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Amy R.
Hamburg

10 Frauen, nach denen Straßen in Hamburg benannt wurden

Oftmals laufen wir einfach an vielen Straßen oder Plätzen vorbei, ohne auf die Namen dieser zu achten. Doch neben den üblichen Bezeichnungen wie Poststraße oder Rathausplatz, machen viele Namen auf Persönlichkeiten (der Stadt) aufmerksam. Wir stellen euch zehn Frauen vor, die so verewigt wurden.


Alma Wartenberg Platz

Alma Wartenberg, 1871 in Ottensen geboren und 1928 in Altona gestorben, war Frauenrechtlerin, Sozialdemokratin und eine Vorkämpferin für Geburtenregelung und Mutterschutz. Ihr Eigensinn und starker Wille half ihr dabei, in einer Zeit, in der Frauen in der Politik beinahe noch gar nicht vorkamen, viele wichtige Dinge anzukreiden und versuchte diese auch zu ändern. Neben ihrem politischen Engagement befasste sie sich vor allem mit dem Thema Mutterschutz und Geburtenkontrolle. So führte sie Lichtbildvorträge über den weiblichen Körper durch und verkaufte in der Öffentlichkeit Verhütungsmittel. Da dies Anfang des 20. Jahrhunderts skandalös war, drohten ihr mehrere Gefängsnistrafen.

Dorothea-Bernstein-Weg

Dorothea Bernstein lebte seit 1919 in Hamburg und unterrichte Deutsch und Französisch, doch wurde aufgrund ihrer jüdischen Herkunft bereits 1933 in den Zwangsruhestand versetzt. Sie arbeitete zwar noch an der "Volks- und Höhere Schule für Juden", doch da die Reichsvereinigung der Juden nicht mehr zahlungsfähig war, erhielt sie 1941 die Kündigung. Am 25. Oktober 1941 wurde sie mit de ersten Deportationszug und mehr als 1.000 anderen nach Lodz gebracht. Ein ganz besonderer Stolperstein findet sich vor dem Gymnasium Lerchenfeld wieder. Dort ist statt "hier wohnte", "hier lehrte" eingraviert. Damit möchte die Schule die Lehrerin Frau Bernstein unvergessen machen.

Grete-Zabe-Weg

Margarete Marie "Grete" Zabe war eine Hamburger Politikerin, die zur Zeit der Weimarer Republik Mitglied der SPD war und in der Hamburgischen Bürgerschaft saß. Immer wieder wurde sie in der NS-Zeit verhaftet und verbrachte auch einige Tage in einem KZ. Nach 1945 war sie weiterhin für ihre Partei und die Arbeiterwohlfahrt tätig. Ihr Grabstein befindet sich übrigens im "Garten der Frauen" auf dem Friedhof Ohlsdorf.

Betty-Levi-Passage

Betty Levis Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie die jüdische Bevölkerung in einer Selbstverständlichkeit mit den übrigen Einwohnern Hamburgs, in diesem Falle Altonas, zusammenlebte, bevor ihre Religionszugehörigkeit durch den Staat stigmatisiert wurde. Frau Levi verlor 1938 ihren Mann, ihre Kinder zogen durch Heirat nach Dänemark oder emigrierten nach England. Alle Versuche, der Mutter eine Einreisegenehmigung auszuhändigen, scheiterten. Nachdem sie ihr Haus in der Klopstockstraße zwangsverkaufen musste, wurde sie in ein jüdisches Altenheim eingeliefert. Im Juli 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Vermutlich starb sie wenig später.

Anne-Frank-Straße

Auch wenn sie keinen Hamburg-Bezug hat, ist dieser Name und die damit verbundene Geschichte so wichtig. Das Leben und den tragischen Tod von Anne Frank kennen hoffentlich alle, denn schließlich sind die Tagebücher, die vom jüdischen Mädchen, welches sich mit ihrer Familie in Amsterdam auf einem Dachboden vor den Nazis versteckt hatte, weltbekannt. Anne und ihre Schwester verstarben im KZ Bergen-Belsen. Übrigens: Das Theaterstück zu Anne Franks Tagebüchern feierte 1956 Premiere im Hamburger Thalia Theater.

Dorothea-Kasten-Straße

Dorothea Kasten war eine von 629 Bewohnern einer damals so genannten Behinderten-Anstalt in Alsterdorf. Alle Insassen, die nicht mehr "produktive" Arbeit leisten konnten, sollten deportiert werden. Am 16. August 1943 wurde Dorothea nach Wien gebracht. Ihre Mutter fand sie dort in einem sehr geschwächten Zustand wieder und die Ärzte drängten ihr dazu, ihre Tochter einschläfern zu lassen. Das geschwächte Mädchen starb in Wien, höchstwahrscheinlich aufgrund von viel zu wenig Essen, schlechter ärztlicher Versorgung und einem schlichtweg willentlichen Sterbenlassen.

Susannenstraße

Die Susannenstraße erhielt ihren Namen bereits 1860. Nach einer Umbennung während der NS-Zeit bekam sie ihren ursprünglichen Namen 1945 zurück. Den Namen hat die Straßen im beliebten Schanzenviertel von der Tochter des Grundeigentümers Clas Julius Bieber. Direkt daneben befindet sichdie Julius-Straße, die nach Herrn Bieber selbst benannt wurde.

Anette-Droste-Hülshoff Straße

Anette (Anna Elisabeth) Freiin Droste zu Hülshoff ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen– auch wenn sie nicht in Hamburg lebte, gibt es daher dennoch eine Straße, die nach ihr benannt wurde. "Die Judenbuche" ist wohl ihr bekanntestes Gedicht und seit vielen Jahren ein beliebtes Werk für die Analyse im Deutschunterricht.

Else-Rauch-Platz

Auch Elsa Rauch ist ein Opfer der Nationalsozialisten und wurde 1942 im Vernichtungslager Chelmno in Polen vergast. Sie war bis 1933 Lehrerin an der Grundschule für Knaben in der Lutterothstraße 78. Daher findet ihr diesen Platz auch direkt an der U-Bahn Haltestelle Lutterothstraße in Eimbsbüttel.

Elisabeth-Flügge-Straße

Durch eine moderne, tolerante und soziale Erziehung konnte Elisabeth Flügge auch Anfang des 20. Jahrhunderts schon eine Berufsausbildung machen und entschied sich für das Lehrerinnenexamen. Sie interessierte sich für einen liberalen und reformpädagogischen Unterricht und pflegte weiterhin Freundschaften zu jüdischen Mitbürgern. Als es für die jüdische Bevölkerung etwa nicht mehr erlaubt war, auf Reisen zu gehen, verbrachten jüdische Familien mit Elisabeth Flügge gemeinsame Ferien in einem von ihr gemieteten Haus in Lüneburg. Noch bis 1958 war sie an Hamburger Schulen Leiterin. 1976 bekam sie vom jüdischen Staat die Medaille "Gerechte unter den Völkern" und 1981 das Bundesverdienstkreuz.

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