Direkt zum Inhalt
Axel Strehlitz im Interview
Petra Roitsch
St. Pauli

St. Pauli liebt... Axel Strehlitz: Vom Student zur Kiezgröße

Klubhaus, Sommersalon, Wunderbar, Panik City, Das Dorf: Axel Strehlitz hat an fast zehn Unternehmen in Hamburg Anteile. Aus St. Pauli ist er nicht wegzudenken. Dabei wollte er eigentlich Anwalt werden.


Eigentlich könnte man ihn als Kiezgröße bezeichnen, aber Axel – schlank, gutaussehend, lässige Kleidung – passt so gar nicht ins Klischee. Er ist herzlich, ohne laut zu sein, angenehm bodenständig und nimmt sein Gegenüber mit seinem warmen, fast schon schüchternen Lächeln sofort für sich ein. Neben wahnwitzig vielen Zufällen und der Fähigkeit, oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, muss es auch dieses Lächeln sein, das ihn dahin gebracht hat, wo er heute ist.

Axel Strehlitz

Axel wollte schon als Kind nach Hamburg

Aber von vorn: Axel wuchs in Lehrte bei Hannover auf, wollte aber immer nach Hamburg – schon als Kind. Schuld daran war ein Schlüsselerlebnis: Mit seinen Eltern war er zum Stadtbummel in die Hansestadt gefahren. Und dann war da dieses Paar, zwei Männer, die vor einem Schaufenster standen und Händchen hielten. „Das hat mich getroffen wie ein Blitz“, erinnert sich Axel. „Das Bild kann ich einfach nicht vergessen. Da habe ich gedacht: Hier gehen Sachen, die woanders nicht gehen. Und dabei wusste ich damals noch gar nicht, dass ich schwul bin.“Der Blick auf den Hafen macht mich immer glücklichEr zog nach Göttingen, studierte vier Semester Jura und zog dann mit seiner besten Freundin Claudia nach Hamburg. "Mittlerweile bin ich ein richtiger Lokalpatriot. Wenn jemand etwas Schlechtes über Hamburg sagt, fühl ich mich direkt angegriffen“, erzählt Axel und lacht. Hat er einen Lieblingsplatz in der Stadt? „In meiner Pause mache ich mit meiner Hündin Holly immer einen Spaziergang vom Hamburger Berg zum Bernhard-Nocht-Institut, zu den Landungsbrücken und wieder zurück. Der Blick auf den Hafen macht mich immer glücklich.“ Aber auch unser neuester Stadtteil, die HafenCity, hat es ihm angetan: „Hier ändert sich gefühlt im Vier-Wochen-Rhythmus etwas. Das Astor Kino zum Beispiel ist für mich ein totaler Gewinn.“

So wurde aus dem Jura-Student ein Unternehmer

Neben dem Jura-Studium jobbte Axel damals im Schmidt Theater an der Bar. Hier lernte er den Besitzer Corny Littmann kennen. Der fragte ihn, ob er in seiner neuesten Bar, der Wunderbar, aushelfen wolle. Er wollte – und arbeitete so engagiert, dass Corny ihn schließlich an der Bar beteiligte. Das war der Punkt, an dem Axels Leben so richtig Fahrt aufnahm. "Währenddessen begann ich, mehr und mehr mit dem Jurastudium zu hadern", erzählt er.

Dann passierte der zweite Zufall: Eine der Stammkundinnen erkannte Axels Potenzial und schlug ihm vor, ein Praktikum bei ihrem Arbeitgeber, Spiegel TV, zu machen. "Ich ging aus reiner Neugier und ohne große Ambitionen zum Vorstellungsgespräch", sagt er. Kam, sah, siegte. Nach dem Praktikum stieg er als Redakteur ein. Das Jurastudium hing er kurz vor seinem Abschluss an den Nagel.

Ein Zufall jagte den nächsten

Vom Hausmeister erfuhr er, dass das Klubhaus auf St. Pauli abgerissen werden sollte. Ein neues, zum Stadtteil passendes Gebäude sollte her. Dafür gab es eine Ausschreibung. Axel und seine Mitstreiter hatten viele Ideen und nahmen spontan daran teil. Ihr Konzept bekam den Zuschlag und Axel wurde neben seinen vier Partnern Geschäftsführer. Heute ist das Klubhaus mit seiner multimedialen Fassade das auffälligste Gebäude am Spielbudenplatz. Auf dem Weg dorthin eröffnete Axel quasi nebenbei den Sommersalon, den Hörsaal und außerdem gemeinsam mit seinem damaligen Partner das Restaurant Das Dorf in der Langen Reihe.

Die Panik City: Axels jüngstes Projekt

Ganz besonders stolz ist Axel auf sein neuestes Projekt: die Panik City, eine multimediale Erlebnistour durch Udo Lindenbergs Leben. "Eigentlich hatte ich alle Hände voll zu tun mit der Eröffnung des Clubhauses, aber Udo Lindenberg zu sagen, 'sorry, ich hab gerade keine Zeit', das ging ja irgendwie auch nicht." Also machte er sich zusammen mit Corny und Udo an die Planung der Panik City, die mit ihrem Konzept aus Multimedia und Virtual Reality so gar nichts gemein hat mit einem normalen Museum. Im ersten Jahr kamen 40.000 Besucher – ein großer Erfolg. "Ich war eigentlich nie ein Fan von Udos Musik, aber immer schon ein großer Fan seiner Persönlichkeit", erzählt Axel.

Jetzt fehlt nur noch die große Liebe

Ohne es wirklich zu wollen, ist Axel zu einer prägenden Persönlichkeit für den Stadtteil St. Pauli geworden. Wir wissen nicht, wie es euch geht, aber wir sehen die Wunderbar, den Sommersalon und das Klubhaus St. Pauli ab jetzt mit anderen Augen. Und Axel? Der hat eigentlich nur noch einen Wunsch: „einen neuen Partner an meiner Seite.“ Wir wünschen ihm das von Herzen und haben auf einmal wieder das Bild des Paares vor Augen, das Händchen haltend vor einem Schaufenster in Hamburg steht...

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

Mehr lesen über