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Unsplash / Fabio Henning
Hamburg

7 Naturschutzgebiete in Hamburg: So grün ist die Großstadt

Spaziergänge sind gerade stark im Trend, doch in der Großstadt nicht unbedingt mit Erholung verbunden. Anders in Hamburg: Die Hansestadt bietet auf vielen Hektar Naturschutzgebiet reichlich Ruhe.


Der Stadt so nah: Naturschutzgebiet Boberger Niederung

Über neun Prozent, also fast ein Zehntel, der Landesfläche Hamburgs sind Naturschutzgebiet, 36 Areale an der Zahl – so einen großen Anteil hat kein anderes Bundesland zu verzeichnen. Deshalb werdet ihr auch schnell fündig, sobald ihr einmal den Stadtkern verlasst. Weit raus müsst ihr gar nicht. Die für ihre Dünenlandschaft bekannte Boberger Niederung im Bezirk Bergedorf erreicht ihr sogar per Bahn: Vom Hauptbahnhof sind's nur 13 Minuten bis Mittlerer Landweg. Nach einem kurzen Fußmarsch erwarten euch auf den rund 350 Hektar, die sich über die Stadtteile Billwerder und Lohbrügge erstrecken, neben den beliebten Sandbergen auch Heide-, Wald- und Wiesenlandschaften sowie der Boberger See. Übrigens liegt das Hamburger Naturschutzgebiet nur einen Katzensprung vom IKEA Moorfleet entfernt – fahrt vor oder nach dem Einkauf doch einfach mal den kleinen Schlenker. Lohnt sich.

Infos: Naturschutzgebiet Boberger Niederung, Boberger Furt 50, 21033 Hamburg; Anfahrt per HVV: S21 bis Mittlerer Landweg

Auch die Elbinsel hat eins: Naturschutzgebiet Heuckenlock

Auch dieses Hamburger Naturschutzgebiet liegt nicht zu weit ab vom Schuss – zumindest noch im Bezirk Mitte. Die Anfahrt gestaltet sich zugegebenermaßen etwas aufwändiger. Von der S Wilhelmsburg wäre es ein einstündiger Fußmarsch bis ins Naturschutzgebiet Heuckenlock, mit dem Rad sind's 17 Minuten. Keine Sorge, auch ein Bus bringt euch innerhalb von 11 Minuten mitten ins Grün. Knappe 100 Hektar zieht sich das Naturschutzgebiet, das übrigens einer der letzten Tideauenwälder Europas ist, am Deich der Süderelbe entlang. Ihr folgt hier für einen ausgedehnten Spaziergang einfach dem zwei Kilometer langen Wanderweg. Klares Highlight im Heuckenlock: die Bunthäuser Spitze, einer der südlichsten Punkte Hamburgs mit niedlichem Leuchtturm. An dieser Stelle trennt sich der Elbstrom an der niedersächsischen Grenze in Norder- und Süderelbe. Von hier aus genießt ihr einen wirklich einmaligen Ausblick über die Elbmarsch.

Infos: Naturschutzgebiet Heuckenlock, Finkenriek 80, 21109 Hamburg; Anfahrt per HVV: S3/S31 bis Wilhelmsburg, Bus 351 bis Heuckenlock

Doppelt grün: Gleich zwei Naturschutzgebiete in Hamburg-Bergstedt

Wer noch mehr Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird an den Stadträndern fündig. Im Stadtteil Bergstedt (nördlich von Wandsbek) habt ihr gleich zwei Erholungsgebiete zur Auswahl: das Naturschutzgebiet Rodenbeker Quellental und das Naturschutzgebiet Hainesch-Iland. Beide sind geprägt vom Wald und eignen sich hervorragend für ausgedehnte Spaziergänge sowie Radtouren und sind auch bei Reitern sehr beliebt. Liegt sicher an der abwechslungsreichen Landschaft, die mit Hügeln und Tälern sowie etlichen Wasserläufen lockt. Hainesch-Iland ist geprägt von Bauernkultur, die sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen lässt. Sie zeigt sich vor allem in den prächtigen Obstgärten und Relikten jener Zeit, die ihr auf dem Areal findet. Eine weitere Besonderheit: Der stark gefährdete Eisvogel hat sich hier seine Nistplätze eingerichtet. Mit etwas Glück könnt ihr einen der blau leuchtenden Vögel erspähen.

Das Rodenbeker Quellental zeugt von Gletscherströmen, die einst das Stromtal der Alster formten. Fun Fact: Das Wasser der zahlreichen Quellen, die der Gegend ihren Namen einbrachten, ist reich an Eisen, das sich in orangegelben Partikeln an ihren Rändern niederschlägt. Umringt ist das Rodenbeker Quellental von Alster, Rodenbek und Brebenbek – so viel Wasser sorgt natürlich für Planzen- und Tierreichtum vor Ort. Auf dem Alsterwanderweg könnt ihr das Naturschutzgebiet durchqueren.

Infos: Naturschutzgebiet Hainesch-Iland, Granitweg 18B, 22395 Hamburg; Anfahrt per HVV: U1 bis Hoisbüttel und Bus 374 bis Iland oder S1/S11 bis Poppenbüttel und Bus 174 bis Iland | Naturschutzgebiet Rodenbeker Quellental; Anfahrt per HVV: RB81 bis Ahrensburg und Bus 474 bis Sarenweg

Hamburgs Nordpol: Duvenstedter Brook

Willkommen im hohen Norden! Das Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook gehört zu den einsamsten Orten in der Hamburger Natur, an denen ihr wirklich mal nur für euch sein könnt. Mit seinen stolzen 780 Hektar ist es hinter den Kirchwerder Wiesen das zweitgrößte Naturschutzgebiet der Stadt. Besonders im frühen Herbst lohnt sich ein Besuch am nördlichsten Zipfel der Hansestadt, denn dann ist Brunftzeit beim Rothirsch angesagt – ein Naturschauspiel sondergleichen. Auch wenn die Geweihträger wohl die imposantesten Bewohner der Moor- und Waldlandschaft sind, lassen sich noch viele weitere Tierarten wie Fuchs, Dachs und Damwild, Galloway-Rind und Graureiher beobachten. Sogar einen Wolf hat es Anfang 2020 in den Duvenstedter Brook verschlagen.

Infos: Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook, 22397 Hamburg; Anfahrt per HVV: U1 bis Ohlstedt und Bus 276 bis Duvenstedter Triftweg

Das ganz große Grün: Naturschutzgebiet Moorgürtel

Wenn ihr euch Hamburg einmal bei Google Maps aufruft, werdet ihr feststellen, dass es außerhalb der Stadtgrenzen auf einen Schlag grün wird. Die Hansestadt selbst stellt einen grauen Fleck auf der Landkarte dar, der ab und an von Grünflächen gesprenkelt ist. Einer der größten ist dabei das Naturschutzgebiet Moorgürtel, das sich zwischen Neugraben und Neuenfelde bis über den südwestlichen Stadtrand hinaus nach Buxtehude erstreckt. Ganze 737 Hektar ist das Gebiet groß. Für einige ist es der ruhigste und schönste Ort Hamburgs. Hier lässt es sich verträumt durch Wildwiesen streifen, endlos Gassi gehen, am Wasser spazieren und ohne Ende Sonnenuntergänge über der flachen Marschlandschaft gucken. Mit etwas Glück begegnet ihr sogar den tierischen Mitbewohnern des Natur- und Vogelschutzgebiets: Nicht nur etliche Pflanzen, sondern auch Wachtelkönig, Weißstorch, Reiher und Reh fühlen sich im Moorgürtel wohl.

Infos: Naturschutzgebiet Moorgürtel, Anfahrt per HVV: S3 bis wahlweise Neugraben, Fischbek oder Neu Wulfstorf

Magische Momente: Fischbeker Heide

Da wie gesagt irgendwann alles grün ist, ist schwer zu sagen, wo das eine Naturschutzgebiet aufhört und das andere beginnt. Klar ist aber, die Fischbeker Heide ist wohl eines der schönsten Naturschutzgebiete in Hamburg. Für leuchtende Landschaften auf 773 Hektar müsst ihr nämlich gar nicht bis nach Lüneburg, sondern nur etwa 20 Kilometer aus dem Zentrum raus. Die wohl bekannteste Route durch die Fischbeker Heide ist der Heidschnuckenweg, auf dem ihr kilometerweit ungestört wandern könnt. Wer früh aus den Federn kommt, kommt hier in den Anblick geradezu surreal schöner Sonnenaufgänge, die ein besonderes Schauspiel bieten, wenn die Heide violett blüht. Ausschlafen ist aber auch völlig in Ordnung – die Sonnenuntergänge sind mindestens ebenso atemberaubend. Angrenzend liegen übrigens die Harburger Berge, wo ihr den höchsten Punkt Hamburgs, den Wildpark Schwarze Berge und das Freilichtmuseum Kiekeberg findet.

Infos: Naturschutzgebiet Fischbeker Heide, Fischbektal, 21149 Hamburg; Anfahrt per HVV: S3 bis Neugraben und Bus 250 bis Fischbeker Heideweg

Naturschutzgebiete in Hamburgs Südosten: Neuländer Moorwiesen und Schweenssand

Ebenfalls südlich, aber auf der östlichen Seite der Stadt, findet ihr die Neuländer Moorwiesen. Mit "nur" 250 Hektar bilden sie eins der kleineren Naturschutzgebiete in Hamburg. Nichtsdestotrotz könnt ihr hier eine artenreiche Vogel-, Amphibien- und Pflanzenwelt erkunden. Viele gefährdete Arten haben hier mittlerweile ihre Bestände stabilisiert. Auch ein Tag am Wasser lässt sich hier verbringen: Am Neuländer See findet ihr Hamburgs Wasserski- und Wakeboard-Anlage, wo sich Klein und Groß ordentlich austoben können. Am Ufer der Süderelbe zieht sich gleich das nächste Naturschutzgebiet entlang: Vom beschaulichen 35 Hektar großen Schweenssand mit weltweit einzigartiger Flora könnt ihr rüber zum Heuckenlock winken. Hier findet ihr auch den Neulander Yachtclub und könnt zum Abschluss eures Spaziergangs in der Inselklause einkehren.

Infos: Naturschutzgebiet Neuländer Moorwiesen, 21079 Hamburg / Naturschutzgebiet Schweenssand; Anfahrt per HVV: S3/S31 bis Harburg und Bus 245 bis Großmoordamm 223 oder Bus 149 bis Neuländer Elbdeich 76

In Hamburgs Wäldern die Natur genießen

Da sag noch mal einer was von Betonwüste – unsere Hansestadt ist eine Oase! In diesen traumhaften Wäldern in und um Hamburg könnt ihr den Großstadttrubel hinter euch lassen. Heimische Tiere beobachten geht außerdem in Hamburgs Wildparks.

Damit auch alles so schön erhalten bleibt, wie es ist, achtet auf euren Spaziergängen immer darauf, auf den Wegen zu bleiben und nehmt euren Müll nach einem Picknick wieder mit nach Hause. Tiere und Pflanzenwelt werden es euch danken.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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