Schon früher fanden im Alten Elbtunnel Ausstellungen statt. In Zukunft könnte noch viel mehr los sein. (© Christian Spahrbier )

Alter Elbtunnel: Neue Nutzung für Hamburgs Denkmal?

Rot-Grün will Autos aus dem Alten Elbtunnel verbannen, dafür den Radverkehr ankurbeln und jede Menge Kultur darin veranstalten. Was heißt das genau, auch für die ganzen Pendler? Wir haben den Hamburger Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks gefragt.

Herr Tjarks, malen Sie uns mal ein Bild: Wie stellen Sie sich den Elbtunnel in fünf Jahren vor?
Anjes Tjarks: Nehmen wir sechs Jahre, denn 2024 wird auch – hoffentlich – die zweite Röhre fertig saniert sein und genauso schick aussehen wie jetzt die erste. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir zeitnah Führungen zur Tunnelgeschichte anbieten. Das ist ja schließlich ein Denkmal von großer historischer Bedeutung! Und wenn der Tunnel dann autofrei ist – und ich gehe fest davon aus, dass das zum 1. Januar 2019 der Fall sein wird – und beide Röhren in Betrieb sind, kann man sich ja noch eine ganz andere kulturelle Nutzung vorstellen.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel Lesungen, Poetry Slams, Theatervorstellungen, Vermietungen für Filmdrehs, Ausstellungen zur Tunnelgeschichte. Und dann könnten dort natürlich auch Konzerte stattfinden. Der Alte Elbtunnel hat ja einen ganz besonderen Klang, und jetzt stellen Sie sich mal vor, das NDR-Residenzorchester der Elbphilharmonie spielt dort. Oder es finden dort Konzerte im Rahmen des Elbjazz-Festivals statt. Der Tunnel wird ja eh als Weg zum Festival genutzt. Bei der Akustik bestimmt ein ganz unglaubliches Erlebnis.

Alter Elbtunnel: Neues Konzept mit Blick auf Pendler

Stimmt. Und wahrscheinlich ein Albtraum für den Tontechniker... Aber wären so große Veranstaltungen katastrophenschutztechnisch überhaupt möglich? Man kommt da ja so schnell gar nicht heraus.
Das muss tatsächlich ganz genau geprüft werden. Aber grundsätzlich gibt es ja zwei Fluchtwege, und es müsste natürlich eine begrenzte Teilnehmerzahl geben. Es gibt aktuell schon ein sehr aufwändiges Brandschutzkonzept, das aber nur wegen der Verbrennungsmotoren der Fahrzeuge so aufwändig sein muss. Die sind das Hauptthema, und vor allem deswegen steht dort unten Personal. Diese Beschäftigten der HPA (Hamburg Port Authority, Anm. d. Red.) könnten bei einem Autoverbot ganz andere Aufgaben übernehmen, und die haben da auch richtig Lust drauf. Das Personal würde gerne mehr machen als nur darauf zu achten, dass ein Auto korrekt im Fahrstuhl steht.

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks träumt von Konzerten des Elphi-Sinfonieorchesters im Alten Elbtunnel. (© Bertold Fabricius )

Aber der Alte Elbtunnel ist jetzt schon häufig durch Touristen ziemlich voll. Wäre denn gewährleistet, dass Pendler da noch vernünftig durchkommen?
Ja, das müsste selbstverständlich geregelt sein. Ohnehin wäre es sinnvoll, wenn man dann mal eine Lösung findet, dass Radfahrer morgens wie abends in beiden Richtungen radeln dürfen und nicht schieben müssen.

Wie würde es sich denn sonst verkehrstechnisch auswirken, wenn der Tunnel für Autos gesperrt wird?
Wir gehen davon aus, dass der Fahrrad- und Fußgängerverkehr dann enorm zunehmen wird, weil die großen Fahrstühle in der Mitte, die bislang die Pkw rauf- und runtergefahren haben, ebenfalls nutzbar sind und wir die Betriebszeiten des Elbtunnels deutlich ausweiten werden. Wir können also alle Pendler morgens und abends über die großen Fahrstühle abwickeln, da muss keiner mehr an den kleinen Seitenaufzügen warten oder gar sein Rad nach unten tragen.

Alter Elbtunnel: Bessere Anbindung des Hamburger Südens?

Das ist doch toll! Vielleicht steigen dann noch mehr Wilhelmsburger aufs Fahrrad um.
Ja, klar ist das toll, aber dann haben wir eine weitere Herausforderung: Der Geh- und Radweg nach Wilhelmsburg wurde zwar erst vor zehn Jahren ausgebaut, seitdem hat das Fahrradaufkommen aber enorm zugenommen. Zu Stoßzeiten, vor allem am Wochenende, ist es da laut HPA zeitweise schon jetzt sehr voll. Deshalb müsste der Radweg wohl nochmals erneuert und verbreitert werden. Das könnte nach dem Autoverbot der zweite Schritt sein.

Unter den Autofahrern sind aber doch bestimmt auch Wilhelmsburger Pendler. Sollen die künftig dann außenrum fahren?
Wir haben in diesem Jahr genau elf Jahreskarten verkauft. Ich glaube, das ist fast vernachlässigbar. Mal ganz davon abgesehen habe ich gerade vor ein paar Tagen einen Wilhelmsburger getroffen, der mir erzählte, dass er noch nie durch den Alten Elbtunnel mit dem Auto gefahren ist, weil es außenrum ohnehin viel schneller geht.

Dennoch haben Sie im vergangenen Jahr 60.000 Euro durch die Auto-Durchfahrten eingenommen. Wie wollen Sie das auffangen?
Auf meinem Girokonto wäre das ein extremer Batzen Geld, stimmt. Angesichts der Gesamtkosten für die Sanierung, die aktuell auf 120 Millionen Euro geschätzt wird, und der Tatsache, dass der Tunnel eine Kostendeckung von gerade mal drei Prozent hat, ist das aber nicht der entscheidende Betrag. Und der Verkehr hat weiter abgenommen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es deutlich weniger als 10.000 Autos, die durch den Tunnel gefahren sind.

Für Fahrradfahrer und Fußgänger wird das Durchqueren aber kostenlos bleiben?
Ja. Definitiv. Das wäre ja sonst de facto eine Stadtteil-Maut für die Wilhelmsburger, und das ist absolut indiskutabel.

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