Direkt zum Inhalt
Edgar Wallace Verfilmung Die toten Augen von London von Alfred Vohrer
Staatsarchiv Hamburg, Contipress
Hamburg

Diese 6 Filme spielen woanders – aber wurden in Hamburg gedreht

Sirany Schümann
Sirany Schümann

Berlin, London, New York – habt ihr gewusst, dass Hamburg mal diese Städte verkörpert hat? Diese Filme spielen woanders, aber wurden in der Hansestadt gedreht.

In "A Most Wanted Man", "James Bond – Der Morgen stirbt nie" oder natürlich in vielen Filmen von Fatih Akin darf Hamburg die Stadt sein, die sie ist. Bei anderen Drehs wiederum schlüpft sie in die Rolle von anderen Orten. Berlin, London und New York – all diese Metropolen hat unser Hamburg schon verkörpert. Wir stellen euch sechs Filme vor, in denen die Stadt quasi ihren Cameo-Auftritt hat. Einige Werke kannten wir bereits, von anderen haben wir erst beim Besuch der absolut sehenswerten Ausstellung "Close-up. Hamburger Film- und Kinogeschichten" im Altonaer Museum erfahren. Diese könnt ihr noch bis zum 18. Juli 2022 besichtigen.

Lisbeth Salander in Hamburg: Verschwörung (2018)

Verblendung, Verdammnis, Verschwörung … nehmt es uns nicht übel, wenn wir als Stieg-Larsson-Laien nicht die korrekte Reihenfolge und Handlung der Millenium-Trilogie(n) um den Journalisten Michael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander zusammenkriegen. Was wir aber wissen: Bei der Verfilmung des Romans "Verschwörung" verschlug es die Crew für drei Drehtage nach Hamburg. Denn die passende Brücke für eine zentrale Action-Szene fanden die Location-Scouts nicht im Spielort Schweden, sondern in der Hansestadt. Auf der markanten Kattwykbrücke trifft die Protagonistin Lisbeth Salander (Claire Foy) auf ihre Widersacherin, die eigene Schwester. Und die blau-gelben Pfeiler der Brücke haben ja allein schon etwas Schwedisches an sich.

Elbe oder Hudson River? A Cure for Wellness (2017)

Wellnessresorts versprechen Entspannung und Erholung, doch nach diesem Film überlegt ihr vielleicht zweimal, ob euer nächster Urlaub dorthin gehen soll. In Gore Verbinskis Mystery-Thriller "A Cure for Wellness" soll ein in Schwierigkeiten geratener Wall-Street-Börsenmakler (Dane DeHaan) den CEO seiner Firma aus einem entlegenen Resort in den Schweizer Alpen zurück nach New York holen. Doch aus der Anstalt gibt es so schnell kein Entkommen … Als Kulisse für das Sanatorium dienten die Beelitzer Heilstätten in Brandenburg und die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg, aber auch in Hamburg drehte die Filmcrew einige Tage. Im September 2015 wurde die Freihafenelbbrücke für eine Szene, die in New York spielen soll, kurzerhand nach Big Apple versetzt. Elbe oder Hudson River – merkt ihr den Unterschied?

Hamburg after dark: Only Lovers Left Alive (2013)

Da war was los in Ottensen, als Jim Jarmusch, der Liebling des Independent-Kinos 2012 für Dreharbeiten nach Hamburg kam. Ausgerechnet den Nachtclub KIR soll der Regisseur unter mehr als 30 Location-Vorschlägen für seinen Film "Only Lovers Left Alive", eine moderne Vampir-Love-Story, als Setting ausgewählt haben. Mit seiner langen schwarzen Theke und Goth- und Dark-Wave-Partyreihen wie "Creatures of the Night" passt das KIR aber auch perfekt in die Szene, in der die drei Vampire Adam (Tom Hiddleston), Eve (Tilda Swinton) und Ava (Mia Wasikowska) ein Rock-Konzert besuchen. Nur dass der Gig eigentlich in Detroit über die Bühne gehen soll, wo das Drama – neben dem marokkanischen Tanger – zu großen Teilen spielt. Das KIR findet ihr mittlerweile nicht mehr in der Barnerstraße, sondern in Stellingen – der schwarze Tresen ist aber geblieben.

Ein FBI-Agent in der Hansestadt: Jerry-Cotton-Verfilmungen (1965)

Die Jerry-Cotton-Hefte kennt ihr sicher noch aus Kiosken und Zeitschriftenläden. Bis Ende 2019 sind mehr als 3.000 Teile der Kult-Reihe von Schöpfer Delfried Kaufmann erschienen. "G-man Jerry Cotton" gilt damit als die erfolgreichste Kriminalroman-Serie im deutschsprachigen Raum. Natürlich musste auch eine Verfilmung der Fälle des New Yorker FBI-Agenten Jerry Cotton her! In den 1960er-Jahren entstanden in Deutschland acht Teile mit dem amerikanischen Schauspieler George Nader in der Hauptrolle, der sich durch ein New York schlägt, das in Wahrheit häufiger Hamburg war. Die Kunsthalle mimt das FBI-Hauptquartier im ersten Film "Schüsse aus dem Geigenkasten" (1965) und das Jenisch-Haus dient als Bankiersvilla in "Der Mörderclub von Brooklyn" (1967). In diesem Teil haben außerdem das Finnland- und das Burmah-Hochhaus (auch BAT-Haus) auf der Esplanade einen Auftritt. Der Film "Mordnacht in Manhattan" (1965) wurde dagegen unweit der Landungsbrücken zwischen Hafentor und Stintfang gedreht.

London Calling: Edgar-Wallace-Filme (1961)

Das Werk des englischen Schriftstellers Edgar Wallace umfasst sage und schreibe 175 (!) Bücher. Viele seiner Kriminalromane wurden auch verfilmt, oft war Deutschland dabei das Produktionsland. So ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass die Dreharbeiten häufiger in Hamburg stattfanden. Die Elbe wurde in "Die toten Augen von London" (1961) zur Themse, genau genommen: die Stelle am Fleetschlösschen in der Speicherstadt. Auch die Gottesbuden Ahrensburg hatten ihren Auftritt, die Innenaufnahmen entstanden dagegen im Realfilm-Studio in Wandsbek. In "Der Fälscher von London" (1961) kehrt ein Filmteam in die Speicherstadt zurück, aber auch die prachtvolle Säulenvilla an der Elbchaussee wird zum Drehort.

Gebäude machen Städte: Der Hauptmann von Köpenick (1956)

Kleider machen Leute – und Gebäude machen Städte. Das beweist die Oscar-nominierte Verfilmung von Carl Zuckmayers Stück "Der Hauptmann von Köpenick" mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Ihm gelingt es als entlassener Sträfling mit einer gebraucht gekauften Hauptmannsuniform alle an der Nase herumzuführen. Der Film konnte nicht an Originalschauplätzen in Berlin gedreht werden und so sprang Hamburg als Hauptstadt ein. Die wenigen Außenaufnahmen im Film wurden hier im März und April 1956 gedreht. Das Köpenicker Rathaus ist in Wahrheit das ehemalige Finanzamt beim Schlump 83 (heute: Institut für die Geschichte der deutschen Juden) und die Fassade vom Rathaus Altona diente als Bahnhof. Die Produktion lag bei der Real-Film GmbH, die wir heute noch als Studio Hamburg kennen.

Es geht weiter mit Drehorten in Hamburg

Meistens soll die Stadt Hamburg im Film aber einfach sie selbst sein. Diese Drehorte in Hamburg haben schon häufiger als beliebte Kulisse gedient.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

Quellen zum Text: