Ali's Bioecke: Eimsbüttels Gute-Laune-Händler

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Ali Shahandeh und seine Bioecke sind seit 23 Jahren DER Nachbarschaftstreff rund um den Eimsbütteler Alsenplatz. Ein Gespräch über Bier, Foodsharing und Gesabbel mit den Kunden.

Wenn Ali Shahandeh hinter dem Tresen seines Bioladens steht und über die Theke hinweg mit seinen Kunden schäkert, tut er dies mit vollem Körpereinsatz. Ali gestikuliert viel und lacht noch viel mehr, sodass sein grauer Schnurrbart im Stakkato auf und ab hüpft. Seine wachen, freundlichen Augen haben stets alles im Blick und dabei natürlich ganz besonders das Wohl seiner Kundschaft. Bereits nach wenigen Minuten zwischen Wassermelonen, Biohof-Eiern und frischem Brot steht zweifelsohne fest: Dieser Mann liebt seinen Beruf über alles – und dafür lieben die Eimsbütteler ihn. Seit fast 23 Jahren ist Ali’s Bioecke der inoffizielle Nachbarschaftstreff rund um den Alsenplatz und sein Besitzer mittlerweile ein echtes Stadtteil-Original. „Als ich damals angefangen habe, konnten die Leute mit dem Begriff ‚Bio’ noch nicht so viel anfangen. Das hat sich erst in den vergangenen Jahren Stück für Stück geändert“, erinnert sich der gebürtige Iraner. „Deswegen habe ich in all der Zeit immer wieder gelernt, mich den Wünschen der Menschen anzupassen.“

Man kennt sich, man schätzt sich - auch ohne viel Gesabbel

Diese Wünsche haben dafür gesorgt, dass Alis Lebensmittelladen heute eine ausgewogene Mischung aus Bio-Produkten und konventioneller Ware führt. Im Klartext bedeutet das: Hier bekommt der geneigte Anwohner alles, was der Einkaufskorb begehrt. An sechs Tagen in der Woche sind der 56-Jährige und sein drei Mann starkes Team, bestehend aus Alis Sohn Farzin, der „treuesten Seele“ Felix und Azubi Nazil, für die Eimsbütteler da. Und das nicht nur, wenn der Magen knurrt. Pakete für die Nachbarschaft werden angenommen, Haushaltsgegenstände zwischengelagert oder Werkzeuge verliehen. Ali ist der Mann für alle Fälle, der seine Kunden mittlerweile so gut kennt, dass er ihnen die Wünsche mit einem knappen Blick ins Gesicht ansieht. So muss sich der rüstige Rentner aus dem Haus nebenan nicht einmal mehr ins Innere des Ladens bequemen. Ein taxierender Blick auf der Türschwelle genügt und Ali ist in seinem Element: „Moin, mein Lieber! Ein halbes Kilo Kirschen?“ Die knappe Antwort der Schiebermütze: „Jup. Wie immer.“ Man kennt sich, man schätzt sich, manchmal auch ohne viel Gesabbel.

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Vor vier Jahren begann Ali damit, seine Bioecke über das reine Verkaufsgeschäft hinaus für Events zu öffnen. Seitdem finden in den Räumlichkeiten regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Ausstellungen, aber auch Weinproben und Fußballabende statt. „Eimsbüttel ist mein Stadtteil. Hier bin ich angekommen, hier fühle ich mich wohl und hier möchte ich nicht mehr weg“, wird der studierte Diplom-Kaufmann fast ein wenig sentimental. „Ich mag den bunten Mix an verschiedensten Menschen. Ihnen möchte ich mit meinem Laden etwas zurückgeben.“ Apropos zurückgeben: Verderbliche Ware, die Ali nicht an den Kunden bringt, kommt nicht auf den Müll, sondern geht an die Initiative Foodsharing. Davon ausgenommen ist allerdings sein absoluter Verkaufsschlager, den er mit seinem lauten Lachen abschließend verrät: „Ganz klar Bier! Die Leute haben immer Durst, Bier geht immer.“ In diesem Sinne: Prost, Ali. Auf die Nachbarschaft, auf Eimsbüttel.

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