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Hamburg

10 Gedanken, die Hamburger in der S3 haben

Die S3 verbindet als längste S-Bahn-Linie der Stadt auf ganzen 75,3 Kilometern Pinneberg über Hamburg mit Stade. Mit der kleinen Schwester S31 sind alle relevanten Punkte in der Stadt erreichbar. So weit, so gut. Doch die S3 bringt uns nicht nur von A nach B, sondern beschert auch emotionale Achterbahnfahrten.


"Schön, mal wieder SEV."

Stimmt, gab's ja auch lange nicht. Die drei bösen Buchstaben begleiten jeden S3-Fahrer durchs Jahr. Sie kommen quasi verlässlicher als die Bahnen – zumindest, wenn es ab Hammerbrook weiter gen Hamburger Süden gehen soll. Angekündigt und spontan, natürlich besonders dann, wenn man schon spät dran ist. Oder vom Kiez nach Hause will. Und nicht wegkommt. Aufregen lohnt sich schon gar nicht mehr. Einfach durchatmen und während der Fahrt im Nachtbus gleich doppelt so lang trainieren, wach zu bleiben. Besonders der sommerliche Schienenersatzverkehr schweißt zusammen – wörtlich. Ein Bus pro Bahn ist ja auch völlig ausreichend. So kommt man der Nachbarschaft näher. Geteiltes Leid ist halbes Leid, oder so?

"Oooooh!"

Ja. Immer wieder überwältigend tut sich der Blick auf die Stadt auf, wenn sich die Bahn nach (oder vor) dem Bahnhof Hammerbrook in die Kurve legt. Dann versucht jeder, einen Blick aus dem Fenster in die eine oder andere Richtung zu erhaschen und so manch einer hat sich bei Sonnenuntergang schon die Nase am Fenster plattgedrückt oder ein Tränchen verdrückt, weil's so schön ist – haben wir gehört. Da ist dann auch der Ellenbogen des Sitznachbars in den Rippen kurz erträglicher. Tipp: Auf Fotos wird's niemals genauso schön. Lieber einfach den Moment der Glückseligkeit genießen.

"Steigt hier überhaupt jemand aus?"

Unterbrochen wird dieser magische Moment von einem Bauwerk, das gleich das nächste Schauspiel bietet: Der S- und U-Bahnhof Elbbrücken. Langjährige und regelmäßige S3-Fahrer sind minimal verärgert über den zusätzlichen Stop und überhaupt, muss das sein? Wer steigt hier bloß ein und aus und – WARUM?! Die Station befindet sich gefühlt im (Noch-)Nichts. Aber man kann zugeben, geht hässlicher. Auch wenn wir Hamburger Veränderungen in der Stadt ja eher skeptisch gegenüberstehen; was da aus Stahl und Glas entstanden ist, kann sich durchaus sehen lassen. Gleicher Gedanke gilt übrigens auch für die Station Hammerbrook am Wochenende.

"Ich nehm' dann mal die Nächste ..."

Es ist 8:36 Uhr in Wilhelmsburg, die Türen schließen sich und die S3 gleicht einer Sardinenbüchse. Sind die Bahnen vorher ausgefallen? Nicht unbedingt. In Sekundenschnelle beschlagen die Scheiben. Das Fahrtziel: Meistens Hauptbahnhof, mindestens Hammerbrook. Leider liegt noch die Station Veddel dazwischen. Spätestens hier geht jede Privatsphäre verloren. Es wird gedrückt und gedrängelt, Menschen und Rucksäcke trotzen jeder Physik und zwängen sich in scheinbar nonexistente Lücken. Bewegen ist nicht. Aber umfallen immerhin auch nicht. Alle, die keine Lust auf Vollkontakt haben, warten auf die nächste Bahn. Die nicht minder voll sein wird. Und greifen schon mal zum Telefon, um bei der Arbeit Bescheid zu sagen, dass es heute Morgen wieder etwas länger dauert ...

"Bahn ist Krieg."

Am Hauptbahnhof angelangt fühlt es sich an, als würde die Bahn tief ausatmen, bevor sie sich die Lung wieder bis ans Limit vollsaugt. Gehört ihr zu denen, die aussteigen, heißt es: Bloß nicht hinfallen und nichts wie raus aus der Menschentraube. Fahrt ihr weiter, ist es ein Kampf, nicht mit aus der Bahn geschwemmt zu werden. Sind die Fußtritte, Rucksack- und Ellenbogenprügel vorbei, habt ihr – leicht lädiert – wertvolle Zeit, nach einem frei gewordenen Sitzplatz Ausschau zu halten – ungefähr zwei Sekunden. Einen entdeckt? Dann aber dalli! Denn sogleich stürzt flutartig eine neue Menschenmenge in den Waggon. Und alle sind scharf darauf, ihr Sitzfleisch zu parken. Selbstnotiz: Im Büro erst mal die zerstörte Frisur richten.

"Ach, Hamburg!"

Sitzt ihr in der S31 belohnt euch die Strecke doppelt für die Strapazen. Direkt nach (oder vor) dem harten Kampf am Hauptbahnhof geht es auf der Lombardsbrücke über die Alster. Mit Binnenalster und Blick auf den Jungfernstieg zur einen, Außenalster zur anderen Seite gönnt ihr euch bei DEM Hamburg-Panorama schlechthin eine kleine Verschnaufpause. Besonders, wenn die Alsterfontäne in der Sonne funkelt, lohnt sich der Blick aus dem Fenster. Zu beobachten sind sich hebenden Köpfe, verträumte bis rührselige Blicke, kurz vergessene Mobiltelefone. Ja, so schön kann Bahnfahren sein. Hier geht wirklich jedem Hamburger das Herz auf.

"Ähm, wieso bin ich jetzt am Dammtor?!"

... fragt ihr euch, wenn ihr in den Bahnhof einfahrt. Eigentlich wolltet ihr doch zum Jungfernstieg?! Blöd gefahren, den habt ihr gerade aus dem Fenster anschmachten können. Beim Einstieg zwischen Harburg und Altona ist Vorsicht geboten! Denn auf dieser Strecke verkehrt eben auch die S31 – die kleine Schwester der S3, die überirdisch als Verbindungsbahn verläuft. Auf zwei verschiedenen Wegen geht es so vom Hauptbahnhof nach Altona – und erst dort treffen sich die beiden wieder. Vielleicht habt ihr aber auch alles richtig gemacht und die S3 wurde spontan als S31 umgeleitet. Immer wieder schön!

"Bitte nicht ..."

Es gibt Momente, da verflucht man das Stadtleben. Ja, auch – oder besonders – in Hamburg. Die S3 hat den Vorteil, weitestgehend von Touris verschont zu bleiben. Die tummeln sich eher auf einer Stadtrundfahrt in der U3 oder in der S1 Richtung Airport. Nichtsdestotrotz ist die S3 durch Haltestellen wie Landungsbrücken, Stellingen und, genau, Reeperbahn durchaus prädestiniert für so manche Übervölkerung: Partygäste und Fußballfans. Da wird getrunken und gegrölt, dass es kein Halten mehr gibt. Sind bestimmt alles Pinneberger, nimmt der entnervte Hamburger an, der einfach nur nach Hause will. Besonders kritisch: Der Zeitraum zwischen fünf und sieben Uhr am Samstagmorgen, wenn einige noch, andere schon wieder wach sind. Und sich beide Seiten fragen: "Um die Uhrzeit?!". Sobald der klassische Kiez-Muff – nähere Ausführungen ersparen wir euch an dieser Stelle – den Waggon flutet, heißt es: Nicht durch die Nase atmen. Und die Stationen bis zum Ausstieg zählen.

"Oh nein, Pinneberg?!"

Der Alptraum eines jeden Hamburgers. Da hat man auf dem Heimweg vom Kiez nur mal kurz, für einen ganz kleinen Moment, die Augen geschlossen und plötzlich die Stadtgrenze hinter sich gelassen. Und ist dort angekommen, wo man niemals, unter keinen Umständen jemals, landen wollte: in Pinneberg. Endstation, wortwörtlich. Ob man sich in einem derartigen Zustand befunden hat, wie die oben beschriebenen Mitfahrer? Nun ... natürlich nicht! Der folgende Gedanke: Nichts wie weg, schnellstmöglich. Wobei das nachts ja so eine Sache ist.

"Bin ich noch richtig?"

Einige Hamburger haben sich zumindest schon mal bis Harburg getraut. Fahrt ihr regelmäßig weiter gen Süden, habt ihr euch vielleicht schon dran gewöhnt. Alle anderen seien hiermit gewarnt: Der ungeschulte S3-Fahrer gerät auf dem Weg zum Wildpark Schwarze Berge in einen Zustand zwischen Stutzen und latenter Panik. Denn die nächste Station kommt einfach nicht. Sitzt man noch richtig?! Ist aus der S- spontan eine Fernbahn geworden?! Geschlagene sechs Minuten Fahrtzeit liegen nämlich zwischen den Haltestellen Heimfeld und Neuwiedenthal – im Innenstadtbereich sind es eine bis zwei. Hinsetzen lohnt sich also.

Tierischer Tagesausflug: Wildparks bei Hamburg

Apropos Wildpark Schwarze Berge – den kennen und lieben sicher die meisten Hamburger. Wart ihr aber schon einmal in diesen schönen Wildparks bei Hamburg ? Sie sind einen Besuch allemal wert!

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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