(© Unsplash / David Clarke )

Abriss vor 25 Jahren: Der "Dicke" vom HSV und der Rothenbaum

Kennt ihr noch das legendäre HSV-Stadion am Rothenbaum? Dann seid ihr keine Teens mehr. Vor einem Vierteljahrhundert begann 1994 der Abriss von Uwe Seelers Wohnzimmer. Wir erinnern uns.

Es ist ein sonniger Nachmittag im August 1989. Wie knapp 8.000 andere Fußballfans steige ich an der Hallerstraße aus der U-Bahn. Der HSV hat ausnahmsweise in sein altes, traditionsreiches Stadion am Rothenbaum gebeten. Wir erleben ein Pokalspiel, bei dem Thomas von Heesen, Oliver Bierhoff, Didi Beiersdorfer und wie sie alle heißen gegen den klaren Außenseiter aus Duisburg kräftig baden gehen.

Nach den Toren der große Abriss

Kann ja mal passieren, denken wir hinterher. Schließlich ist der Club damals noch eine halbwegs große Nummer. Doch wir ahnen nicht, dass wir grad das letzte Spiel einer Profimannschaft an dieser historischen Stätte erlebt haben. Hier, wo Charly Dörfel flankte und Uwe Seeler vor bis zu 30.000 Fans zur Legende wurde, sollen ein paar Jahre später die Abrissbagger rollen.

Ein Stich ins Herz aller HSVer

Zwar kicken noch die Amateure des HSV am Rothenbaum, aber trotzdem verfällt das Gelände immer mehr. Investieren will niemand so recht. 1993 entscheidet der Senat dann, das Stadion, das eigentlich nur Sportplatz heißt, abzureißen. Für viele HSV-Fans ein Stich in Herz. Hat nämlich mächtig Charme, dieser Platz mit den kleinen Kartenhäuschen, den für sportliche Kinder locker zu überwindenden Zäunen und der kultigen Holztribüne. Auf der schon Opa gesessen hat.

"Rettet den Rothenbaum" ohne Erfolg

Der HSV versucht noch, die ganze Anlage unter Denkmalschutz stellen zu lassen – klappt aber nicht. Der umstrittene HSV-Präsident Jürgen Hunke initiiert sogar eine Aktion namens "Rettet den Rothenbaum" – 25.000 Menschen unterschreiben. Am 25. August 1994 erteilt das Bezirksamt Eimsbüttel dennoch die Abbruchgenehmigung. Bei einigen Fans fließen Tränen.

Arbeiten, wo einst der Dicke kickte

Und heute? Stehen da, wo Uwe, genannt "der Dicke vom Rothenbaum", die Rothosen einst aufs Feld führte, Bürobauten und Wohnhäuser. Klar, die werden in Hamburg auch gebraucht. Und der HSV hat aus dem alten Volksparkstadion ja auch längst ein Schmuckkästchen gemacht. Aber etwas schade ist es schon, dass viele der Menschen vielleicht gar nicht mehr wissen, auf welchem Grund sie arbeiten und leben, oder? Der "Dicke" würde sicher zustimmen.

Hamburgs Fußball-Helden

Die Story von "Uns Uwe" ist nur eine der Geschichten, die in Hamburg ihren Anfang nahmen. Es gibt Weltmeister, einen Zocker und einen Stinkefinger: Hier kommen 10 Hamburger Fußball-Helden.

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