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Nikolaifleet Hamburg
Unsplash / Sid Saxena
Hamburg

10 Hamburger Geheimnisse, die ihr sicher noch nicht kennt Teil II

In unserem ersten Teil haben wir euch schon einige Hamburger Geheimnisse verraten. In der Fortsetzung erfahrt ihr zum Beispiel, wo ihr die letzten Überreste der Hamburger Straßenbahn und der Rohrpost findet. Das ist aber natürlich lange nicht alles. Lasst euch überraschen!


Die letzten Spuren der Hamburger Straßenbahn

Sind sie euch schon mal aufgefallen? Die kleinen Wandrosetten, die diverse Altbauten auf St. Pauli, Eimsbüttel und Eppendorf zieren. Tatsächlich dienten die sternförmigen Konstrukte aber keinem dekorativem, sondern einem praktischen Zweck. An diesen sogenannten Oberleitungsrosetten waren nämlich die elektrischen Leitungen der alten Hamburger Straßenbahn befestigt. Damit sind die Wandrosetten eine der wenigen Relikte der Straßenbahn. Tipp: Besonders viele findet ihr in der Hein-Hoyer-Straße. Wo? In der Hein-Hoyer-Straße gibt es Wandrosetten zum Beispiel an den Hausnummern 3, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 24, 38, 50, 53, 57, 65, 66, 75 und 78

Der Moldauhafen: Ein Stück Tschechien in Hamburg

Das Schild am Schiffsanleger lässt es schon vermuten. Hier steht: "Nur Handkarren sind erlaubt!". Auf deutsch und auf tschechisch. Bereits seit 1929 gehört der Moldauhafen auf der Veddel zur Tschechischen Republik. Kein Witz! Grund war die Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg 1918. In der Folge musste das Deutsche Reich den Versailler Vertrag akzeptieren. In dem stand eben auch, dass Deutschland der damaligen Tschechoslowakei das Areal auf der Veddel verpachten sollte. Nach zähen Verhandlungen wurde der Vertrag 1929 geschlossen – für 99 Jahren. Heißt also: Der Vertrag läuft 2028 aus. Die Prager Regierung hat aber das Recht, diesen um nochmals 50 Jahre zu verlängern ... Wo? Ihr geht von der S-Bahn-Station Veddel durch den Tunnel am Nordausgang links vorbei am alten Zollhaus. Dann könnt ihr rechter Hand den Moldauhafen sehen.

Das Saturn-Parkhaus: Ehemaliger "Tempel der Reinlichkeit"

Saturn-Parkhaus und "Tempel der Reinlichkeit": Das passt ja nun gar nicht zusammen. Viel erinnert heute auch nicht mehr an das öffentliche Bad, das sich von 1855 bis 1963 dort befand, wo heute das Parkhaus steht. Einzig die runde Form ist erhalten geblieben. In dem damaligen Gebäude befanden sich 16 Bäder für die Frauen und 38 für die Männer; die Bäder waren außerdem in erste und zweite Klasse aufgeteilt. Wenn ihr wissen wollt, wie die Badeanstalt mal aussah, schaut euch das Mosaik im Durchgang der U-Bahn-Station Steinstraße an. Es erinnert an den "Tempel der Reinlichkeit". Wo? Das Saturn-Parkhaus könnt ihr von der Steinstraße aus gut sehen.

Die große Katastrophe in der Deichstraße

Die historische Deichstraße in Hamburg ist eine der schönsten Straßen der Stadt. Von den Spuren der Katastrophe, die sich hier in der Nacht vom 5. Mai 1842 abspielte, ist heute nichts mehr zu sehen. In einem der Häuser, der Hausnummer 44, brach in dieser Nacht ein Feuer aus. Leicht entzündliche Waren in den umliegenden Speichern, die trockene Luft und ein frischer Wind sorgten dafür, dass sich die Flammen rasend schnell ausbreiteten – und große Teile der Altstadt in Schutt und Asche legten. Der Brand begann am nördlichen Ende der Straße, die südlich gelegenen Häuser blieben verschont. Daher könnt ihr in der Deichstraße heute noch einige Häuser des alten Hamburgs bewundern. Wo? Die Deichstraße erreicht ihr zu Fuß von der Willy-Brandt-Straße aus oder aus Richtung Speicherstadt über die Straße Hohe Brücke.

Die versteckte Grotte am Altonaer Balkon

Der Altonaer Balkon ist einer der beliebtesten Aussichtspunkte in Hamburg. Doch obwohl sich hier bei schönem Wetter viele Hamburger tummeln, wissen bestimmt nur die wenigsten um das Geheimnis, das sich hier verbirgt. Am westlichen Rande des Platzes nämlich führt eine Treppe nach unten zu einer kleinen Höhle. Ein idyllischer Ort nur wenige Minuten entfernt vom Trubel des Altonaer Balkons. Früher befand sich hier ein künstlich angelegter Wasserfall. Heute ist die Grotte leider durch Gitterstäbe abgetrennt. Zu viele Obdachlose hatten das abgelegen Fleckchen als Unterschlupf genutzt. Wo? Am rechten Rand des kleinen Parks führt eine Treppe hinab zur Grotte.

Stuhlmann-Brunnen: Kampf zwischen Hamburg und Altona?

Nur wenige Gehminuten entfernt, könnt ihr dieses eindrucksvolle Schmuckstück bewundern. Den Stuhlmann-Brunnen auf dem Platz der Republik kann man gar nicht übersehen. Zwei mächtige Zentauren kämpfen um einen Fisch. Viele Altonaer glauben, dass hier der Konkurrenzkampf zwischen Hamburg und Altona dargestellt wird. Wie das? Als Altona noch nicht zu Hamburg gehörte, hatte Altona beim Fischfang die Nase vorn. Funfact: Jede dritte Fischkonserve, die im Deutschen Reich verkauft wurde, kam aus Altona. Seit 1937 ist der Bezirk ein Teil von Hamburg – und damit war dann auch Schluss mit der Rivalität. Wo? Ihr findet den imposanten Stuhlmann-Brunnen auf dem Platz der Republik.

Das stille Örtchen am Nikolaifleet

Ach, ist das schön! Beim Blick über den malerischen Nikolaifleet überkommt uns immer ein Gefühl von Nostalgie. Ist euch denn schon mal der kleine Erker aufgefallen, der aus dem ersten Stock des Hauses mit der weißen Fassade ragt? Hübsch, oder? Es gibt nur einen Haken: Ursprünglich handelte es sich bei dem Erker um das Plumpsklo der Bewohner. Früher gab es noch viel mehr davon. Und die Fäkalien – japp, die landeten im Fleet. Das ist aber noch nicht alles: Das Wasser aus dem Fleet wurde zum Bierbrauen verwendet. An diese Zeiten erinnert noch ein alter Schriftzug auf der Eingangstür der Gröninger-Brauerei, den wir euch nicht vorenthalten wollen: "Der Herr Bürgermeister gibt bekannt, daß am Mittwoch Bier gebraut wird und deshalb ab Dienstag nicht mehr in den Bach geschissen werden darf." Ob sich da jeder dran gehalten hat? Wo? Den Erker könnt ihr von der Holzbrücke, die die Mattentwiete mit dem Kleinen Burstah verbindet, gut sehen.

Die weißen Bänke auf dem Domplatz

Wer in der Innenstadt arbeitet, nutzt die weißen "Böbbel" auf der Wiese am Speersort bei schönem Wetter gern als Treffpunkt zum Mittagessen. Vielen ist dabei gar nicht bewusst, dass sie sich an einem hochgradig geschichtsträchtigen Ort befinden. Im 8. Jahrhundert befand sich hier die Hammaburg, die der Stadt den Namen gab. Später stand auf dem Platz der Mariendom, der lange Hamburgs größte Kirche war. Obwohl er bereits 1805 abgerissen wurde, heißt der Platz heute immer noch Domplatz. Und die 39 weißen Bänke? Die geben den Grundriss der Haupthalle des Doms wieder. Aha! Wo? Ihr findet den Domplatz direkt beim Hofbräuhaus am Speersort.

Die letzten Überreste der Hamburger Rohrpost

Um dieses Hamburger Geheimnis aufzudecken, müsst ihr ein bisschen suchen. Die beiden alten Rohre, die sich in einem Lichtschacht der Alten Oberpostdirektion am Stephansplatz befinden, sehen unspektakulär aus, sind aber doch was Besonderes. Ihr schaut hier auf die letzten Überreste der ersten Hamburger Rohrpost. Ab dem 1. Februar 1887 führte sie von der Börse am Adolfsplatz zum Telegraphenamt am Stephansplatz. Das System war so erfolgreich, dass in den 1960er-Jahren eine Großrohrpost gebaut wurde, bei der die Post mit bis zu 58 km/h durch die Rohre düste. Die Rohrpost war zwar schnell, aber auch teuer und störanfällig. Daher wurde sie 1976 eingestellt. Wo? Ihr findet die alten Rohre im fünften Schacht neben der Alten Oberpostdirektion auf der Seite des Gorch-Fock-Walls.

Hamburger Rohrpost Überreste

Der geheime Schriftzug im Hanseviertel

Das Licht muss stimmen und ihr müsst schon sehr genau hingucken, aber wenn ihr euch ein bisschen anstrengt, könnt ihr es erkennen: Auf der Hauswand, auf der Hanseviertel steht, ist noch ein weiterer Schriftzug zu sehen. Direkt über den goldenen Lettern steht "Polen". Wie der Rest der Fassade besteht der Schriftzug aus Klinkerstein, ist aber ein My dunkler als die anderen Steine. Die Geschichte dahinter: Beim Bau des Hanseviertels in den 1980er-Jahren holte sich das Bauunternehmen zur Verstärkung Maurer aus Polen. Diese sortierten ein paar dunklere Steine aus und setzen sie so ein, dass der Schriftzug Polen entstand. Wahrscheinlich wollten sie damit auf die polnische Gewerkschaftsbewegung "Solidarność" aufmerksam machen. Wo? Die Adresse des Einkaufszentrums Hanseviertel ist Große Bleichen 30. Der Schriftzug befindet sich an der Fassade des Eingangs.

Quelle:"Hamburger Geheimnisse – 50 spannende Geschichten aus der Hansestadt" von Eva-Maria Bast und Sven Kummereincke

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