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Lost Places Kleiner Grasbrook
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Kleiner Grasbrook

kiekmo Stadtteilspaziergang: Kleiner Grasbrook – Lost Places Tour

Bewegung an der frischen Luft in allen Ehren, aber mittlerweile wirds langweilig im eigenen Stadtteil? Da helfen wir: In unserer neuen Serie nehmen euch unsere Redakteurinnen mit durch ihre Viertel.


Distanz: rund 6, 9 oder 15 Kilometer | Wegzeit: eine, zwei oder vier Stunden (ohne Pausen) | Highlights: Ein Lost Place nach dem anderen

Vorweg sei gesagt: Falls ihr skatet, lohnt es sich, das Board an den Rucksack zu klemmen. Denn auf dem Weg werdet ihr immer wieder an tollen Spots vorbeikommen, die nur so zum Rollen einladen.

Am besten startet ihr an der U/S-Bahnstation Elbbrücken, denn von hier habt ihr nicht nur einen tollen Blick auf die HafenCity, sondern eben auch auf das gegenüberliegende Ufer und könnt euch vorstellen, wie der Kleine Grasbrook in Zukunft aussehen wird. Das kann – zugegeben – etwas schwerfallen. Denn aktuell ist das Areal mit seinen verlassenen Lagerhallen noch weit entfernt von dem lebendigen Stadtteil, der es einmal werden soll. Unter dem Titel Grasbrook wird er dann der 106. der Hansestadt.

Bahnhof Elbbrücken
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Ihr schlagt den Weg über die Freihafen-Elbbrücken ein – müsst also auf der Seite der U-Bahn raus. Falls ihr mit der S-Bahn gekommen seid, ist der Gang durch den gläsernen Tunnel hoch über der Straße schon ein Highlight. Und wer Brücken mag, hat selbstverständlich auch seine Freude an den drei geschwungenen Bögen, die euch über die Norderelbe führen.

Freihafen Elbbrücken
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Gleich dahinter wartet auch schon der erste Lost Place dieser Tour: das Überseezentrum. Wer hier das Board nicht auspackt, ist selber Schuld, denn der betonierte Untergrund ist zum Skaten optimal geeignet. Und die Kulisse der alten Halle mit Blick auf die Elphi macht ordentlich was her. Stillgelegte Gleisanlagen und ungenutzte Anleger – es gibt einiges Verlassenes zu entdecken.

Überseezentrum
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Denkwürdige Momente in der Dessauer Straße

"Hier ein Loft, das wärs", denkt ihr vielleicht beim Anblick des durchaus schmucken, nur etwas vernachlässigten Backsteinkomplexes in der Dessauer Straße. Und ja, das wäre wirklich nett, so direkt am Wasser. Allerdings solltet ihr euch auch die Geschichte dieses Hamburger Lost Places zu Gemüte führen. Denn das Lagerhaus G diente im Zweiten Weltkrieg als KZ-Außenlager Hamburg-Veddel und ist heute Gedenkort für die rund 35.000 Menschen, die hier untergebracht waren. Seit 1998 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Durch mangelnde Pflege senkt es sich zur Wasserseite ab. Die Initiative Dessauer Ufer setzt sich für den Erhalt des Komplexes ein und hat ein Nutzungskonzept erstellt. Ob es in Zukunft realisiert wird? Schön wärs ja, dem Ort neues Leben zu schenken.

Dessauer Straße Lagerhaus G
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Dreht ihr euch um, bietet sich euch ein traumhafter Ausblick. Ihr seht ein bisschen Backstein, viele, viele Boote und Elbe, bis sie St. Pauli erreicht. Elbphilharmonie, Michel, Tanzende Türme – von hier genießt ihr ein Hamburg-Panorama der Extraklasse, ohne Touris. Meistens seid ihr sogar völlig ungestört. Diese Straße hat wirklich noch alles, was den alten, unverfälschten Hamburger Charme ausmacht.

Übrigens: Auch der Kult-Imbiss Zum Lütten Foffteiner im Retro-Look liegt in der Dessauer Straße. Bei diesem Hamburger Original bekommt ihr Brötchenhälften und warme Imbiss-Klassiker auf die Flosse – allerdings nur wochentags.

Dessauer Straße
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Die Geschichte des Hafens liegt auf dem Kleinen Grasbrook

Von der Dessauer Straße aus solltet ihr, bevor ihr den Veddeler Damm überquert einen Schlenker nach rechts zum Hafenmuseum einlegen. Den Hof könnt ihr auch ohne "richtigen" Eintritt betreten und allerlei entdecken. Schon für die Atmosphäre lohnt es sich und die alten Backsteingebäude ... na ja, ihr kennt ihren magischen Charme. Habt ihr euch dort lang genug herumgetrieben, macht ihr die Kehrtwende und überquert die große Straße am besten über die Brücke, von der aus ihr einen weitläufigen Blick auf das verworrene Gleisnetz genießt.

Bahnnetz
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Ein verlassener Stadtteil mit rauem Charme

Anschließend nehmt die – zugegeben eher unschöne – Unterführung. Auf der andern Seite der Gleise angelangt, schaut ihr auf den Deich der Veddel. Die Brücke dorthin nehmt ihr aber nicht, sondern haltet euch rechts und lauft immer an den Bahnschienen entlang. Wenn es einen Ort gibt, der sich zum Skaten üben eignet, dann dieser. Ebener Boden, keine Autos, nur Radfahrer und Fußgänger kreuzen – recht selten – euren Weg, der euch an einem kleinen, verlassenen Häuschen vorbeiführt. Habt ihr das Ende der Straße erreicht, gehts nach links über eine Brücke.

Kleiner Grasbrook
@simanvomdeich

Und hab hier wirds spannend. Ihr betretet Gelände der HPA. Rechtsseitig gibt es einen kleinen Durchgang. Läuft man hier entlang, hat man immer ein bisschen das Gefühl, als befände man sich auf verbotenem Terrain. Schnell wird aber klar, dass schon einige vor euch diesen Ort besucht haben. Davon zeugen die teils wirklich kunstvollen Graffiti an den Wänden der Hallen, an denen ihr vorbeikommt.

Graffiti
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Geht ihr weiter geradeaus, seht ihr bald rechts von euch drei verlassene Kräne – einer schöner als der andere. Am dritten sieht man, dass es sich hier schon so manch einer im Sommer gemütlich gemacht hat. Dieser Lost Place ist wirklich gut versteckt.

Kran Kleiner Grasbrook
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Biegt ihr um die Ecke des Hauses, kommt ihr gegenüber des Anlegers Ernst-August-Schleuse heraus. Seid ihr genug spaziert, bringt euch die Fähre (wochentags) von hier aus rüber zu den Landungsbrücken. Da der Kleine Grasbrook, nun ja, klein ist, und einige Flächen nicht zugänglich sind, ist er auch schnell ergründet. Bis zum Fähranleger Ernst-August-Schleuse lauft ihr (ohne Pausen und in zügigem Schritt) in weniger als anderthalb Stunden.

Klütjenfelder Hafen
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Gehen wir in die Verlängerung

Für einen kurzen Ausflug ausreichend – wer sich aber gerade erst warm spaziert hat, sollte die Tour unbedingt fortsetzen. Am Fähranleger vorbei folgt ihr der Klütjenfelder Straße. Auf der Brücke werdet ihr sicher kurz Halt machen und den Blick über den Klütjenfelder Hafen genießen, bevor es weiter Richtung Reiherdamm geht. Auch hier habt ihr einen tollen Ausblick auf Hamburgs Skyline. Sollte sich das Wetter dramatisch ändern, besteht an der Argentinienbrücke wieder die Möglichkeit, auf die Fähre zu hüpfen. Psst: Hier versteckt sich auch ein ganz besonderes Hamburg-Graffiti!

Reiherdamm
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Bei annehmbarer Witterung geht es weiter den Reiherdamm entlang, der geradewegs zum Alten Elbtunnel leitet. Und durch diesen unter der Elbe durchzulaufen ist doch einfach immer wieder ein Erlebnis. Wenn ihr mögt, macht ihr vorher noch einen Abstecher zum Leuchtturm Ellerholzhafen – der ist allerdings mit einem etwas längeren Umweg verbunden. Im Industriegebiet ist zugegeben nicht sonderlich viel los, doch auch hier bietet sich der teils frisch erneuerte Untergrund an, ein Stück auf dem Board zurückzulegen.

Container
@haenvomdeich

Gerade am Wochenende ist hier kaum etwas los und die Straße gehört quasi euch. Apropos: Sonntags – wenn niemand vor Ort ist – ist es ein besonderes Highlight, zwischen den riesigen Containern herumzustromern, die doch einfach immer wieder ein tolles Fotomotiv abgeben. Genauso wie der Blick vom Alten Elbtunnel auf die Landungsbrücken gegenüber. Genau dort angekommen, habt ihr rund 9 Kilometer hinter euch gebracht. Diese Strecke dauert insgesamt gute zwei Stunden.

Unsplash / Philipp Deus

Ihr wollt noch mehr?

Wer den Kreis schließen möchte, sollte sich nun nach rechts wenden. Die große Runde um die Norderelbe führt wahlweise durch die Speicherstadt oder die HafenCity, wo ihr der Elphi einen kurzen Besuch abstatten könnt. Aus nächster Nähe ist das kolossale Konzerthaus immer wieder besonders imposant. Nach diesem architektonischen Kontrastprogramm stellt sich – an der Oberhafenbrücke angelangt – wieder raueres Hafenflair ein. Hunger? Dann schnell einen Happen aus der Hobenköök oder der Oberhafenkantine geschnappt und weiter gehts.

Oberhafenbrücke
Unsplash / Moritz Kindler

Entlang der Elbpromenade spaziert ihr ganz ungestört. Der Weg am Großmarkt ist ausschließlich dem Radfahren, Skaten und Spazieren vorbehalten und einer dieser Zwischenorte, die nirgends so richtig dazugehören wollen und dadurch ihren ganz eigenen Charme haben. Board dabei? Dann werdet ihr euch über einen großartigen Skate Spot freuen, wenn ihr euch dem alten Löschkran in Rothenburgsort nähert – ein weiterer Lost Place in Hamburg, den ihr unbedingt mal besucht haben solltet. Und einer der letzten Geheimtipps für den schönsten Sonnenuntergang in Hamburg.

Hochwasserschutzanlage Großmarkt
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Nun befindet ihr euch wieder in Nähe der U/S Elbbrücken und die Runde ist beendet. Mit 15 Kilometern habt ihr ordentlich Strecke gemacht. Inklusive Pausen zum Essen, Erkunden, Skaten und Fotografieren vergehen so auch mal sechs Stunden. Wenn euch das zu weit ist, habt ihr natürlich zwischendurch immer wieder die Möglichkeit, die Bahnfahrt nach Hause anzutreten.

Kleiner Grasbrook: Kleiner Stadtteil im Umbruch

Ob ihr die Insel im Süden Hamburgs besuchen wollt, oder nicht: Es gibt definitiv ein paar Dinge, die ihr über den Kleinen Grasbrook wissen solltet. Schließlich entsteht hier bald eines der modernsten Quartiere der Stadt!

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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