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Unsplash / Flo Karr
Hamburg

10 Radfahrtypen, die ihr auf Hamburgs Straßen trefft

Beim Radfahren ist es nicht anders als im Auto: Wir sind nicht allein auf der Straße, sondern müssen sie uns mit ganz unterschiedlichen Zeitgenossen teilen. Wir haben da ein paar Spezies ausgemacht, die uns besonders oft begegnen – eine Typologie der Radfahrer in Hamburg.


Die Träumer

Blumenketten schmücken die Fahrradlenker der Träumer. Völlig mit sich und der Welt im Reinen und Kopfhörern im Ohr radeln sie in Richtung Stadtpark oder Wohlers Park, die Rattan-Fahrradkörbe gefüllt mit Picknickproviant, Slackline und der Decke aus dem letzten Südostasien-Urlaub. "Sind die betrunken?", fragt ihr euch, weil diese Traumtänzer genau in der Mitte des Radweges in Schlangenlinien über die Fahrbahn gleiten. Dabei bewegen sie sich einfach nur zum Rhythmus der Musik in ihren Ohren, die sie leise (oder auch mal lauter) mitsummen. Währenddessen fahrt ihr seit zehn Minuten hinter ihnen und versucht zu überholen … kriegen sie natürlich nicht mit.
Typischer Satz: "Huch, ich hab dich gar nicht bemerkt."
Ihr denkt: Die Klingel hätte selbst ein Schwerhöriger gehört.

Die Gesetzlosen

Wenn man die Gesetzlosen so beobachtet, könnte man meinen, die Straßenverkehrsordnung sei nicht existent. Eine rote Ampel hält sie bei ihrem rasanten Ritt genauso wenig auf wie andere Radfahrer, die in riskanten Manövern überholt werden. Gerne jagen die Gesetzlosen ihre Räder auch mal auf der falschen Straßenseite entlang und kommen euch als Geisterfahrer in der Dämmerung entgegen – natürlich ohne Licht. Dass sie sich und andere dabei gefährden, scheint sie nicht zu interessieren. Bis Pegasus, Gazelle oder Steppenwolf sie doch mal abwerfen.
Typischer Satz: "Die Ampel war aber noch dunkelgelb."

Ihr denkt: Wir sind hier doch nicht im Wilden Westen!

Die Elterntaxis

Wie kleine Karawanen bewegen sich manchmal die Elterntaxis durch kinderreiche Stadtteile wie Ottensen oder Eimsbüttel. Vorne auf dem Fahrrad strampeln sich Mama oder Papa ab, hinten im Thule-Anhänger sitzen Jonte, Greta oder Atticus. Vielleicht auch alle drei zusammen oder noch mehr. Man weiß ja nie so genau, wie viele Kinder in solch ein Gefährt reinpassen … Während die Kleinen im Wagen quengeln, quietschen oder schreien, wünscht sich das genervte Elternteil vielleicht, es würde einfach nur eine Kiste Bier im Anhänger transportieren.
Typischer Satz: "Jetzt sitz bitte still, Henry, wir sind gleich da."

Ihr denkt: Ich möchte gerade nicht mit euch tauschen.

Die Styler

Lässig sehen sie ja schon aus, diese Styler, wie sie mit ihren Vintage-Rennrädern und Fixies durch die Schanze und St. Pauli brettern. Dabei dürfen die passenden modischen Accessoires nicht fehlen. Sonnenbrille, Basecap und Tennissocken tragen schließlich zum Coolness-Faktor bei. Generell gilt: Style über Pragmatismus, sodass zum Radfahren schon mal die weite Culotte-Hose oder das wallende Kleid angezogen wird, obwohl sich die Kleidung schnell in Kette oder Speichen verfangen kann. Tricky wird es vor allem, wenn Kopfsteinpflaster ins Spiel kommt. Denn die dünnen Reifen über die holprige Fahrbahn zu lenken und dabei noch das Outfit zusammenzuhalten, erfordert höchste Konzentration.
Typischer Satz: "Ich fahr mal kurz zur Tabakbörse."

Ihr denkt: Tut euch bei dem Sattel nicht der Hintern weh?

Die E-Biker

Die E-Biker haben es nicht leicht. Sie werden von niemandem so richtig ernst genommen. Außer von anderen E-Bike- und Pedelec-Fahrern. Vielleicht ist es aber auch nur der blanke Neid, der den nicht-motorisierten Radfahrern aus der Seele spricht, wenn sie einen E-Biker mühelos an sich vorbeiziehen sehen, während sie selbst sich keuchend einen Berg hinaufquälen. Denn auch in Hamburg gibt es Steigungen. Zum Beispiel stadtauswärts auf der Willy-Brandt-und Ludwig-Erhard-Straße gen St. Pauli, auf der Helgoländer Allee oder dem Pepermölenbek sind Elektrofahrräder klar im Vorteil. Der E-Bike-Fahrer verschwindet in der Ferne, zurück bleibt aber ein kleiner Trost: dass man selbst zumindest mehr Kalorien verbrennt.
Typischer Satz: "Ciao Kakao!"
Ihr denkt: Kann … nicht … mehr …

Die Geselligen

Gemeinsames Radfahren kann Spaß machen, zum Beispiel bei der Critical Mass. In der Regel lässt es der Stadtverkehr aber nicht zu, dass man großzügig zu zweit oder gar in der Gruppe nebeneinander fährt. Dafür sind Straßen und Radwege viel zu schmal. Juckt die Geselligen aber nicht. Während sich hinter ihnen schon der Verkehr staut, radeln die Plaudertauschen seelenruhig nebeneinander und tauschen sich über Themen von Tinder bis Aristoteles aus. Fehlt nur noch, dass sie die Kaffeekanne und Kuchenplatte auspacken. Ihr Gespräch unterbrechen sie nur, um euch vorwurfsvoll anzugucken, als ihr ungeduldig klingelt und an ihnen vorbeifahrt.
Typischer Satz: "Hast du schon gehört …"

Ihr denkt: Geht doch lieber Kaffee trinken!

Die Kolonne-Fahrer

Wie ein Rudel Wölfe haben sich die Kolonne-Fahrer zusammengetan, um dem Autoverkehr zu trotzen. Bevorzugt trefft ihr sie auf Landstraßen außerhalb der Stadt an. Beliebtes Revier: die Vier- und Marschlande, wo sie zum Beispiel entlang des Deiches einen Platz auf der Fahrbahn beanspruchen, der mindestens genauso groß ist wie ihr Ego. Am Kaltehofe-Hauptdeich fahren zwar keine Autos, dafür lehren die Kampfradler dort andere Radfahrer das Fürchten. Wenn sie trainieren, scheuchen sie Sonntagsausflügler und langsame Fahrer gnadenlos aus dem Weg. Radwege im Innenstadtbereich meiden die Kolonne-Fahrer dagegen und radeln lieber auf der Straße. Dabei sehen sie mit im Profi-Trikot und engen Radlerhosen doch gar nicht aus wie ein Auto.
Typischer Satz: "Aus dem Weg!"

Ihr denkt: Nur weil dein Fahrrad rot ist, bist du noch lange kein Ferrari.

Die Gemütlichen

Diesen Typ Radfahrer erkennt ihr oft schon am Gefährt. Die Gemütlichen lieben bequeme Hollandräder oder Citybikes, mit denen sie durch den Stadtverkehr tuckern. Weil ihre Räder so groß und schwer sind, fahren sie besonders vorausschauend. Sobald es bergab geht, wird schon die Bremse betätigt. Und vor einer Ampel halten sie lieber zu früh an, noch bevor die Anzeige von Grün auf Gelb gesprungen ist. Sicherheit finden wir gut, nur eine Sache können wir nicht verstehen: Warum stellen sich die Gemütlichen an jeder roten Ampel doch wieder vor einen, wenn man sie schon mehrere Male überholt hat und es auch wieder tun wird?
Typischer Satz: "Better safe than sorry."

Ihr denkt: Stellt euch hinten an!

Die Autohasser

Die Autohasser haben sich auf Pkw, Lkw und Co. eingeschossen. Egal, was passiert: Schuld sind immer die Motorisierten! Mit dieser chronisch-aggressiven Grundeinstellung setzen sich die Hater auf ihr Fahrrad – bevorzugt ein Mountainbike, das möglichst gefährlich aussehen soll, um den bösen Autofahrern Angst einzujagen. Um das Bedrohliche noch zu verstärken, haben die Autohasser sich ein paar Gesten angeeignet. Dazu gehören Fäuste schütteln, Mittelfinger benutzen, gegen Scheiben klopfen, den Weg blockieren und anschreien. Dass das alles kontraproduktiv ist und Gegenreaktionen provoziert, möchten die Autohasser aber nicht hören.
Typischer Satz: "Du A****loch!"

Ihr denkt: Selber!

Die Verpeilten

Die Verpeilten haben eigentlich ein Fahrrad (günstig vom Flohmarkt). Glauben sie zumindest. Sie können sich nur nicht mehr erinnern, wo es nach einer langen Nacht abgeblieben ist. Wurde es geklaut? Hat es sich jemand ausgeliehen? Haben sie es nur irgendwo falsch abgestellt? Und ist es überhaupt angeschlossen? So ist es ihnen mit den zwei bis drei anderen Fahrrädern davor auch schon ergangen. Tipp: Macht mit ihnen einfach mal einen Spaziergang um den Block, dann taucht eins der vermissten Bikes manchmal wie von selbst wieder auf.
Typischer Satz: "Ey Mann, wo ist mein Fahrrad?"

Ihr denkt: Ein Peilsender könnte helfen.

Nicht abschrecken lassen: Fahrradverleihe in Hamburg

Und, habt ihr euch in einem der zehn Radfahrtypen wiedererkannt? Oder wollt ihr gerade erst umsteigen und habt noch kein eigenes Rad? Dann wollen wir euch diese Fahrradverleihe in Hamburg empfehlen. Mit den geliehenen Bikes könnt ihr anschließend die Umgebung erkunden – schaut dafür doch mal bei unseren schönsten Fahrradtouren Hamburgs.

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