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Hamburg

Düstere Legenden: 5 Gruselgeschichten zu realen Hamburger Orten

Wetten, dass ihr einige Ecken in Hamburg nach diesen fünf Schauergeschichten mit anderen Augen betrachten werdet? Diese haben wir in Kurzform dem Buch "Die gruseligsten Orte in Hamburg“ entnommen.


Duell zwischen Himmel und Hölle: Fähranleger Teufelsbrück

Holzbänke, bepflanzte Beete, blühende Kirschbäume im Frühling und freie Sicht auf die Elbe und den gleichnamigen Fähranleger – Teufelsbrück wirkt auf den ersten Blick ziemlich harmlos und idyllisch. Aber von irgendwoher muss der Name ja kommen, oder? Der Legende nach ging es an der Stelle, wo heute die Elbchaussee die Flottbek überquert, nicht mit rechten Dingen zu. Immer wieder verunglückten dort Fuhrwerke durch Radbruch. Deshalb bekam ein Zimmermann den Auftrag, eine Brücke über den Bach zu bauen. Doch dafür nahm er die Hilfe des Teufels an und versprach ihm die Seele des ersten Lebewesens, das sie überqueren würde. Am Ende wurde der Teufel jedoch überlistet, weil die Menge einen Hasen aufscheuchte und über die Brücke jagte.

An diese Überlieferung knüpft die Kurzgeschichte "Teuflische List" von Alexa Stein im Buch "Die gruseligsten Orte in Hamburg" an. Darin kehrt der Teufel in die heutige Zeit zurück – in der Gestalt eines aufgeklärten Menschen der Gegenwart, der gerne mal eine Flasche Korn auf Ex trinkt und sich arme Seelen im Elbschlosskeller als seine nächsten Opfer sucht. Seine himmlischen Gegenspieler haben ihren Stammsitz dagegen im tatsächlich existierenden Restaurant Engel am Fähranleger Teufelsbrück, wo es zu einer Neuauflage des Duells zwischen Gut und Böse kommen soll. Doch dieses Mal will sich der Teufel nicht so leicht überlisten lassen …

Der Mörder fährt mit: Bahnhof Altona

Der Albtraum des öffentlichen Nahverkehrs: Die fremde Person, mit der man sich ein Zugabteil teilt, entpuppt sich als wahnsinniger Axtmörder … so geschehen am 10. November 1906. Ausgangspunkt: der Bahnhof Altona. Dort setzt sich der Zahnarzt Dr. Claußen in den Zug Richtung Blankenese, um über das Wochenende zu seiner Familie zu fahren. Ein wohlgekleideter, höflicher junger Mann gesellt sich zu ihm – es ist der 17-jährige Thomas Rücker, sein Mörder. Mit einer Axt zertrümmert dieser dem Zahnarzt den Schädel, entwendet dessen Geldbörse und flieht anschließend panisch aus dem Zug.

Wenige Tage später nimmt die Polizei Rücker fest. Sein Motiv: großer Hunger, der ihn schon halluzinieren ließ, und die Scham, sich Geld zu leihen. In seiner Not fasste Rücker den Plan – "inspiriert" durch die Nick-Carter-Detektivgeschichten –, jemanden auszurauben. Doch seine Argumentation ist nicht schlüssig. Warum zum Beispiel konnte er sich für das Zugticket Geld leihen, für Essen aber nicht? In der Kurzgeschichte "Der Axtmörder von Altona" lässt Carola Christiansen die Geschehnisse vom 10. November 1906 Revue passieren, größtenteils aus der Perspektive des Täters.

Pest, Fleisch und Folter: Der Eiskeller auf St. Pauli

Der Koopmannsche Eiskeller, der sich heute teilweise unter der Bar Möwe Sturzflug sowie unter Häusern der Annenstraße befindet, wird auch Pesthofkeller genannt. Das weckt gruselige Assoziationen, dass Pestkranke dorthin gebracht wurden. Allerdings ist der Keller erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Familie Koopmann entstanden, das ehemalige Pesthofareal der damaligen Vorstadt St. Pauli befand sich dort nur bis circa 1806. 1814 brannte die Anlage im Zuge der napoleonischen Besatzung sogar nieder. Nach dem Wiederaufbau des Viertels zog es den Geschäftsmann Johann Dittmer Koopmann dorthin, der eine Export-Schlachterei gründete. Der Eiskeller diente ihm zur Lagerung.

Nachdem die Schlachterei pleitegegangen war, wurden die Räumlichkeiten wohl zwangsversteigert und in Wohn- und Ladenfläche umgewandelt. Nicht unwahrscheinlich ist auch, dass hier im Nationalsozialismus Regimegegner inhaftiert und von den Nazis gefoltert wurden. Schließlich befand sich das NSDAP-Parteibüro St. Pauli über dem ehemaligen Eiskeller. Abgesehen von der Geschichte sorgen dunkle Nischen, rußgeschwärzte Wände und muffige Luft für Gänsehaut beim Betreten der kühl-feuchten Backsteingewölbe. Diese Stimmung macht sich auch das Autoren-Duo Kirsten Püttjer und Volker Bleeck in ihrer Gruselgeschichte "Büfett mit Sülze" zunutze. Die Chefin eines Catering-Services soll eine Veranstaltung im Koopmannschen Eiskeller organisieren, doch dabei gehen seltsame Dinge vor sich, wobei auch die Sülze-Unruhen von 1919 ein Rolle spielen …

Im Untergrund: Tiefbunker Steintorwall

Auch im Tiefbunker am Steintorwall neben dem Hamburger Hauptbahnhof geht es unter die Erde. Erbaut wurde die dreistöckige Anlage zwischen 1941 und 1944 und sollte vor allem Durchreisenden als Schutz dienen. Nach dem Zweiten Weltkrieg rüstete man sie zum Atomschutzbunker um. Sogar heute noch dienen die Räumlichkeiten als Schutzraum im Katastrophenfall. Um die bedrückende, aber gleichzeitig faszinierende Atmosphäre auf euch wirken zu lassen, macht ihr am besten aber mal eine Führung mit dem Verein Hamburger Unterwelten mit, sobald es die Pandemie-Situation wieder zulässt. Das tut auch die Protagonistin in der Kurzgeschichte "Marthe Underground" von Regula Venske. Doch sie erlebt eine böse Überraschung und wacht alleine im Bunker wieder auf. Nun hat sie genug Zeit, sich die Räumlichkeiten und Gänge ganz genau anzugucken …

Der Geist von Störtebeker: Grasbrook

Ungefähr dort, wo sich in der HafenCity heute die Elbphilharmonie in den Himmel erhebt, befand sich früher die Marschinsel Grasbrook. Ihr westliches Ende diente als Richtplatz in Hamburg, auf dem bis 1624 mindestens 428 Seeräuber enthauptet worden sein sollen. Auch Klaus Störtebeker und seine Gefährten, vermutlich im Jahr 1401. Der Sage nach soll der Freibeuter vor seinem Tod eine Abmachung mit Kersten Miles, dem damaligen Bürgermeister von Hamburg, getroffen haben. Der Henker solle diejenigen verschonen, an denen der Enthauptete noch vorbeilaufen könne. Angeblich schaffte es der kopflose Störtebeker, noch an elf Männern vorbeizulaufen, bevor ihn sein Henker, der Scharfrichter Rosenfeld, zu Fall brachte. Doch der Bürgermeister brach sein Wort und ließ alle 73 Seeräuber hinrichten. Dieser Betrug bildet den Rahmen für die Schauergeschichte "Totenkopf, was glotzt du? Oder Sühne für Störtebeker" von Reimer Boy Eilers. Dabei erlebt ein Fischer Unheimliches mit einem Klabauter, als er den Grasbrook ein Jahr nach der Enthauptung des berüchtigten Seeräubers betritt.

Noch mehr Schauergeschichten gibts im Buch "Die gruseligsten Orte in Hamburg"

Die Anthologie "Die gruseligsten Orte in Hamburg" (Gmeiner-Verlag) von den Herausgebern Lutz Kreutzer und Uwe Gardein versammelt zwölf Kurzkrimis und Schauergeschichten in einem Buch. Allen gemeinsam ist: Die düsteren Orte in Hamburg gibt es wirklich. Angelehnt daran sind Legenden und Ereignissen vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Und ein bisschen Fiktion und Fantasie ist natürlich auch mit im Spiel.

Diese Geschichten sind wirklich real: True Crime 2020 in Hamburg

Ihr wollt mehr? Dann schaut doch mal hier: True Crime 2020 in Hamburg – diese 5 Fälle bewegten die Stadt.

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