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Shutterstock / Lina Zavgorodnia
Hamburg

kiekmo da: Hamburger Wörter und was sie bedeuten

So einige Wörter nutzen wir Hamburger in unserem täglichen Sprachgebrauch – aber was reden wir da eigentlich? kiekmo erklärt sechs Begriffe aus dem Hamburger Schnack.


Kiez

In Berlin hat jeder seinen Kiez, sein Viertel. In Hamburg gibt's DEN einen Kiez. Und das ist auch richtig so! Zumindest laut Wortherkunft. Die ist nach Duden ungeklärt und viel diskutiert, liegt aber vermutlich im Slawischen. Denn der "Kietz" war der "Ort oder Vorstadt, wo die Fischer wohnen" und leitet sich wahrscheinlich vom slawischen Wort "chyža" oder"chyz’" für Hütte oder Haus ab. Passt, oder? Eine andere Herleitung bezieht sich auf das Altdeutsche "Kietze" für Korb. Der Kiez wird im Jargon außerdem mit (abgelegenem) Rotlicht- beziehungsweise Vernügungsviertel übersetzt.

Altona

Der heutige Stadtteil wurde 1537 erstmals urkundlich erwähnt und war damals noch eine eigenständige Gemeinde vor den Toren Hamburgs, die zu Streitigkeiten führte. In dem einstigen Fischerdorf der Grafschaft Pinneberg eröffnete Joachim Lohe nämlich die Krugwirtschaft, die den Hamburger Kneipen Konkurrenz machte – er lag "all to nah", allzu nah. Andere Namensherleitungen orientieren sich an "all ten au", was "bei dem Bach" bedeutet, die im nordischen Raum vermehrt zu finden sind. Seit dem 1. April 1938 gehört Altona als Bezirk und Stadtteil zu Hamburg.

 Quiddje

Quiddje, auch Quiddsche, Quittje oder Quietje, ist der Hamburger Ausdruck für Zugezogene – Fremde, Hochdeutschsprechende. Hans J. Massaquoi übersetzt den Begriff in seiner Autobiografie mit "alle, die das ungeheuerliche Pech hatten, nicht innerhalb der Stadtgrenzen Hamburgs das Licht der Welt erblickt zu haben". Dabei ist die Bezeichnung zwar wertend, aber nicht beleidigend gemeint. Der gemeine Quiddje outet sich durch einen fremden deutschen Dialekt und/oder die nicht vorhandenen Sprachkenntnisse in Plattdeutsch oder Missingsch. Die Betitelung Quiddje tauchte erstmals 1865 in einer Hamburger Zeitung auf – die genaue Herkunft des Wortes ist unbekannt. Vermutlich geht es auf diejenigen zurück, die damals eine Maut zahlen mussten, um in die Stadt zu gelangen und die entsprechende Quittung erhielten. Ebenso könnte es seinen Ursprung im Französischen Wort "quitté" haben, denn so nannte man früher die Aufenthaltsgenehmigungen der stadtfremden Händler, die ihre Ware auf den Hamburger Märkten anboten. Der Quiddje wird niemals den Status "Hamburger" erreichen und hat sowieso keinen Schimmer von den wirklich wichtigen Themen wie HSV und Elbvertiefung. Doch auch unter den in Hamburg Geborenen gibt es eine klare Rangordnung. An unterster Stelle findet sich der gebürtige Hamburger – selbsterklärend, oder? Der geborene Hamburger hat gebürtige Hamburger als Eltern. Eine Stufe höher steht der waschechte Hamburger. Als solcher darf sich bezeichnen, wer in mindestens dritter Generation gebürtiger Hamburger ist. Das toppt nur noch der Hanseat – Nachfahren der alten Hamburger Reeder, Banker oder Kaufleute.

Tüdeln

Hamburgern müssen wir's nicht erklären, oder? Tüdeln ist vielseitig einsetzbar und erklärt sich quasi aus der Situation selbst: Tatsächlich findet der Begriff in mehreren Bereichen Anwendung und beschreibt zum einen – und wohl am geläufigsten – den Akt des Trödelns und Zeitverplemperns. Genauso kann aber auch ineffektives, umständliches Arbeiten und Aufhalten mit unwichtigen Dingen gemeint sein. Wer tüdelt, flunkert aber auch. Man kann Dinge an- oder festtüdeln (anbinden) oder jemanden betüdeln (liebevoll umsorgen). Wer durch'n Tüdel kommt oder etwas vertüdelt, ist durcheinander, verwirrt, hat etwas verwechselt oder vergessen.Verknotete Kopfhörer oder kleinteilige Sachen sowie Krimskrams sind Tüdelkram. Wer angetüdelt ist, hat einen im Tee und wer tüdelig ist, ist ein Schussel. Alte Menschen werden auch gern mal tüdelig – leicht geistig beeinträchtigt.Laut Duden kommt tüdeln aus dem Mittelniederdeutschen: Tüdern heißt zaudern oder zögern. Mit dem Tüder (von tud(d)er) wird weidendes Vieh angebunden.

Kaffeeklappe

Babyklappe kennt ihr, aber von einer Kaffeeklappe habt ihr noch nie gehört? Nach Londoner Vorbild entstanden sie im Hamburger (Frei-)Hafen, um die Arbeiter mit warmen Mahlzeiten, alkoholfreien Getränken und Kaffee zu versorgen und so dem starken Alkoholkonsum entgegenzuwirken. So gesehen sind sie der Vorgänger der modernen Mensa. Aufgetischt wurde durch eine Klappe in den Gastraum, in dem mehrere Hundert Arbeiter Platz fanden – daher der umgangssprachliche Name der "Volkskaffeehallen". Ein Relikt jener Zeiten ist die Oberhafenkantine. 1925 wurde sie mit als zugegebenermaßen sehr kleine Kaffeeklappe errichtet und ist einigen auch noch als solche geläufig. In dem schiefen Häuschen unter der Brücke freuten sich die Arbeiter im Oberhafen über deftige Hausmannskost. Obwohl sie heute ein Restaurant ist, kann es also schon mal vorkommen, dass sich gerade die alteingesessenen Hamburger zu einem Besuch in der "Kaffeeklappe" verabreden. Die Kaffeeklappen im Hamburger Hafen fungierten später eher als Imbiss oder Kiosk, verkauften Brötchen, Tabakwaren und auch entgegen des ursprünglichen Gedankens Bier und Schnaps – halten konnten sie sich trotzdem nicht. In Erinnerung an die alten Zeiten versorgt euch auch die Wilhelmsburger Kaffeeklappe des 21. Jahrhunderts als Event-Caterer über die Insel hinaus mit regionaler und saisonaler Küche sowie natürlich Kaffee.

Jungfernstieg

Heute: Mekka der Autoposer und Shopping-Queens, Treffen vorm Apple-Store, auf einen Kaffee ins ALEX, den Dampfern oder den Skatern auf der Treppe zuschauen sowie eine der wichtigsten Haltestellen im Hamburger ÖVPN-Netz. Übrigens auch die erste asphaltierte Straße in Deutschland. Am Jungfernstieg kommt in Hamburg keiner vorbei. Doch warum heißt er eigentlich so? Wissen wir: Der heutige Dreh- und Angelpunkt der Stadt erfreute sich bereits im 17. Jahrhundert größter Beliebtheit als sonntägliche Flaniermeile. Sehen und gesehen werden war schon immer ein Ding. Bei diesem speziellen Schaulaufen ging es aber darum, unverheiratete Töchter zu präsentieren und sie mit möglichen Gatten bekannt zu machen. Dabei erhofften sich die Familien der Damen natürlich eine möglichst lukrative Vermählung. 1800 wurde dann der erste Alsterpavillon errichtet.

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