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Natalja Fischer
Altona

Autofreies Ottensen: Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Testphase

Von 1. September 2019 bis Februar 2020 waren zwei Straßen im Zentrum Ottensens für Autos gesperrt. Was war gut, was war schlecht am Projekt "Ottensen macht Platz"? Und wie geht es nach dem vorzeitigen Abbruch weiter?


Ganz klar: Ottensen soll autofrei bleiben

Auch wenn die Resonanz auf das Projekt "Ottensen macht Platz" – vor allem seitens des Einzelhandels und des Dienstleistungsgewerbes – nicht durchweg positiv ausgefallen ist, zeigt die abschließende Auswertung des Projekts doch, dass die meisten Ottenser und vor allem Passanten sich eine Weiterführung wünschen. Wenn auch mit einigen Änderungen, zum Beispiel einer Umgestaltung des Straßenraums und lockereren, dafür aber besser durchgesetzten Zufahrtsrestriktionen.

Mehr frische Luft, mehr Freunde, mehr Freude

Auf die Freizeitgestaltung und das Sozialleben der Anwohner hat sich das Projekt laut der Evaluation positiv ausgewirkt. Ein Großteil sagte aus, dass sie während der Testphase häufiger einkaufen und bummeln waren, häufiger in Restaurants gingen, sich häufiger mit Freunden trafen und mehr spaziergegangen sein. Und das in Herbst und Winter. Negativ empfanden es aber viele, dass sich die Erreichbarkeit der eigenen Wohnung verschlechtert habe.

Mehr Raum und Sicherheit für Kinder

Für Kinder wirkte sich das Projekt super aus: Sie konnten sich sicherer und eigenständiger im Straßenraum bewegen. Auf den Parklets wurde geklettert und gespielt, und die Tischtennisplatte in der Bahrenfelder Straße wurde rege genutzt. Für die Eltern, die gerne mit ihren Kindern mitten auf der Fahrbahn spazieren gingen, war das selbstverständlich auch eine schöne, entspannte Zeit.

Befragung von Nichtanwohnern: sehr positive Resonanz

Nicht nur die Anwohner, sondern auch Passanten, die nicht in Ottensen leben, wurden befragt. Das Ergebnis: sehr positiv. Die Aufenthaltsqualität wurde deutlich besser bewertet, auch das Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr, vor allem für Kinder. 78 Prozent bewerten die Auswirkungen des Projekts als gut oder sehr gut, nur neun Prozent als schlecht oder sehr schlecht.

Entspanntes Vorwärtskommen für Fußgänger und Radfahrer

Keine Frage: Für Fußgänger und Radfahrer war die autofreie Zeit eine schöne. Während sich sonst alles auf den engen Gehwegen drängelte, wurde nun auch die Fahrbahn genutzt. Das ist nicht nur entspannter, sondern fühlte sich für viele auch viel sicherer an.

Gewerbetreibende: gemischte Gefühle

Es ist kein Geheimnis: Manche Gewerbetreibende sind strikte Gegner eines autofreien Ottensen. Tatsächlich klagten diverse Einzelhändler und Dienstleistungsbetriebe über massive Umsatzeinbußen, in manchem Fall nach eigener Auskunft existenzbedrohend. Die Zulieferzeiten seien zu kurz, die Pick-up-Plätze zu wenige und zu häufig belegt. Doch nicht alle denken so. Manche Gewerbetreibende nutzten den Raum vor ihren Geschäften, bauten Sitzgelegenheiten, Begrünungen, Aufenthaltsräume – für die eigene Pause oder als Kundenstopper. Unterm Strich ist mehr als die Hälfte der Gewerbetreibenden für eine Fortführung des Projekts, allerdings mit einigen Änderungen, vor allem in Sachen Zufahrtsrestriktionen.

Mehr Platz durch Fahrradparkplätze

Ein positiver Effekt von "Ottensen macht Platz": Aufgrund neuer Fahrradparkplätze waren die Gehwege freier, die vorher durch abgestellte Räder stellenweise blockiert wurden.

Freizeit- statt Autolärm

Endlich Ruhe? Nein, nicht wirklich. Zwar nahm die Lärmbelästigung durch Verkehr für die Anwohner in der autofreien Zone deutlich ab. Wirklich leise war es aber nicht, da der Freizeitlärm offenbar deutlich zunahm.

Verkehr und Lärm auf den Ausweichstrecken

Für die Anwohner in den angrenzenden Straßen wie der Eulenstraße war der Effekt des Autofrei-Projekts weniger erfreulich. Der Verkehr nahm zu (von durchschnittlich 7.665 Autos auf 9.228 Autos pro Tag), die Anzahl der parkenden Fahrzeuge ebenso.

Das wollen Ottenser

Im Rahmen der Evaluation wurden die Ottenser auch gefragt, wie sie sich ihren Stadtteil wünschen. Die Antworten sprechen ganz klar für eine autofreie Zone: mehr Grünflächen, Straßenbäume, eine gute Anbindung durch die Öffis, wenig Lärm und gute Luft.

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