(© Till Petersen )

"Alle für einen, alle für mich": Warum wir Fynn Kliemann lieben

Webdesigner, Gründer, Musiker, Heimwerker, Autor und YouTuber – gibt es irgendwas, das Fynn Kliemann nicht kann? Unwahrscheinlich. Und dabei kommt der Zevener auch noch immer sympathisch rüber. Hier sind fünf Gründe, warum vor allem die Hamburger ihn lieben.

Weil das Kliemannsland nur eine Stunde von Hamburg entfernt ist.

2016 haben Fynn Kliemann und sein Kumpel Hauke einen Hof im niedersächsischen Örtchen Rüspel erobert: das Kliemannsland. Dessen Betriebskosten wurden bis Juli 2020 zum Teil durch die gleichnamige YouTube-Serie gedeckt, die der NDR für "funk", das Content-Netzwerk von ARD und ZDF produzierte (jetzt in Eigenregie). In diesen vier Jahren hat sich das etwa 3,8 Hektar große Areal zu einer Neverland Ranch für Kreative entwickelt. In den Ateliers, Studios und Werkstätten wird gebaut, gebastelt, gemalt, gefilmt, musiziert und gekocht, was das Zeug hält.

Über den "Fynnder" auf der Webseite vom Kliemannsland könnt ihr eure eigenen Ideen einbringen, was als Nächstes auf dem Hof passieren soll. Über die Umsetzung der Vorschläge stimmt anschließend die Community ab. So sind unter anderem schon ein Café (an den Wochenenden geöffnet), ein Garten und diverse Veranstaltungen entstanden. Für deren Realisierung braucht es viele freiwillige Helfer, die sich ebenfalls über den "Fynnder" anmelden können und während ihrer Zeit auf dem Gelände in bereitgestellten Wohnwagen übernachten.

Fynn Kliemanns erklärtes Ziel ist es, Dörfler und Städter mehr zusammenzubringen und sich kreativ ausleben zu lassen. Diesem Ruf sind auch schon viele Hamburger gefolgt. Immerhin ist der Hof der Abenteuer in gut einer Stunde mit dem Auto zu erreichen – schaut doch mal vorbei. Übrigens: Ihr könnt auch Bürger vom Kliemannsland werden. Mehr als 55.000 Einwohner (Stand: September 2019) zählt der Interaktiv-Staat schon. Zum Vergleich: Das Dorf Rüspel selbst hat 250 Einwohner.

Weil er Gunter Gabriels Hausboot in Harburg wieder fit macht.

Gemeinsam mit Singer-Songwriter und Moderator Olli Schulz hat Fynn Kliemann 2018 das Hausboot des verstorbenen Country-Sängers Gunter Gabriel gekauft. Auf der "Magdeburg", die zuletzt im Harburger Binnenhafen vor Anker lag, hatte der Musiker 20 Jahre lang gelebt. Allerdings befand sich das Schiff in einem katastrophalen Zustand. Böden, Wände und Dach waren so marode, dass die beiden Bootsväter schon befürchteten, sich die Sanierung nicht leisten zu können. Insgesamt sollen die Kosten rund 200.000 Euro betragen. Doch Fynn Kliemann wäre nicht der (selbsternannte) Heimwerkerking, wenn er nicht wüsste, wie er den "Scheißhaufen" wieder flott machen könnte. Zusammen mit Olli Schulz und weiteren befreundeten Helfern bringt er den Kahn derzeit in Hamburg wieder auf Vordermann.

Die Entwürfe zeigen drei Schlafzimmer, Duschen, ein Musikstudio, eine Art Gemeinschaftsraum und eine komplett verglaste Wand für traumhaften Hafenblick. Doch das Highlight ist wohl eine mit Sonnensegeln überspannte Terrasse mit Bühne. Das Hausboot soll aber nicht nur saniert, sondern auch revolutioniert werden. Mit einer Solaranlage auf dem Dach, Wärmetauschanlage und Wasserfiltern. Wenn alles fertig ist, steht die "Magdeburg" hoffentlich bald Musikern als schwimmende Kreativwerkstatt im Harburger Binnenhafen zur Nutzung offen.

Weil er der Reeperbahn mit "Kieztränen" eine Hymne geschrieben hat.

Wenn Fynn Kliemann gerade nicht auf seinem Hof rumwerkelt, schreibt er auch Songs. Schon früher hatte das Multitalent in seinen YouTube-Videos gelegentlich seine Lieder angestimmt, 2018 brachte er dann sein Debütalbum "Nie" heraus. Der Song "Kieztränen" ist eine melancholische Hymne über das urbane Leben zwischen Kneipe, Suff, S-Bahn und der Angst, was zu verpassen – so, wie viele es in Hamburg wohl schon mal erlebt haben. Fynn sagte in einem Interview, es gehe um eine Freundin, "die ihr ganzes Leben verändert hat und in die Großstadt gezogen ist, um einmal richtig Vollgas zu geben" – und am Ende doch verloren in dieser Welt ist. Vielleicht hat er deshalb das Landleben für sich gewählt, auch wenn auf dem 2020er-Album "POP" ein Song "Frieden mit der Stadt" heißt.

Weil er Viva con Agua und Goldeimer unterstützt.

Soziales Engagement ist Fynn Kliemann wichtig. So unterstützt er den Hamburger Verein Viva con Agua, der sich für den weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Versorgung einsetzt. Auch das Hamburger Social Business Goldeimer, das zum Viva-con-Agua-Kosmos zählt und Komposttoiletten sowie ein Recycling-Klopapier herstellt, kann auf ihn zählen. Im Rahmen der Millerntor Gallery 2016 zimmerte Fynn ein Portal-Klo für das Unternehmen: eine Komposttoilette mit Achsen und Rädern. Wenn jemand auf dem Festival also etwas länger auf dem Pott braucht, müssen seine Leute nicht auf ihn warten, sondern können ihn mitsamt Klo schon an eine andere Stelle befördern. Anfang 2019 reiste der Heimwerkerkönig außerdem mit Viva con Agua und Goldeimer nach Äthiopien, um die ersten Eco-Toiletten des Landes zu bauen.

Weil er den Hamburger Programmkinos geholfen hat.

Na gut, genau genommen hat Fynn Kliemann während der Coronakrise nicht nur den Hamburger Programmkinos, sondern deutschlandweit geholfen. Wie? Indem er für seinen 80-minütigen Dokumentarfilm "100.000 – Alles, was ich nie wollte." in Windeseile ein neues Konzept entwickelt hat. Ursprünglich sollte die Doku über die Entstehung seines Debütalbums "Nie", die gleichzeitig ein Plädoyer für "einfach sein Ding machen" ist, im Mai 2020 für einen Tag in die Kinos kommen. Doch COVID-19 war schneller. Und so entschied Fynn einfach, den Film einen Tag lang im April als Stream ins Netz zu stellen (mittlerweile auch auf Joyn). Die Fans konnten sich Karten dafür online kaufen und dabei festlegen, welches Kino ihrer Wahl 25 Prozent des Ticketgewinns erhalten sollte. Die Hamburger Programmkinos wie Abaton, Savoy und die zeise Kinos wurden dabei natürlich auch berücksichtigt.

Apropos Kino in Hamburg …

...die Fynn-Kliemann-Doku läuft zwar nicht, dafür könnt ihr auf den Leinwänden aber wieder viele andere kleine und große Filme verfolgen. Diese Kinos in Hamburg sind auf jeden Fall einen Besucht wert.

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