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Männer spielen Schach auf Mülleimer
Unsplash / Robert Katzki
Hamburg

Die Marotten der anderen: 5 Stadtteile und ihre Eigenheiten

Wenn man sich in Hamburgs Stadtteilen mal genauer umschaut, fällt einem so manche seltsame Eigenart unter den Bewohnern auf. Wir haben fünf Viertel und ihre Marotten genauer unter die Lupe genommen.


Ottensen: Krieg der Zettel und Aufkleber

Ottensen wird von seinen Bewohnern gerne auch liebevoll "das Dorf" genannt. Das klingt friedlich. Hier lassen Familien ihre Kuscheltiere, Klamotten und Sandkastenschaufeln auf dem Spielplatz liegen, weil sie wissen, dass die Sachen nicht wegkommen. An den Wochenenden werden an allen Ecken und Enden großzügig Kisten mit der Aufschrift "Zu verschenken" auf die Straßen gestellt. Alles könnte so schön sein … wäre da nicht die ewige Feindschaft zwischen Fußgängern und Radfahrern auf der einen Seite und Autofahrern auf der anderen.

Dieses Gegeneinander kennen wir auch aus anderen Stadtteilen, in Ottensen artet es aber in einen Kleinkrieg der Zettel und Aufkleber aus, den wir nirgendwo sonst in Hamburg bislang beobachten konnten. Sogar uns als leidenschaftliche Spazierende und Radfahrende überrascht es, wie viele selbst ernannte Hilfssheriffs mit einem Block "Scheiße geparkt"-Zettel in der Tasche im Viertel herumspazieren. Einmal kurz das Auto nicht ganz korrekt abgestellt, um zu entladen, oder entgegen der Fahrtrichtung geparkt und – zack – klebt schon ein handgeschriebener Hinweis oder ein vorgedruckter Sticker an der Windschutzscheibe. Na ja, aber immerhin besser als ein Knöllchen, oder?

Groß Flottbek: Die Sache mit der Waitzstraße

Mittlerweile sorgt die Waitzstraße in Groß Flottbek nicht nur in ganz Hamburg wahlweise für ungläubiges Kopfschütteln oder Belustigung, sondern in ganz Deutschland. "Die gefährlichste Einkaufsstraße Deutschlands" titelte etwa schon die Süddeutsche Zeitung darüber. Bereits mehr als 20 Mal krachte es hier im Laufe der Jahre, wenn meist ältere Menschen die Kontrolle über ihr Auto verloren und in die Schaufenster oder Fassaden von Geschäften hineinfuhren. Um die Läden besser zu schützen, wurden 2020 neue Poller eingesetzt, aber auch danach kam es zu Unfällen.

Schauen wir uns die Waitzstraße auf Bildern an – verkehrsberuhigte Zone, überschaubar und beschaulich –, können wir uns beim besten Willen nicht erklären, warum solche Crashs in so einer Häufigkeit vorkommen. Die Behörden geben als mögliche Gründe das örtliche Klientel, eine hohe Dichte von Arztpraxen, überdimensionierte Autos und individuelles Fehlverhalten der Fahrenden an. Oder ist die Waitzstraße doch ein Fall für "X-Factor: Das Unfassbare"?

Eppendorf: Menschen, die auf Brücken stehen

Das scheint ein Trend zu sein! Besonders an den Abenden haben wir seit Corona beobachten können, wie sich vergnügungssüchtige und Vitamin-D-hungrige Eppendorfer auf Brücken versammeln. Mit kühlen Drinks in der Hand und der Sonnenbrille auf der Nase stehen sie lässig ans Brückengeländer gelehnt und atmen beim Socializing aka sehen und gesehen werden gierig die letzten Strahlen ein, bevor die Sonne untergeht. Vor allem an den Wochenenden ist es manchmal schon schwierig, unter Einhaltung der AHA-Regeln noch ein freies Fleckchen auf Eppendorfer Brücke, Isebrücke und Co. zu finden.

Sind Brücken also die neuen Bars der Corona-Zeit? Wir finden, in Eppendorf und benachbarten Stadtteilen wie Hoheluft trifft das durchaus zu. Schaut man sich dagegen an Orten wie der Speicherstadt – immerhin ein Ballungszentrum an Brücken – um, liegt dort der Hund begraben. Aber da wohnt ja auch (fast) niemand.

Dulsberg: Campieren am Kanal

In Dulsberg haben die Bewohner dagegen eine bequemere Variante für sich entdeckt. Bei schönem Wetter werden alle möglichen Sitzgelegenheiten einfach von drinnen nach draußen in den Park am Osterbekkanal verfrachtet. Campingstühle und -tische sind dabei besonders beliebt, weil schnell und leicht zu transportieren. Aber bei einem Sofa hört der Spaß dann doch auf, liebe Dulsberger. Doch egal, worauf sie am Ende sitzen: Wir müssen gestehen, dass es ziemlich lässig und entspannt aussieht, wenn die Bewohner des Stadtteils mit Dosenbier bei einer Partie Schach am Kanal zusammenkommen.

Eimsbüttel: Die menschliche Schlange

Schlange stehen müssen wir in Hamburg – insbesondere seit der Pandemie – an vielen Orten: vor der Postfiliale an der Kaltenkirchener Straße, am Geldautomaten, vorm Restaurant und im Sommer vor jeder Eisdiele – immer. Manchmal sind wir positiv überrascht, weil wir einen guten Zeitpunkt abgepasst haben und es schneller als erwartet vorangeht. Die konstanteste Schlange von ganz Hamburg findet man aber wohl in Eimsbüttel vor der Kleinen Konditorei. Am Wochenende zur späteren Morgenstunde "nur mal schnell die Brötchen holen"? No way! Aber das spricht schließlich für die ausgezeichnete Qualität der Bäckerei. Denn gefühlt kauft ganz Eimsbüttel seine Backwaren nur dort und nimmt dafür auch Wartezeiten in Kauf. Sogar jedes verdammte Wochenende. Aber vielleicht können Morgenmuffel, die nicht in Eimsbüttel wohnen und die Kleine Kondi nicht vor der Tür haben, das einfach nicht nachvollziehen.

Von Eigenarten zu Musik: Diese Songs verstehen nur echte Hamburger

Hamburgs Stadtteile haben nicht nur ihre Eigenheiten, sondern lassen sich auch prima in Lieder oder Textzeilen verpacken. Diese Songtitel verstehen nur echte Hamburger.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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