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Ecco Verlag
Bettina-Theuerkauf

Marke Hamburg: Beim "Ecco"-Verlag kommen Frauen zu Wort

Hamburg ist eine Stadt der Visionen, Innovationen und der Kreativität. Das beweist auch der Ecco-Verlag. kiekmo hat mit zwei der Gründerinnen gesprochen.


Fünf Hamburgerinnen revolutionieren Verlagswelt: Unter dem Dach der Verlagsgruppe HarperCollins haben sie Ecco gegründet. Unter dem Credo "Was wir lesen wollen" werden sowohl deutsche als auch international etablierte Stimmen der Belletristik verlegt. Das Besondere: Hier arbeiten ausschließlich Frauen für und mit anderen Frauen. Zum fünfzigjährigen Jubiläum der Ecco Press hat der Hamburger Frauenverlag im Frühjahr 2021 sein erstes Programm veröffentlicht. kiekmo hat mit Tabea Worthmann und Laura Hage gesprochen.

Liebe Frau Hage und liebe Frau Worthmann, welche Positionen haben Sie im Ecco-Verlag und wie sind Sie zu dem gekommen, was Sie heute tun?

Tabea Worthmann: Ich arbeite im Vertrieb - das heißt, ich bin die Schnittstelle zwischen Verlag und Buchhandel. In einer Buchhandlung habe ich tatsächlich auch meine Ausbildung gemacht, bevor ich 2016 auf die andere Seite der Branche, also in einen Verlag gewechselt bin. Damals zu Hoffmann und Campe. Das würde ich auch als einen Wendepunkt in meinem Leben beschreiben, denn ich habe nicht nur meinen Lebensmittelpunkt nach Hamburg verlegt, sondern auch den Beruf gefunden, der mich immer noch und immer wieder begeistert. Vorher habe ich auf Buchmessen immer die Menschen bewundert, die in Verlagen arbeiten, und mich gefragt, wer die wohl sind, und was sie genau machen. Ein Vorbild habe ich nicht, aber ich finde es super inspirierend, wie viele tolle Frauen in der Buchbranche arbeiten! Deshalb könnte ich auch nicht glücklicher sein über unsere Konstellation aus fünf Frauen, die gleichberechtigt an Ecco arbeiten.

Laura Hage: Ich leite die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Meine Aufgabe ist es also, dafür zu sorgen, dass unsere Autorinnen und Autoren eine bestmögliche Präsenz in den Medien und auf den Veranstaltungsbühnen bekommen. Dass ich Pressearbeit für Bücher und Autoren wie Autorinnen machen möchte, war mir schon sehr früh klar. Daher verlief mein Weg bis hierher tatsächlich auch recht gradlinig und klassisch: angefangen habe ich mit einem Verlagsvolontariat in der Presseabteilung der Ullstein Buchverlage, war danach 6 Jahre bei Hoffmann und Campe tätig bis ich zu HarperCollins wechselte. 

Um das Portfolio der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland noch auszubauen und neben den Segmenten Unterhaltung, Sachbuch und Kinderbuch auch die Literatur zu etablieren, wurde der Literaturverlag Ecco im letzten Jahr gegründet. Wir sind an den Start gegangen, um ausschließlich weibliche Autorinnen zu verlegen, da uns die weibliche Sicht auf die Dinge und auf die Welt interessiert, in der wir leben. Wir suchen für den Ecco Verlag die Bücher, die wir selbst lesen wollen und in unseren Bücherregalen vermissen – ganz getreu unseres Mottos "Was wir lesen wollen". Das können ganz unterschiedliche Themen sein, aber sie müssen uns berühren; unsere Autorinnen schreiben darüber, wie wir leben und was wir wollen.

Was treibt Sie in Ihrem Schaffen an und was macht Ihnen besonders viel Spaß an Ihrer Arbeit?

Laura Hage: Mit dem Ecco Verlag setzen wir uns dafür ein, dass Autorinnen eine Bühne bekommen. Durch die Fokussierung allein auf weibliche Stimmen geben wir ihnen den Raum, den sie verdienen. Uns ist darüber hinaus aber auch der Teamgedanke sehr wichtig. Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam und haben völlig flache Hierarchien. Neue Wege zu gehen und neue literarische Stimmen zu finden, treibt uns alle an.

Den Raum für junge wie etablierte Autorinnen zu schaffen, in dem sie sich wohl wie sicher fühlen und die verdiente Beachtung und Aufmerksamkeit bekommen, macht immer wieder große Freude. Vor allem, dass unser Konzept so gut aufgeht und sowohl unsere Autorinnen aber auch die Leserinnen und Leser, der Buchhandel und die Medien so positiv darauf reagieren, bestärkt uns ungemein.

Das Ecco-Team besteht aus fünf Kolleginnen; wir sind ein Team ebenfalls aus ausschließlich Frauen, von Programm über Herstellung, Marketing und Vertrieb bis hin zur Presse. Wir alle haben ein großes literarisches Interesse, einen ähnlichen Geschmack und vor allem eine ziemlich genaue Vorstellung, wo es mit Ecco hingehen soll. Wir haben uns schnell gefunden und ergänzen uns einfach sehr gut. Wir arbeiten völlig autark und sind frei in der Programmgestaltung, haben aber mit der Verlagsgruppe HarperCollins ein großes Haus im Rücken, das uns stärkt und von dem wir durchaus auch profitieren können.

Haben Sie sich auf Ihrem Weg gegen Widrigkeiten behaupten müssen?

Tabea Worthmann: Ich bin in der glücklichen Position, dass ich persönlich keine Kämpfe auszufechten hatte in meinem bisherigen Berufsleben. Ich bin oft ein wenig unglücklich darüber, dass für manche Menschen Hierarchien von so großer Bedeutung sind, was mir persönlich recht fremd ist. Aber nichtsdestotrotz ist das Arbeiten im Verlag, gerade auch im Vergleich zu anderen Branchen, schon irgendwie der berühmte Ponyhof.

Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich einen Ratschlag geben könnten, was würden Sie sagen?

Tabea Worthmann: Bei mir wäre es wahrscheinlich etwas sehr Simples wie "Trau dich! Spring einfach! Es muss nicht immer perfekt sein, es wird sich schon alles irgendwie ergeben." Ich habe das Gefühl, dass ich mir früher manchmal selbst im Weg stand, weil ich immer absolute Sicherheit wollte. Inzwischen versuche ich, das anders zu machen.

Laura Hage: "Sei offen und ehrlich und trau Dich, Deine Meinung zu sagen – sowohl Kritik als auch Lob sind eigentlich immer erwünscht!" 

Welcome to Utopia: Was würden Sie neu denken, würden Sie ein Unternehmen führen?

Tabea Worthmann: Wenn ich ein Unternehmen führen würde, wäre mein Ansatz, so viel wie möglich auf die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeitenden zu setzen. Ich glaube, dass Menschen nicht nur engagierter arbeiten, sondern auch mehr Freude an ihrer Arbeit haben, wenn man ihnen Vertrauen in ihre Fähigkeiten schenkt, ohne zu viel kontrollieren zu wollen. Eigentlich haben wir mit unserer Arbeitsweise bei Ecco schon jetzt bewiesen, dass das wunderbar funktioniert.

Hätten Sie zuletzt ein paar aktuelle Buchempfehlungen für unsere Leserschaft?

Laura Hage: Gerne möchte ich aus unserem ersten Ecco-Programm den Roman »Alef« empfehlen, das literarische Debüt von Katharina Höftmann Ciobotaru. Eine generationenumspannende deutsch-israelische Familiengeschichte, die sehr zu Herzen geht und die einen so schnell nicht mehr loslässt. Vor allem ist es eine ganz große Liebesgeschichte! 

»Writers & Lovers« von Lily King ist ein großartiges Lesevergnügen, sehr klug und berührend erzählt die Autorin von den Facetten einer Lebenskrise, dabei aber immer leicht und amüsant. Genauso gerne habe ich »Was das Leben kostet« von Deborah Levy gelesen: ein Buch, in dem man sich so gut wie jeden zweiten Satz anstreichen möchte. 

Tabea Worthmann: Ich habe gerade »Notes to Self« von Emilie Pine gelesen (auch schon auf Deutsch erschienen als »Botschaften an mich selbst« - bitte vom Cover nicht in die falsche Richtung lenken lassen!) Das sind sechs sehr persönliche Essays, die dennoch universell für uns alle sind. Es geht um Herkunft, um Tabus den weiblichen Körper betreffend, um Übergriffe, um Scham – man erkennt während der Lektüre sehr genau, was es heißt, eine Frau zu sein im 21. Jahrhundert. 

Außerdem hat mir zuletzt »Radikale Selbstfürsorge. Jetzt! Eine feministische Perspektive« von Svenja Gräfen unglaublich gut gefallen. Sie beschreibt darin, warum Selbstfürsorge keinesfalls egoistisch ist, sondern die Basis, um auch für andere da sein zu können. Und sie erklärt, was Feminismus mit dem Thema zu tun hat.

Und aus unserem ersten Ecco-Programm möchte ich »Was wir wollen« von Meg Mason ganz besonders empfehlen, weil der Roman mit Martha und ihrer Suche nach einem Leben, das sie glücklich macht (ob mit oder ohne Mann, mit oder ohne Kind, aber vor allem im Gleichgewicht mit sich selbst) für mich die perfekte Protagonistin hat. Ich habe viel mit ihr gelacht und mir hat es die Kehle zugeschnürt, wenn sie gelitten hat.

Kennt ihr schon The Organized?

Noch ein tolles Business aus Hamburg: Nadine Meyer hat sich als Ordnungscoach mit ihrem Service The Organized selbstständig gemacht. Was das bedeutet? Klickt euch ins Interview und findet es heraus!

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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