(© Bracenet )

Stylisch und nachhaltig: Armbänder aus Geisternetzen von "Bracenet"

"Save the seas, wear a net!" Ein Hamburger Pärchen fertigt aus Geisternetzen, die aus den Ozeanen gezogen werden, wunderschöne Armbänder. Die Geschichte einer großartigen Idee.

Es war in einem Urlaub an der afrikanischen Ostküste, 2014. Benjamin Wenke und Madeleine von Hohenthal sind mit dem Rucksack unterwegs, erkunden die Landschaft, gehen tauchen und schnorcheln. Und finden: Geisternetze, Dutzende von ihnen. Alte Fischernetze, die im Wasser treiben und an den Strand gespült wurden. In vielen haben sich Meeresschildkröten oder andere Tiere verfangen. "Wir haben dann angefangen, sie zu sammeln und Fotos zu machen. Aber dann dachten wir, es reicht nicht, wenn wir das dokumentieren und online stellen. Das wäre dann nur eines von vielen schrecklichen Bildern, die man gleich wieder vergisst, wenn man weiterscrollt und das nächste lustige Katzenvideo sieht", erzählt Benjamin heute. "Wir wollten mehr machen, etwas, das wirklich nachhaltig wirkt, aber noch als Netz erkennbar ist." Also grübelten sie und zerbrachen sich die Köpfe. Schließlich kamen sie auf die Idee, Armbänder zu fertigen. Armbänder, auf Englisch "bracelets", hergestellt aus Geisternetzen. Bracenet war geboren und der passende Slogan war auch schnell gefunden: "Save the seas. Wear a net."

Benjamin (33) und Madeleine (30) verschenkten in einem Dorf in Tansania alles, was sie in den Rucksäcken hatten und stopften so viele Netze hinein, wie sie konnten. Zurück zu Hause stellte sich ihnen die Frage: Wie machen wir daraus nun Armbänder? "Wir haben mit verschiedenen Verschlüssen experimentiert. Irgendwann kamen wir auf diesen Magnetverschluss, aber dann brauchten wir einen Kleber, mit dem der Verschluss und das Band wirklich fest verbunden werden konnten. Den gab's eigentlich gar nicht..." Doch irgendwann war es fertig: das erste "Bracenet".

Das Geld für die geplante Weltreise wurde investiert

Was als Hobby nebenbei begann, ist mittlerweile ein florierendes Unternehmen mit sechs Angestellten. Die Nachfrage boomt. “Irgendwann standen wir vor der Entscheidung, ob wir unsere komplette Freizeit mit Bracenet verbringen oder ob wir das richtig machen wollten”, erzählt Benjamin – er war früher im Marketing tätig, Madeleine hat als Art Buyerin gearbeitet. Sie entschieden sich für Letzteres, kündigten ihre Jobs und investierten das Geld, das sie eigentlich für eine Weltreise nach der Hochzeit gespart hatten, in die neue Firma.

Am Anfang haben Madelaine und Benjamin die Armbänder selber gebastelt. Heute machen das vier Behinderten-Werkstätten. (© Bracenet )

Manche Netze sind hunderte Meter lang

Zusammen mit den Meeresschutz-Organisationen Healthy Seas und Ghost Fishing holen sie alte Netze aus verschiedenen Ozeanen, manche aus mehr als 30 Metern Tiefe. Manche von ihnen, sagt Benjamin, hätten sich unbeabsichtigt an Riffen und Schiffswracks verfangen – eine Folge der Überfischung, weil sich die Tiere immer mehr aus den offenen Meeren in geschützte Bereiche zurückziehen, wohin ihnen die Fischer folgen. Andere Netze würden absichtlich im Wasser entsorgt, weil sie nicht mehr reparabel sind. Manche von denen, die sie aus der Tiefe heraufholen, sind nur kleine Fetzen. Andere sind mehrere hundert Meter lang. Eine tödliche Falle für die Meeresbewohner.

Alte, zerrissene Netze aus dem Meer zu holen, ist ein nicht ungefährlicher Knochenjob. Manche sind mehrere hundert Meter lang. (© Case Kassenberg / Bracenet )

Der nächste Schritt ist die Reinigung, die der norwegische Bracenet-Partner Nofir übernimmt. Hier werden die Netze auch sortiert – manche werden gehäckselt und die Fasern beispielsweise in Teppiche eingearbeitet. Diejenigen, die noch in gutem Zustand sind, gehen an Bracenet und werden in Hamburg, Duisburg und Neumünster in Handarbeit mit der Unterstützung von vier Behindertenwerkstätten zu den einzigartigen Bracenets verarbeitet. Denn jedes Armband ist ein Unikat, hat eine andere Farbe, eine andere Herkunft, eine andere Struktur. In rot, türkis, blau, grün leuchten sie am Handgelenk. Auf einem Anhänger am Jutesäckchen erfährt der neue Besitzer die Netznummer und das Bergungsdatum.

(© Bracenet )

Nicht nur entsorgen, sondern auch vorsorgen

Schon etwa drei Tonnen Geisternetze haben Benjamin und Madeleine so zu stylischen Schmuckstücken verarbeitet. 19 Euro kostet eines. Ein Zehntel davon geht an Healthy Seas, die damit noch mehr des gefährlichen Plastikmülls aus dem Meer holen. Doch das Säubern der Ozeane reicht den beiden nicht. “Wir wollen auch vorbeugen, dafür sorgen, dass gar nicht erst so viele Geisternetze herumschwimmen”, sagt Benjamin. Deshalb unterstützen sie zwei Studenten bei ihrer Masterarbeit, die damit neuartige Netze entwickeln wollen, die wesentlich schneller abbaubar sind. “Ein normales Netz braucht 800 Jahre, um zu winzigen Nano-Plastik-Partikeln zu werden!” Eine Flotte schottischer Fischer, mit denen Bracenet zusammenarbeitet, hat sich bereit erklärt, die neuen Netze zu testen.

Auch gegenüber ihren Kunden legen Madeleine und Benjamin Wert auf Nachhaltigkeit. “Mittlerweile liefern wir Bracenets auch an viele große Firmen, darunter zum Beispiel 15 Airlines, die sie in ihren Bordshops verkaufen. Nun sind Airlines ja aber nicht unbedingt Vorzeige-Ökounternehmen, sondern tragen massiv zur Umweltverschmutzung bei. Wir versuchen deshalb immer, sie zu überzeugen, selbst etwas dagegen zu tun, ohne dabei aber mit dem Finger auf sie zu zeigen.” Schließlich genüge es nicht, Bracenets zu verkaufen und damit sein Öko-Gewissen reinzuwaschen. Die Taktik hat Erfolg: Eine isländische Fluggesellschaft will künftig auf jedwedes Plastik im Bordbetrieb verzichten, erzählt Benjamin strahlend.

Es gibt verschiedene Designs und Größen. Alle Käufer bekommen ein Jutesäckchen mit dem Fundort des Netzes. (© Bracenet )

Hier bekommt ihr die Armbänder

Kaufen kann man die Armbänder bei Bracenet bislang nur online. “Ein Ladengeschäft würde hohe Kosten verursachen, das Geld können wir sinnvoller verwenden”, sagt Benjamin. Wer sich sein Bracenet aber erst einmal in natura ansehen möchte, kann sich mal bei Juwelieren und vor allem bei Surf- und Skate-Shops umsehen. In letzteren gibt es auch Pullis, Hoodies, Beutel oder Taschen mit dem Bracenet-Logo. Stylisch aussehen und gleichzeitig der Umwelt Gutes tun - kann es etwas Besseres geben?

Info:
www.bracenet.net; E-Mail: hello@bracenet.net

Hier könnt ihr euch engagieren

Manche von euch werden sagen: "Ich kaufe ein Armband und damit soll der Planet gerettet werden?" Ja, ein kleines Stück zumindest. Wenn ihr aber das Bedürfnis habt, mehr tun zu wollen, gibt es in Hamburg unzählige gemeinnützige Vereine, bei denen ihr euch einbringen könnt. Wir haben für euch eine Liste an Vereinen zusammengestellt, die eure Hilfe gerne annehmen und sich dafür einsetzen, dass zumindest Hamburg zu einem besseren Ort wird.

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