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Luftbild Billwerder Billdeich von oben
Michael Zapf
Hamburg

Die Bille: 5 Fakten über Hamburgs unterschätzten Fluss

Sirany Schümann
Sirany Schümann

Zwischen der stürmischen Elbe und der mondänen Alster gerät sie manchmal in Vergessenheit: die Bille, die Dritte im Bunde der Hamburger Flüsse. Dabei lohnt sich eine Tour entlang ihrer abwechslungsreichen Ufer allemal. Unsere fünf Fakten über die Bille werden euch davon überzeugen. Als hilfreiche Recherchequelle diente uns dabei das Buch "Die Bille. Was sonst" von Jan Peter Gehrckens und Michael Zapf.

Die Quelle der Bille entspringt bei einer Burgruine

Obwohl die Bille auf ihren insgesamt 65 Kilometern ein gutes Stück durch Hamburg fließt, bewegt sich der Fluss größtenteils – nämlich über 42 Kilometer – auf schleswig-holsteinischem Boden. Auch ihre Quelle entspringt im nördlicheren Bundesland – und zwar im kleinen Örtchen Linau im Herzogtum Lauenburg. Hier ist die Bille noch ein unaufgeregtes Rinnsal, das ohne den Stein, der auf ihren Ursprung hinweist, leicht übersehen werden könnte. Ein wenig stehlen ihr auch die Ruinen die Schau: Reste der Burg Linau. Die Billequelle stand zwar mit dem Burggraben in Verbindung, um ihn zu speisen, war sie jedoch nicht groß genug. Stattdessen versorgt sie heute das Moor rund um Linau mit Wasser und gluckert fröhlich-gelassen unter Rotbuchen vor sich hin.

Burgruine an der Billequelle in Linau
Michael Zapf

Die Obere Bille ist ein Naturparadies

Die Bille lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen: Obere, Mittlere und Untere Bille. Das erste Stück ist definitiv der malerischste Teil und zieht sich von der Quelle in Linau bis nach Bergedorf. Dabei passiert die Bille unter anderem Aumühle, Reinbek und natürlich den Sachsenwald. Im westlichen Teil von Letzterem befindet sich das unter Naturschutz stehende Billetal zwischen Grander Mühle und Reinbeker Mühlenteich. Auf rund 176 Hektar könnt ihr eine reiche Tier- und Pflanzenwelt entdecken, zum Beispiel sind hier Eisvögel, Flussmuscheln und Bachforellen zuhause. Besonders idyllisch geht es an der Wassermühle bei Grande zu. Kopfsteinpflaster, eine wilde Uferlandschaft und altes Fachwerk haben Postkartenmotiv-Potenzial. Dazu kommt das Rauschen des Wassers, das vor allem an sonnigen Tagen etwas Meditatives hat.

Grander Mühle an der Bille
Michael Zapf

In Bergedorf verschwindet die Bille … und taucht wieder auf

Und auf einmal ist er wie vom Erdboden verschluckt … Dass ein Fluss einfach verschwindet, kommt eher selten vor, im Fall der Bille trifft das aber in Bergedorf zu. Unterhalb des Bergedorfer Schlosses fließt das Gewässer in den Bergedorfer Hafen, den sogenannten Serrahn, danach verliert sich seine Spur vorerst zwischen Schleusengraben und Dove-Elbe. Doch an der Kreuzung Sander Damm und Bergedorfer Straße, nahe dem S-Bahnhof Bergedorf, entspringt aus einem unscheinbaren Regenwassersiel wieder ein Rinnsal – und meldet sich als Mittlere Bille zurück. Diese nimmt auf ihrem weiteren Weg mehrere kleinere Bäche auf und schlängelt sich in Richtung Boberger Niederung, wo Dünen, Heide- und Moorlandschaft das Bild prägen.

Boberger Niederung
Michael Zapf

Bunte Brücken queren den Lauf der Unteren Bille

Ab der Autobahn A1 übernimmt dann die Untere Bille und umfließt die Stadtteile Billbrook, Hammerbrook und Rothenburgsort. Das Landschaftsbild wird hier urbaner und moderner. Dafür sorgen allein schon die sechs farbenfrohen Brücken, welche die Bille in diesem Abschnitt queren. Ganz simpel sind sie nach den Farben ihrer Geländer benannt: Schwarze, Braune, Gelbe, Blaue, Grüne und Rote Brücke. Sie sollten den Menschen in den Arbeiterquartieren, die dort ab 1850 in dem Gewerbe- und Industriegebiet entstanden, als Orientierung dienen. Auf einem der von der Unteren Bille abgehenden Kanäle findet ihr noch eine Besonderheit. Der Mittelkanal hat einen McBoat-Anleger. Vom Wasser aus könnt ihr per App bei der Fastfood-Kette mit dem goldenen "M" bestellen, anschließend wird euch euer Essen zum Anleger gebracht. Man mag von Junkfood halten, was man will, aber die Idee finden wir ziemlich genial und einmalig.

Boot auf der Unteren Bille
Michael Zapf

Die Bille umfließt eine grüne Oase

So nah und doch so unbekannt: In der Bille befindet sich auch ein kleines Eiland. Sanft fügt sich die Billerhuder Insel mitten in Hamburg-Rothenburgsort in eine Kurve zwischen Bille und Bullenhuser Kanal ein. 1907 wurde die 38 Hektar große Insel in Hamburg künstlich angelegt, auf der heute gut 581 Kleingartenparzellen der Gartenkolonie Billerhude von 1921 Platz finden. Etwa 60 Familien leben sogar dauerhaft hier. Wer eines der 80 begehrten Ufergrundstücke ergattert hat, gibt es so schnell nicht wieder her. Die Jahrespacht inklusive Vereinsbeitrag ist mit 300 bis 350 Euro schließlich erschwinglich – und die Warteliste für eine Parzelle dementsprechend lang. Der Kleingarten Eden macht aber auch vom Wasser aus eine gute Figur: Boote in allen möglichen Formen und Größen, frisch gestutztes Grün und bunte Holzhäuschen sind einfach schön anzuschauen.

Fahrt der Bergedorfer Schifffahrtslinie von Bergedorf über Billhuder Insel
Michael Zapf

Noch mehr Insider-Wissen zu Hamburgs unterschätztem Fluss gibts im Buch "Die Bille. Was sonst"

Ihr seid jetzt schwer fasziniert von der Bille und möchtet noch mehr über den Fluss erfahren? Dann werft doch mal einen Blick in das eingangs erwähnte Buch "Die Bille. Was sonst" von Jan Peter Gehrckens und Michael Zapf (18 Euro), das im Ellert & Richter Verlag erschienen ist. Autor und Fotograf nehmen euch auf 216 Seiten mit auf lebendige Uferstreifzüge, zeigen euch die schönsten Ecken am Flusslauf und geben Tipps für wundervolle Wanderungen und Radtouren.

Buchcover Die Bille was sonst
Ellert & Richter Verlag

Doch eher Team Alster?

Dann kommen hier prächtige Alstervillen inklusive der Infos, was sich hinter ihren Mauern verbirgt. 

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.