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Alster vs. Elbe
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Hamburg

Grauzonen: Team Alster oder Team Elbe?

Macht euch bereit für unser Pro-Contra-Format "Grauzonen". Hier stellen wir kontroverse Ansichten zu Dingen, die die Stadt bewegen, gegenüber. Dieses Mal: Alster oder Elbe: Welches Gewässer hat mehr Flair?


"Ja klar, äh nein, ich mein JEIN!" Ähnlich wie die Jungs von Fettes Brot sind wir innerhalb der Redaktion manchmal ein wenig verwirrt. Oder besser gesagt: unterschiedlicher Meinung. Damit die kontroversen Ansichten nicht gleich zu unbarmherzigen Streitereien führen, lassen wir unseren Frust nicht aneinander aus, sondern tippen unsere Meinung einfach mit Nachdruck in die Tastatur. Macht euch bereit für unser Pro-Contra-Format "Grauzonen". Hier stellen wir unsere Ansichten zu umstrittenen Themen sachlich gegenüber – und nicht handgreiflich werden, bitte! Dieses Mal: Team Alster oder Team Elbe? Ali und Rany diskutieren darüber, welches Gewässer mehr Flair hat.

Ali liebt die Alster 

Ich bin jetzt ehrlich: Ich bin keine waschechte Hamburgerin. So, jetzt ist es raus. Ich will euch aber erzählen, wann ich für mich entschieden habe, dass die Hansestadt das schönste Zuhause ist, das man sich vorstellen kann. In meiner ersten WG hab ich mit Henry zusammengewohnt. Henry hatte ein Motorrad und einen zusätzlichen Helm und hat mich häufiger mal auf Spritztouren mitgenommen. Egal, wo es hinging, ob in den Westen oder den Osten, Richtung Meer oder gen Süden, Henry ist immer, also wirklich IMMER, den Harvestehuder Weg entlang geflitzt. Also saß ich ganz beseelt auf dem Rücksitz seines Motorrads und hab mein neues Zuhause kennengelernt. Und wenn ich dann die wunderschöne Alster funkelnd in der Herbstsonne an mir vorbeiziehen sah, konnte ich mich an keinen schöneren Ort der Welt wünschen. In einem dieser Momente ist mir klar geworden, dass Hamburg wirklich die schönste Stadt der Welt ist. Und wenn ich jetzt morgens mit dem Rad ins Büro fahre und dieselbe Strecke nehme – auch wenns ein Umweg ist –, hab ich dieses Gefühl immer wieder aufs Neue. 

Ok, genug mit dem Kitsch. Ich will ja gar nicht behaupten, dass die Elbe nicht toll ist. Aber eben nicht so toll wie die Alster. Zum einen lädt die Alster perfekt zum Sonnenauf- und untergang ein. Morgens die ersten Sonnenstrahlen bei einer Runde Yoga am Westufer einfangen und abends nur 300 Meter Luftlinie entfernt an der Alsterperle oder entlang der Bellevue den Sonnenuntergang mit den besten Freunden und ein bis zwölf Bier zelebrieren. Wo sonst geht das?!

Und wir Hamburger (ja, ich nenn mich weiterhin so!) lieben Sommertage auf dem Wasser und das geht schließlich auch nur auf der Alster, nicht aber auf der Elbe. Außer du hast ein Motorboot, aber ich geh jetzt mal davon aus, dass das nur auf circa ein Prozent unserer Leserschaft zutrifft. Also schnappen wir uns an warmen Tagen unser Schlauchboot/Kayak/SUP/Tretboot und verbringen den ganzen Tag dümpelnd auf Alster, Isebekkanal, Feenteich oder Eilbekkanal.

Die Alster ist nämlich nicht nur die Alster, sondern auch die ganzen kleinen Kanäle, die von ihr abgehen und da kann man sich erst recht nicht entscheiden, wo es am schönsten ist. Und dann gibts da noch die Alsterschwäne, die schönen Weiden, den 7,4 Kilometer langen Rundgang, der einen perfekten Sonntagsspaziergang lang ist, die Stege, die Brücken, die wunderschöne Binnenalster, die direkt an die City grenzt und Hamburg so zu einer ganz einzigartigen Großstadt macht ... GANZ große Alsterliebe!

Sommer an der Alster
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Rany: Hamburg ohne Elbe? Nicht dasselbe!

Also DIE eine Anekdote wie Ali kann ich jetzt nicht auspacken. Die Liebesgeschichte zwischen der Elbe und mir ist eher eine leise, bei der die Zuneigung im Laufe der Zeit immer größer geworden ist. Seit ich in Hamburg angekommen bin, war irgendwie klar: Wenn es mich ans Wasser zieht, dann zur Elbe. Anfangs war das ein unbewusster Prozess. Ich besuchte sie ganz unverfänglich an den üblichen Hotspots und machte dort so Dinge, die Neuankömmlinge eben tun. Hafenrundfahrt an den Landungsbrücken, nach dem Kiez über den Fischmarkt, Picknick am Elbstrand …

Nach einiger Zeit war die Elbe aber keine flüchtige Bekannte mehr für mich, sondern eine gute Freundin. Sie lud mich zu Open-Air-Partys direkt am Wasser ein und zeigte sich bei Sonnenunter- und aufgängen von einem Hügel im Park Fiction aus in ihrem besten Licht. Ich demonstrierte an ihrer Seite gegen Gentrifizierung und für Seenotrettung. Sie war mit dabei, als die G20-Proteste eskalierten oder der Golden Pudel Club abbrannte und sich die Menschen kurz darauf zu Solidaritätsbekundungen an der Hafenkante versammelten. Was ich damit letztendlich sagen will: Die Elbe hat Ecken und Kanten, sie ist ein Ort für Subkultur (Gruß an die Hafenstraße!), den die aalglatte Alster nicht bieten kann. Und dafür lieb ich sie – auch wenn sie manchmal wild und widerspenstig sein kann. Zum Beispiel im Februar, wenn die Elbe wieder einmal wütet, das Wasser am Fischmarkt über die Ufer tritt und mir der Wind die Mütze vom Kopf fegt. Aber es ist wie in einer gut funktionierenden Beziehung: Man lernt, über die Fehler der anderen Person hinwegzusehen (und ich kann Wind wirklich nicht ausstehen!). 

Nachts an der Elbe Museumshafen Övelgönne
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In anderen Momenten, bevorzugt im Sommer, gibt sich die Elbe dann wieder ganz sanftmütig. Wir verabreden uns zu Pizza und Bier an der Hafenkante oder suchen uns ein lauschiges Plätzchen unter dem Dockland. Wenn ich abends dort sitze, hochblicke und über mir die Spiegelung der funkelnden Lichter der Kräne sehe, weiß ich: Das ist Liebe. Und Freiheit. Ich genieße den weiten Blick, den ich hier am Wasser habe. Ein seltener Anblick in einer so zugebauten Stadt wie Hamburg, erst recht an der Alster, die von Gebäuden umzingelt ist. Und auch wenn die Elbe persönlich keine SUPs, Schlauch- und Tretboote mag, hat sie direkt eine Alternative parat. An heißen Tagen besuche ich dann eben ihre Schwestern, Dove- und Gose-Elbe, zum Baden, Paddeln oder einfach mal aus der Stadt Rauskommen (auch super in Verbindung mit einer Radtour!). Während die Alster für mich austauschbar ist, wäre Hamburg ohne die Elbe für mich nicht mehr dasselbe – weil wir eben so viele gemeinsame Erinnerungen teilen.

Unter dem Dockland
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Alster oder Elbe hin oder her: Ein Frühstück am Wasser geht immer

Egal, ob ihr Team Alster oder Team Elbe seid: Frühstück am Wasser ist immer ein Träumchen! Wir diskutieren in der Redaktion übrigens auch gerne über das Cornern und über E-Scooter.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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