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Szene aus Kurz und schmerzlos
© 1998 Wüste Film GmbH / Gordon Timpen
Hamburg

Fatih Akins Hamburg: 10 Drehorte aus seinen Filmen

Fatih Akins Filme pendeln zwischen Leichtigkeit und Leiden(schaft). Was seine Dramen und Komödien gemeinsam haben: Viele Werke hat der Regisseur in Hamburg gedreht. Zum Beispiel an folgenden Orten.


Ottenser Hauptstraße

Fatih Akin ist in Altona fest verwurzelt. Hier ist der Regisseur geboren, aufgewachsen und auch heute lebt er noch in Ottensen. Kein Wunder also, dass sein Viertel von Anfang an die heimliche Hauptrolle in seinen Werken gespielt hat. In seinem Spielfilmdebüt "Kurz und Schmerzlos" von 1998, das 2020 in verbesserter Qualität noch einmal auf der Leinwand zu sehen war, haben unter anderem der Bahnhof Altona und die Ottenser Hauptstraße ihren Auftritt. Der Stadtteil sah Ende der 1990er-Jahre allerdings noch etwas anders aus, härter und rauer. Somit passt die Geschichte über Freundschaft, Gang und Ganoventum, die der Film erzählt, gut in die Kulisse. Heut hätte Fatih sich vermutlich einen anderen Drehort suchen müssen. Denn Ottensen hat sich längst zur angesagten Wohngegend gewandelt.

Der DOM

Mit "Gegen die Wand" gelang Fatih Akin im Jahr 2004 der internationale Durchbruch. Der preisgekrönte Film über Identitätskrisen, Exzesse, Selbstzerstörung und eine extreme Liebesbeziehung zwischen einem türkischstämmigen Paar ist keine leichte Kost. Während der Dreharbeiten besuchten die Schauspieler Sibel Kekilli und Birol Ünel in ihren Rollen diverse Orte in Hamburg: die Fabrik in Altona, den Kaiserkeller auf der Großen Freiheit, die Sofabar Zoë 1, wo heute die Möwe Sturzflug Drinks ausschenkt, und den Hamburger DOM.

Der Uni-Campus

"Auf der anderen Seite" von 2007 ist der zweite Teil von Fatih Akins Trilogie "Liebe, Tod und Teufel". Eine von sechs Personen, deren Schicksale miteinander verknüpft sind, ist die Türkin Ayten, die aus politischen Gründen von Istanbul nach Hamburg flüchtet. Ohne Geld und Unterkunft irrt sie über den Uni-Campus und verbringt schließlich eine Nacht im Gebäude für Wirtschaftswissenschaften. Am nächsten Tag gibt ihr die Studentin Lotte ein Mittagsessen aus, das sie zusammen in der Campus-Mensa zu sich nehmen.

Die Soulkitchen-Lagerhalle in Wilhelmsburg

Wenn ihr schon etwas länger in Hamburg verweilt, könnt ihr euch vielleicht noch daran erinnern, dass im Soulkitchen in Wilhelmsburg bis 2013 Partys und Kulturveranstaltungen stattfanden. Berühmt wurde die alte Fabrikhalle in der Industriestraße aber durch Fatih Akin. 2009 drehte der Regisseur hier seine Komödie "Soul Kitchen", die zeigt, dass man sich dem ernsten Thema Gentrifizierung auch auf eine leichtere Art annähern kann. Das Team baute die Lagerhalle für die Dreharbeiten zum titelgebenden Restaurant um. Im Film nahm der Kampf gegen Immobilienhaie und Spekulanten ein gutes Ende. Was mit der Soulkitchen-Halle im wahren Leben passiert? Ungewiss.

Taverna Sotiris

Auch die Taverna Sotiris in Ottensen hat im Film "Soul Kitchen" ihren großen Auftritt. Laut filmtourismus.de gehörte das ehemalige griechische Restaurant in der Barnerstraße zum Zeitpunkt der Dreharbeiten dem Hauptdarsteller Adam Bousdoukos. Der markante, beigefarbene Gebäudekomplex ist in einer Szene zu sehen, in der Flyer für das Soul Kitchen verteilt werden. Heute ist das Lokal dauerhaft geschlossen – das Namensschild steht aber noch dran – und die gesamte Häuserzeile soll abgerissen werden. Doch nicht nur von der ebenfalls dort ansässigen Villa Dunkelbunt regt sich Widerstand dagegen.

Astra Stube

Auch die Astra Stube ist, wie alle Sternbrücken-Clubs vom Abriss bedroht. Wenn es nach der Deutschen Bahn geht, der das Areal gehört, soll die Hamburger Subkultur an dieser Stelle einer neuen Monsterbrücke weichen. Die Initiative Sternbrücke, die sich für ihren Erhalt einsetzt, konnte Fatih Akin als prominenten Unterstützer gewinnen. Kein Wunder, auch die Astra Stube hat in "Soul Kitchen" einen Auftritt. Für Altonas berühmten Sohn hat die Sternbrücke mit den dort ansässigen Clubs einen monumentalen Charakter.

Gängeviertel

Immerhin das Gängeviertel, ebenfalls in "Soul Kitchen" als Kulisse für die Wohnung von Zinos (Adam Bousdoukos) vertreten, konnte seine Zukunft sichern. Ende 2009 hatte die Stadt Hamburg die historischen Gebäude von einem niederländischen Investor zurückgekauft. Danach begannen mühsame Verhandlungen zwischen der Gängeviertel Genossenschaft und der Stadt. Erst nach zehn Jahre konnten sich beide Parteien einigen und schlossen im August 2019 einen Erbbaurechtsvertrag über 75 Jahre ab.

Hein-Hoyer-Straße

Eigentlich wollte Fatih Akin seinen Film "Aus dem Nichts", der lose die Anschläge der rechtsextremen Terrorzelle NSU aufgreift, in einem "Türken-Kiez" drehen. Doch in dem von ihm favorisierte Straßenzug in Wilhelmsburg fanden zum Zeitpunkt der Dreharbeiten umfassende Baumaßnahmen statt. Also hat das Filmteam selbst ein türkisches Viertel erschaffen – und zwar in der Hein-Hoyer-Straße auf. St. Pauli. Der Grillhähnchen-Imbiss wurde zur Dönerbude, eine Kneipe zur Moschee. Nicht alle Anwohner und Ladenbesitzer sollen anfangs von den Dreharbeiten begeistert gewesen sein. Aber immerhin können sie jetzt sagen, dass direkt vor ihren Haustüren ein preisgekrönter Film entstanden ist. Das Drama über eine Frau, die bei einem Terroranschlag ihren Mann und ihren Sonn verliert und danach für Gerechtigkeit kämpft, brachte Fatih Akin 2018 unter anderem den Golden Globe für den besten deutschsprachigen Film ein.

Sievekingplatz

Auch der Sievekingplatz mit seinen imposanten Bauwerken ist in "Aus dem Nichts" zu sehen: Hauptdarstellerin Diane Kruger steht dabei rauchend vor dem Strafjustizgebäude. Die Verhandlungsszenen selbst sind allerdings in keinem echten Gerichtssaal entstanden, sondern im Gebäude der Hamburger Finanzbehörde am Gänsemarkt.

Kirche St. Joseph

"Der Goldene Handschuh" von 2019 ist Fatih Akins neuester Streich – und auch sein gruseligster. Der Film über den Serienmörder Fritz Honka basiert auf dem gleichnamigen Buch von Heinz Strunk und wechselt zwischen Horrorfilm und bedrückender Sozialstudie aus dem Hamburg der 1970er-Jahre. Funfact: Die Szenen im Goldenen Handschuh sind nicht in der echten Kiezkneipe auf dem Hamburger Berg entstanden. Stattdessen hat Fatih Akins Szenenbildner Tamo Kunz das Lokal originalgetreu und mit viel Liebe zum Detail in einer Lagerhalle im Hafen nachgebaut. Vor dem Goldenen Handschuh auf dem Berg wurde natürlich trotzdem gedreht. Und auch an anderen Schauplätzen auf St. Pauli: Hans-Albers-Platz, Silbersackstraße und an der Kirche St. Joseph in der Großen Freiheit. Vor Letzterer wird Fritz Honka im Film von einem Auto angefahren und plant danach einen Neuanfang ohne Alkohol. Spoiler: Klappt nicht so richtig gut …

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Filmtourismus könnte euer neues Hobby werden? Dann haben wir hier weitere Drehorte in Hamburg für euch, die ihr besuchen könnt.

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