Direkt zum Inhalt
St. Pauli Hafenstraße
kiekmo
Hamburg

Diese besetzten Häuser Hamburgs tragen Geschichte in ihren Mauern

Die Rote Flora ist wohl das bekannteste besetzte Haus Hamburgs. Aber in vielen weiteren Stadtteilen haben sich Menschen Wohnraum zu eigen gemacht. kiekmo hat fünf spannende Gebäude für euch.


Das besetzte Haus in Hamburg Eppendorf

Im schicken Eppendorf soll es ein besetztes Haus geben? Ja, tatsächlich. Und zwar schon seit über 50 Jahren! Unweit vom Eppendorfer Baum, an der Ecke Hegestraße und Heynstraße steht eine prachtvolle Altbauvilla mit fünf Etagen. Das Gebäude wurde vor dem ersten Weltkrieg errichtet und hat bis heute einige seiner herrschaftlichen Eigenschaften behalten. Nicht zuletzt, weil sich die Mieter dafür eingesetzt haben. In den Siebzigerjahren sollte das Haus, das damals aus zehn riesigen Wohneinheiten bestand, abgerissen werden. Doch die Bewohner des Hauses sowie der umliegenden Häuser kämpften dagegen an, besetzten das Haus und demonstrierten gegen Mietwucher und überteuerte Quadratmeterpreise. Statt in einzelnen Wohnungen zu wohnen, entwickelte sich eine riesige Wohngemeinschaft. Und tatsächlich gewannen die Mieter den Kampf und haben seit 1975 einen nahezu unmöglich kündbaren Mietvertrag! Seitdem wurde das Haus weitgehend renoviert, die Wohneinheiten wurden in 22 unterschiedlich große Wohnungen aufgeteilt und seit 2009 steht das Gebäude sogar unter Denkmalschutz. Die Fassade zieren Reliefs und filigrane Eisengitter, Kupfer und kunstvolle Holzfenster. Im Treppenhaus findet man Marmor, Spiegel, Säulen und Stuck.

Seit über 30 Jahren besetzt: Die Rote Flora 

Die Rote Flora ist wohl das berühmteste besetzte Haus in Hamburg. Im Zentrum der Schanze bestaunen wir das imposante Gebäude gern bei regelmäßigen Spaziergängen durch den hippen Stadtteil. Aber was hat es mit der Roten Flora eigentlich auf sich? Die Geschichte beginnt im Jahr 1835, als die sie erstmals ihre Pforten als Theater öffnete. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie umgebaut, umbenannt und umfunktioniert. Sie war ein Kino, später sogar ein Kaufhaus. Mitte des 20. Jahrhunderts verfiel das Gebäude immer weiter, das Dach und weite Teile des ursprünglichen Theaters wurden entfernt, sodass schließlich nur noch der Eingangsbereich blieb. Stadtteilinitiativen bemühten sich um den Erhalt des Gebäudes und erhielten schließlich die offizielle Erlaubnis der Stadt, es als Stadtteilzentrum zu nutzen. Nach einiger Zeit sollten die Flora und das angrenzende Gebiet einem Neubau weichen, doch die Menschen blieben und besetzten das Haus – bis heute!

Zahlreiche Versuche der Stadt, das Haus zurückzugewinnen, blieben erfolglos. Die Besetzer legten den Flora Park hinter dem Gebäude an, stellen sich immer wieder den Gegnern und bauten die Flora nach einem schwerwiegenden Brand eigenhändig wieder auf. Inzwischen gibt es sogar eine sogenannte „Veränderungssperre“, die eine dauerhaft kommunale Nutzung des Gebäudes veranlasst. Heute ist die Rote Flora ein autonomes Kulturzentrum.

Besetztes Haus in Rotherbaum: Schröderstift 

Die Geschichte des wunderschönen Schröderstifts am Schlump führt zurück ins 19. Jahrhundert. 1852 wurde die Anlage mit 52 Wohnungen und einer Kapelle errichtet, 1943 ein großer Teil davon zerstört. Der Aufbau erfolgte in den Nachkriegsjahren nur spärlich, sodass der übliche Wohnstandard nicht erfüllt werden konnte – das Stiftsgebäude verfiel nach und nach. Durch den wachsenden Bedarf an Studentenwohnheimen übernahm die Uni Hamburg 1971 das Areal, riss einige Gebäude ab und baute das 18-stöckige Geomatikum. Der weitere Abriss der historischen Gebäude wurde dann aber von einigen Studierenden der Uni selbst verhindert. Es bildetet sich die Mieterinitiative Schröderstift, die sich für den Erhalt der Gebäude einsetze und diese in Eigenregie renovierte. Doch die Besetzung war friedlich, denn die damals gerade ins Amt gewählte Eimsbütteler Bezirksamtsleiterin Nümann-Seidewinkel sowie die Verwaltung und die vier Fraktionen in der Bezirksversammlung unterstützten das Konzept zur Erhaltung dieses architektonischen und sozialgeschichtlichen Denkmals. Seit über 40 Jahren wohnt in dem ehemaligen Stiftsgebäude nun eine selbstorganisierte und selbstfinanzierte Wohngruppe.

Das besetzte Haus in Hamburgs Hafenstraße

Kunterbunt stehen die Häuser an der Hafenstraße und blicken auf die Elbe herab. Dass es damit etwas Besonderes auf sich hat, lässt sich erahnen. Die Geschichte der St. Pauli Hafenstraße begann 1981, als einige Studierende die damals zwölf Häuser besetzten. Wohnen in Hamburg war damals schon teuer und die Häuser standen leer. Doch schnell wurde die Besetzung bemerkt und die SAGA, damaliger Eigentümer der Gebäude, erwirkte die Räumung. Die Besetzer ließen sich allerdings trotz andauernder Polizeiaktionen nicht vertreiben, die Hafenstraße galt als rechtsfreier Raum und immer mehr Besetzer kamen zur Unterstützung. Ende '86 gipfelte der Konflikt in Straßenschlachten mit mehr als 12.000 Beteiligten und mehreren Verletzten. 1987 bauten die Besetzer schließlich Barrikaden auf, die das Durchkommen der Polizei verhinderten. Der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi ging schließlich aufs Ganze, verpfändete sein politisches Amt und versprach den Besetzern einen Pachtvertrag – die Barrikaden wurden geräumt, der Abriss der Gebäude verhindert. Seit 1995 gehören die Häuser ganz offiziell nicht mehr der Stadt, sondern der Bewohnergenossenschaft „Alternativen am Elbufer“. Für zwei Millionen Mark wechselte damals der Besitzer und seit dem ist die Hafenstraße bunt, vielfältig und kulturell.

Error: The requested resource does not exist Gefunden auf Instagram

Einst besetzt, heute im Einklang mit der Stadt: Das Gängeviertel

Über zehn Jahre ist es her, dass das Gängeviertel besetzt wurde. Die Geschichte des Areals reicht sogar bis ins 18. Jahrhundert zurück, doch konzentrieren wir uns mal auf die Besetzung: 2003 investierte ein niederländischer Geschäftsmann in die Gebäude am Valentinskamp, um diese größtenteils abzureißen, ließ sie aber zunächst jahrelang verfallen. 2009 stellten sich dann 200 Kunstschaffende quer und besetzten die historischen Fachwerkhäuser. Eine öffentliches Quartier für kulturelle und soziale Nutzung war ihre Vorstellung für das Areal. Nach zähen Verhandlungen trat der niederländische Geschäftsmann aus dem Kaufvertrag mit dem Hamburger Senat aus und die Stadt konnte das Gängeviertel zurückkaufen. Anschließend sind sich die Besetzer und die Stadt Hamburg näher gekommen, haben einen Finanzplan ausgehandelt, einen Architekten engagiert und ein Konzept erarbeitet. Das Gängeviertel ist in den vergangenen zwölf Jahren grundlegend saniert und zu einem wichtigen Kulturzentrum der Stadt geworden, das bereits tausende Menschen zu diversen Veranstaltungen empfangen hat.

Hamburger Geheimnisse

Nicht nur besetzte Häuser tragen Geschichte in ihren Mauern; Hamburg hat noch viel mehr zu erzählen, wovon ihr bestimmt noch nicht wisst. kiekmo verrät euch Hamburger Geheimnisse!

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

Mehr lesen über

App Download

Dir hat der Artikel gefallen?
Mehr gibt’s in der App!

Neuigkeiten, Tipps, Rabatte, Verlosungen und vieles mehr aus Hamburg.