Blankenese

Kommen wir zum Schluss, damals wie heute. Der Bahnhof Blankenese markiert noch immer die Endstation der S1 – zumindest teilweise. Denn manche Züge der S1 verkehren weiter bis Wedel. Entsprechend hat das Bahnhofsgebäude schon einige Jahre auf dem Buckel – 1867 wurde es mit Eröffnung der Stecke Altona-Blankenese eingeweiht! Wie schön, dass es all die Zeit erhalten blieb. Die Rundbögen, Giebel und Sprossenfenster machen ordentlich was her. Über die Jahre erfolgten einige kleine Umbauten und Ergänzungen, zum Beispiel an den Treppenabgängen, die mit Rolltreppe und Aufzug ausgestattet wurden. Mit Bau eines neuen Viertels rund um den Kopfbahnhof wurde das Empfangsgebäude zuletzt 2007 saniert – deshalb sieht der hellgelbe Putz noch so frisch aus.

Extra-Tipp: Fahrt in einer historischen S-BahnBei einer Sonderfahrt in Hamburgs historischer S-Bahn könnt ihr euch den Wind vergangener Zeiten um die Nase wehen lassen. Ob eine Tour entlang der Denkmäler der Stadt zum HVV-Tarif, Grünkohlfahrt oder weihnachtliche Fahrten mit Kaffee und Kuchen – der Traditionszug 470 128 ist ein echtes Erlebnis.

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In der Hamburger City gab es die U3 lange bevor eine S-Bahn-Verbindung entstand. kiekmo zeigt euch die Stationen im Wandel: Hochbahn damals und heute.

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