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Figur Küchenjunge Rathausinnenhof Hamburg
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Hamburg

10 Hamburger Geheimnisse, die ihr sicher noch nicht kennt

Ein Pudel auf dem Dach, ein steinerner Bienenstock auf dem jüdischen Friedhof: Hamburg birgt noch so einige Geheimnisse, die ihr oft nur erkennt, wenn ihr wisst, wonach ihr suchen müsst. Geht mit uns auf eine kleine Zeitreise und entdeckt zehn Geheimnisse der Stadt!


Der Pudel auf dem Dach

Über dem Nikolaifleet auf dem Dach der Reederei F. Laeisz thront ein Pudel. Ja, ihr habt richtig gelesen. Und das kam so: Der Reeder Car Laeisz nannte seine Ehefrau Sophie liebevoll "Pudel" oder "Pudelchen", da sie ihr krauses Haar gern aufgetürmt trug – ähnlich wie das Fell der stolzen Hunderasse. So beginnen auch alle Schiffsnamen der Reederei mit dem Buchstaben "P": Pamir, Passat, Peking… Der heute noch von der Reederei genutzte Laeiszhof wurde 1897 errichtet – und der Gattin mit dem Pudel ein Denkmal gesetzt. Seit 1999 leitet Familie Schües die Geschickte der Reederei. Wo? Der Laeiszhof befindet sich an der Trostbrücke 1. Der Pudel sitzt zwischen den beiden Türmen des Gebäudes. Von der Trostbrücke aus könnt ihr ihn gut sehen.

Die Schiffswracks von Blankenese

Vor allem bei Ebbe sind die Überreste der "Uwe" und der "Polstjernan" gut zu erkennen. Die alten Wracks bringen einen Hauch von Mystik ans Falkenstein Ufer. Das finnische Schiff "Polstjernan" fing am 20. Oktober 1926 auf dem Weg nach England Feuer. Schlepper brachten das ausgebrannte Wrack ans Falkensteiner Ufer, wo es heute noch liegt. Das Binnenschiff "Uwe" wurde Opfer einer Kollision. Der Frachter "Wiedau" stieß mit dem polnischen Frachter "Mieczyslaw Kalinowski" zusammen, geriet durch die Kollision in den Kurs der "Uwe" und teilte sie in der Mitte durch. Auch ihre Überreste wurden nach Blankenese geschleppt und liegen dort bis heute. Wo? Am besten spaziert ihr bei Ebbe den Strandweg Richtung Falkensteiner Ufer an der Elbe entlang. Dann könnt ihr die Wracks nicht übersehen.

Einstiegshäuschen und Ankleidezimmer am Baumwall

Bei dem kleinen Häuschen bei der U-Bahn-Station Baumwall handelt es sich um einen Einstieg in die Hamburger Kanalisation. Das Besondere: Als erste kontinentaleuropäische Stadt erhielt Hamburg im 19. Jahrhundert eine unterirdische Abwasserentsorgung, das sogenannte „Kuhmühlen-Stammsiel“. Bei Arbeiten an dem Siel entdeckten Arbeiter 2012 einen versteckten Hohlraum: das Ankleidezimmer von Kaiser Wilhelm II. Dieser war damals fasziniert von der unterirdischen Kanalisation und wollte bei einem Hamburg-Besuch eine Bootsfahrt durch die Kanäle unternehmen. Dafür sollte sich der Kaiser vorher in dem knapp sechs Quadratmeter großen, verfliesten Raum umziehen können. Ob Wilhelm II. die Bootstour tatsächlich unternommen hat, ist allerdings nicht überliefert. Wo? Das Häuschen befindet sich direkt an der U-Bahn-Station Baumwall.

Die alten Bahngleise vor der Fabrik

Habt ihr sie schon mal entdeckt? Die Relikte einer Bahnschiene, die sich seinerzeit durch den ganzen Stadtteil zog. Die Ottenser Industriebahn wurde 1899 eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie noch von Pferden gezogen. 1904 waren dann aber schon Lokomotiven auf den Schienen unterwegs. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts umfasste das Streckennetz 27,7 Kilometer, mehr als 50 Firmen hatten Anschluss zum Gleis. Als jedoch immer mehr Autos und Lastwagen die Straßen bevölkerten, wurde die Industriebahn irgendwann überflüssig und der Betrieb 1981 eingestellt. Wo? Folgt dem kleinen Weg links vom Haupteingang der Fabrik und haltet die Augen offen. Dann werdet ihr die alten Schienen bald entdecken.

Der U-Boot-Bunker am Rüschkanal

Bei den Arbeiten zu eine verlängerten Start- und Landebahn für Airbus stießen die Bauarbeiter auf die zugeschütteten Reste eines U-Boot-Bunkers. Die Anlage Fink II wurde von 1941 bis 1944 von Zwangsarbeitern gebaut. Dabei handelte es sich um Kriegsgefangene und Häftlinge des KZ Neuengamme. Viele von ihnen starben wegen der schlechten Arbeitsbedingungen oder durch Bombenangriffe. In den insgesamt fünf Boxen fanden zwei U-Boote Platz. Im April 1945 schafften es die britischen Alliierten, den Bunker zu sprengen. Was von der Anlage übrig blieb, wurde zugeschüttet. Seit 2006 steht Fink II unter Denkmalschutz. Wo? Ihr fahrt mit der Hadag-Fähre Linie 64 bis zum Anleger Rüschpark und geht dann circa 500 Meter nach rechts.

Der Bienenstock auf dem jüdischen Friedhof

Zwischen den vielen grauen Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Altona sticht einer hervor: Es ist der steinerne Bienenstock. Keiner weiß, zu welchem Grab er gehört, denn während des Zweiten Weltkrieges wurde der Hamburg-Teil des Friedhofes zerstört. Was man aber weiß ist, dass das Werk aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt. Die Vermutung: Es handelt sich um eine Erinnerung an Napoleon Bonaparte. Der französische Kaiser war von den Tieren fasziniert und wählte die Biene als Wappentier. Hinzu kommt, dass Hamburg von 1806 bis 1814 von den Truppen Napoleons besetzt wurde. Diese schwere Zeit hatte auch ihr Gutes: Zum ersten Mal wurden die Juden allen anderen Bürgern gleichgestellt. Wo? Der steinerne Bienenstock ist im hinteren linken Teil des jüdischen Friedhofs zu finden.

Das Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke

"Dampfboot-Wartezimmer" steht in schwarzen Lettern über einer Tür an der Lombardsbrücke. Nur wer sehr gute Augen hat, kann es aus der Ferne erkennen. So wie wir heute auf den Bus warten, warteten die Menschen hier früher auf das Boot, das sie von A nach B brachte. Die Alsterdampfer hielten nicht nur hier, sondern zum Beispiel auch an den Haltestellen Jungfernstieg, Rabenstraße und Auguststraße. Das Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke ist aber das einzige, das bis heute erhalten ist. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde es stillgelegt. Wo? Vom Jungfernstieg aus gesehen befindet sich das Wartezimmer im Brückenpfeiler auf der rechten Seite.

Der Küchenjunge im Rathausinnenhof

Auf dem Rathausinnenhof könnt ihr so einige altehrwürdige Gestalten entdecken. Unter ihnen ist einer, der ein bisschen aus der Reihe fällt: der kleine Küchenjunge, der genüsslich Reste von einem Kochlöffel leckt. Das Fenster, über dem er thront, ist das Fenster zum früheren Ratsweinkeller. Es diente zur Belüftung der Küche. Als Zeichen dafür wurde der kleine Küchenjunge in den Stein gehauen. Und das passt heute noch, denn jetzt befindet sich hier das Restaurant Parlament. Wo? Wenn ihr den Rathausinnenhof von der Kleinen Johannisstraße aus betretet, findet ihr den Küchenjungen auf der rechten Seite über dem halbrunden Fenster.

RICKMER RICKMERS: So kam die Marmelade nach Deutschland

Wo das Museumsschiff RICKMER RICKMERS heute liegt, war im 16. Jahrhundert die Hauptanlegestelle für ankommenden Schiffe. Damals kamen auch die ersten portugiesischen Auswanderer in die Hansestadt. Dank ihnen erlebte der Hafen bald einen neuen Aufschwung. In diesem Zuge kamen nicht nur Gewürze und Kaffee nach Hamburg, sondern auch die Marmelade. Denn viele Portugiesen brachten Quitten-Marmelade als Geschenk mit. Die Hamburger fanden Gefallen an dem süßen Aufstrich und aus der portugiesischen Marmalade wurde die deutsche Marmelade. Wo? Die RICKMER RICKMERS liegt direkt an den Landungsbrücken vor Anker.

Die mysteriöse Jahreszahl in der Speicherstadt

Habt ihr euch schon mal gefragt, was die Jahreszahl 1888 zu bedeuten hat, die auf dem Backsteinbau am Sandtorkai prangt? Sie erinnert an die rund 20.000 Menschen, die im 19. Jahrhundert in der heutigen Speicherstadt lebten und dann vertrieben wurden. Grund war der Zollanschluss Hamburgs an die Zollunion. Vor allem Otto von Bismarck übte Druck auf Hamburg und Bremen aus, die bis dahin Zollfreiheit hatten. 1888 wurde der Zollanschluss vollzogen, allerdings unter der Bedingung, dass ein Freihafengebiet geschaffen wird, das zum Zollausland gehören sollte: die Speicherstadt. Das Problem: Im Zollausland durfte niemand wohnen. Die Anwohner wurden vertrieben, die Gebäude abgerissen. Da sie keine Entschädigung erhielten, mussten viele von ihnen daraufhin in die ärmlichen Gängeviertel ziehen. Wo? Ihr findet die Jahreszahl am Sandtorkai 36.

Quelle:"Hamburger Geheimnisse – 50 spannende Geschichten aus der Hansestadt" von Eva-Maria Bast und Sven Kummereincke

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